Adelig versus adlig

[F] In verschiedenen Artikeln steht mal »Adliger«, dann »Adeliger« oder auch »adlig« und »adelig«. Gibt es ein System, wann was gebraucht wird?

[A] Vielen Dank für Ihre Frage. Ähnliche Fragen, ob Buchstaben, besonders Vokale wie das ausgelassen werden können, erhalten wir häufig, besonders bei der Flexion des Raum(e)s oder des Weg(e)s. Die beiden Adjektive adelig und adlig können, so der Duden, synonym verwenden werden. Es bestehen keine Unterschiede in der Bedeutung. Beide Begriffe werden definiert mit: ›von adeliger Herkunft sein, edel, hoheitsvoll‹. Allerdings wird adelig als gehoben betrachtet (vgl. »Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache «, 4. Aufl., Mannheim 2012). Daher kann es gut vorkommen, dass Sie beide Formen in Zeitungen o. Ä. finden.

Vergleichbare Zweifelsfälle sind ein nobles Angebot oder ein dunkeler/dunkler Gang (»Duden. Richtiges und gutes Deutsch«, 7. Aufl., Mannheim 2011). In vielen solchen Fällen wird bei der Deklination das e getilgt, um zu viele Silben zu vermeiden. Stellen Sie sich nur – so der Duden weiter – saueres Bier oder teuere Zeiten vor.

Früher hat man in solchen Fällen das e in der Flexionsendung -en weggelassen. Dann hieß es z. B. im dunkeln Hain.

Im Wörterbuch von Campe, das zu Beginn des 19. Jahrhundert entstanden ist, wird lediglich die Form adelig aufgeführt. Offenbar ist die Variante mit getilgtem e die jüngere und hat sich erst im letzten Jahrhundert gebildet (vgl. Campe, Joachim Heinrich: »Wörterbuch der Deutschen Sprache«, Braunschweig 1807).

Aber nicht immer kann das e im Auslaut bei Adjektiven getilgt werden, das hängt von der Endung ab. Z. B. bei der Entlehnung aus dem Englischen eine clevere Lösung oder ein ebenes Gelände muss das e beibehalten werden. Auch wenn die Betonung auf der letzten Silbe liegt, bleibt das e, wie bei leger.

Im Fall von adelig und adlig kann man aber beides getrost verwenden.