Bedeutung von gesotten bzw. versottet

[F] Was hat es mit dem Wort gesotten auf sich? Welche Bedeutung hat der Wortbestandteil sotten und was bedeutet es, wenn ein Motor versottet ist?

[A] Gesotten ist das Partizip Perfekt des Verbs sieden (vgl. Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. Mannheim 2012 [CD-ROM]). Sieden hat die Bedeutung ›kochen‹ und die Herkunft ist nicht sicher geklärt (vgl. Duden. Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Mannheim u. a. 2001). Verwandt sein könnte es zum Beispiel mit dem gotischen Wort sauþs ›Opfer‹, altisländisch sauðr ›Schaf‹, eigentlich ›etwas, das zum Opfer gekocht wird‹ oder Sod wie in Sodbrennen oder Sud (vgl. ebd.). Während Sod auf das mittelhochdeutsche Wort sõt[e]/sõdem und eine ähnliche Bedeutung zurückgeht, nämlich ›heißes Aufwallen‹, vereint das Verb sudeln von Sud/Absud zwei Bedeutungsstränge: zum einen auch ›sieden, kochen‹ und zum anderen ›beschmutzen, im Schmutz wühlen‹ (vgl. ebd.). Auch griechisch ai/jtmé mit der Bedeutung ›Atem, Dunst, Feuer‹ wird als möglicherweise zugehörig in Betracht gezogen (vgl. Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin/ Boston 2011).

Wenn also in der Küche gesotten wird, dann wird ganz einfach gekocht. Eier etwa können weich oder hart gesotten bevorzugt werden – die übertragene Bedeutung von hartgesotten ist seit dem 18. Jahrhundert belegt, mit der Bedeutung ›seelisch verhärtet‹ oder ›unbelehrbar‹ (vgl. Duden 2001). Andere Redewendungen rund um das Verb sieden wären etwa jemandem siedet das Blut, ›ist erregt vor Zorn oder Leidenschaft‹ oder dort gibt es Gesottenes und Gebratenes im Sinne von ›dort geht es hoch her wie auf einem Fest‹ (vgl. Röhrich, Lutz: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg i. Breisgau 1992).

Versottet wiederum bezeichnet fachsprachlich, wenn etwas durch sich ablagernde Rauchrückstände verunreinigt ist, das kann zum Beispiel bei einem Kamin oder einem Motor der Fall sein. Umgangssprachlich würde man ganz einfach verrußt sagen. Sott ist eine Bezeichnung für Ruß, die ebenfalls auf mhd. sõt[e]/sõdem zurückgeht, und damit schließt sich der Kreis rund ums Sieden (vgl. Duden 2012).