Herkunft von hinterm Ofen sitzen

[F] Kürzlich las ich die Bauernregel »Im Juli will der Bauer schwitzen, als untätig hinterm Ofen sitzen«. Warum heißt es »hinterm Ofen sitzen«? Bisher habe ich immer davor gesessen.

[A] Die Wendung hinterm Ofen sitzen ist in diesem Fall nicht wörtlich zu verstehen – gewiss sitzt man, um sich zu wärmen, vor dem Ofen, nicht dahinter -, sondern im übertragenen Sinn. Hinterm Ofen hocken heißt in der Umgangssprache so viel wie ›immer zu Hause bleiben, nicht gern ausgehen, nicht gern an die frische Luft gehen‹ (vgl. »Duden – Das große Buch der Zitate und Redewendungen«, Mannheim 2007).

Versteht man die Wendung so, ergibt auch die Bauernregel erst Sinn, denn im Juli ist es warm, der Ofen bleibt für gewöhnlich aus, so wird der Bauer rausgehen und dort (bei der Arbeit) schwitzen, statt zu Hause/im Haus zu bleiben und nichts zu tun. Impliziert wird also zudem, dass der Arbeitsplatz eines Bauern draußen ist, nicht drinnen, »hinterm Ofen«. Dies ist natürlich im Sommer umso angenehmer.

Hieße es »vor dem Ofen«, müsste man wohl davon ausgehen, dass der Ofen an wäre und der Bauer also laut Bauernregel lieber schwitzt als sich am Ofen zu wärmen – dies jedoch scheint fast widersinnig.