Projekte und Veranstaltungen der GfdS zum Martin-Luther-Jubiläumsjahr 2017

Mit dem Reformationstag im Jahr 2016 begann das Luther-Jahr, das bis in den Oktober 2017 dauert. Dabei feiern vor allem die evangelischen Christen in Deutschland die Erneuerung, die Martin Luther vor 500 Jahren in die Kirche brachte. Doch wer war er eigentlich und warum ist er so berühmt?

Dieser Frage widmen sich im Jubiläumsjahr 2017 zahlreiche Zweige der Gesellschaft für deutsche Sprache, indem sie Veranstaltungen und Vorträge zum Thema anbieten, Wettbewerbe abhalten und so einen kreativ-spielerischen Zugang zu Martin Luther und seinen Lehren ermöglichen. Auch ein Quiz zu Martin Luther, seinem Leben, seinen Werken und seinen Taten haben wir entwickelt.

Der zentrale Aspekt dabei ist natürlich die deutsche Sprache, denn durch die Reformationsbestrebungen Martin Luthers wurde vor 500 Jahren auch das Deutsche enorm befördert.

Luther-Quiz

Wie gut kennen Sie den großen Reformator wirklich? Testen Sie hier Ihr Wissen anhand von 32 Fragen rund um Luthers Leben und Wirken und gewinnen Sie einen unserer attraktiven Buchpreise!

Hintergrund

Als Beginn der Reformation gilt ein Streit zwischen dem Erzbischof von Mainz und Martin Luther: Dieser hatte dem Bischof im Jahr 1517 in einem Brief seine inzwischen berühmten 95 Thesen gegen den Verkauf von Ablassbriefen geschickt (jenen Thesen, die Luther an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll), mit denen die Menschen sich angeblich von ihren Sünden freikaufen konnten. Damit verdiente die Kirche viel Geld, doch Luther war der Meinung, dass nur durch Jesus Christus eine Vergebung der Sünden möglich sei. Der Bischof lehnte die Thesen, die die Macht und den Reichtum der Kirche einschränkten, nicht nur ab, sondern wollte Luther zwingen sie zu widerrufen. Ein Streit entbrannte um die Frage, wer das Recht besitzt, für Gott auf der Erde zu sprechen. Während die katholische Kirche sich selbst und vor allem ihr Oberhaupt, den Papst, als einzige Autorität sah, befand Luther, ein jeder habe sich nur an dem geschriebenen Wort Gottes, der Bibel, zu orientieren.

Das Ergebnis des Streits war der Ausschluss Luthers aus der Kirche – er wurde für vogelfrei erklärt und musste sich auf der Wartburg verstecken – und schlussendlich die Aufspaltung in zwei christliche Kirchen: die katholische und die protestantische.

Doch das, was Luther gewollt hatte, war nicht die Spaltung der Kirche. Er hatte dem Volk lediglich das Wort Gottes näherbringen wollen. Diesen Entschluss setzte er um, indem er auf der Wartburg die Bibel ins Deutsche übersetzte und sie so auch dem gemeinen Volk zugänglich machte. Seine Version des Neuen Testaments verfasste er in einem Deutsch, das auch die gewöhnlichen Menschen des Volkes verstanden. Dabei erfand er viele neue Wörter und bereicherte so die deutsche Sprache, darunter z. B. Lästermäuler, Lockvögel und Gewissensbisse.

Es ist also der Verdienst Martin Luthers, nicht nur eine »neue« Religion geschaffen zu haben, sondern auch eine Basis für das Deutsche, das vor 500 Jahren noch sehr kleinstaatlich zersplittert war. Damit leistete er einen großen Beitrag für die Entwicklung einer gemeinsamen deutschen Sprache.

Zweigveranstaltungen zu Martin Luther

Prof. Dr. Rudolf Hoberg (Berlin)
Luther und die deutsche Sprache. Mit einem Ausblick auf Sprache und Kommunikation in der heutigen Ökumene

Der germanistische Sprachwissenschaftler und Ehrenvorsitzende der GfdS, Prof. Dr. Rudolf Hoberg, gibt einen Ausblick auf die Sprache und Kommunikation in der heutigen Ökumene. Dabei wird es neben einigen Bemerkungen über Luthers Lieder, Fabeln, Kampf- und Streitschriften vor allem um die Wirkung von Luthers Bibelübersetzung für die Entwicklung der deutschen Sprache gehen.

Termine in den Zweigen:

16.02.2017 Bergstraße
22.02.2017 Frankfurt am Main
15.05.2017 Karlsruhe
28.06.2017 Berlin
20.10.2017 Wrocław/Breslau

Dr. Michael Beyer (Leipzig)
Der Literat und Übersetzer Martin Luther aus heutiger Sicht

Die »Lutherbibliographie« erfasst mit Hilfe von Mitarbeitern in den einzelnen Ländern, in denen es eine Lutherrezeption gibt, jährlich weltweit, was zu Luther oder zur Lutherrezeption erscheint, einschließlich von Untersuchungen, die nicht direkt Luther gewidmet sind, aber trotzdem beachtenswert auf ihn eingehen. Seit dem Melanchthonjubiläum nimmt sie auch Veröffentlichungen zu Philipp Melanchthon auf. Sie zeigt außerdem Besprechungen der aufgenommenen Bücher an, wenn der Rezensent auf die Lutherdarstellung eingeht.

Termin im Zweig:

09.03.2017 Dresden

Prof. Dr. em. Hartmut Günther (Köln)
Mit Feuereifer und Herzenslust: Wie Luther unsere Sprache prägte

Termin im Zweig:

28.3.2017 Wiesbaden

Natalia Rukawischnikowa und Mitglieder des Zweiges (Tscheljabinsk)
Historischen Wortschatz kreativ erschließen – Wir ehren Luther, indem wir uns nützen

Termin im Zweig:

29.03.2017 Ural

Prof. Jürgen Udolph (Göttingen)
Martinus Luder – Eleutherius – Martin Luther. Warum änderte Martin Luther seinen Namen?

Martin Luther hieß nicht immer Martin Luther. Sein halbes Leben lang trug er, seit seiner Geburt, den Namen Martin Luder.
Zwischenzeitlich nannte er sich auch noch Eleutherius. Warum änderte er seinen Namen? Was steckt hinter diesen Wechseln? Von Bedeutung dafür ist, dass Luther auch Niederdeutsch sprach und es für Publikationen nutzte.

Der Vortrag führt den Leser hinein in die Sprachwelt Mansfelds und Wittenbergs, wo man sowohl Hochdeutsch wie auch Niederdeutsch sprach. Luther lebte in Wittenberg, als er seinen Namen änderte.

Termin im Zweig:

05.04.2017 Halle/Saale

Prof. Dr. Ulrike Demske (Potsdam)
Luthers Rolle bei der Herausbildung einer deutschen Standardsprache

Termin im Zweig:

28.06.2017 Potsdam

Dr. Hans-Henning Schmidt, Halle/Saale
»Hier stehe ich. Ich kann nicht anders …« Martin Luther – wortgewaltiger Reformator (LITERAtainment)

Im Mittelpunkt des Programms steht der Wittenberger Doktor der Theologie als Prediger, Literat und Publizist … Leidenschaftlich vertrat Luther seine Auffassung von einer christlichen Kirche. Wenn er sich auch nicht als ein politischer Führer verstand, trugen seine Ideen doch dazu bei, die Welt zu verändern. Hans-Henning Schmidt zeigt ein differenziertes Bild des wortbesessenen und wortgläubigen Luthers, eines Meisters der Sprache. Ein herausragender Beleg dafür ist seine Bibelübersetzung.

In Lesung, Kommentar und Moderation wird Martin Luther auf lebendige Art präsentiert. Gelesen wird aus seinen Schriften »Von der Freiheit eines Christenmenschen«, »An den christlichen Adel deutscher Nation« und aus dem »Sendbrief vom Dolmetschen«. Von Luthers Art, derb und geradeheraus zu sprechen, zeugen auch seine Tischreden und Briefe. Ebenso liefern Bibelstellen, darunter das Hohelied Salomo, sowie Briefe und Fabeln Beispiele einer ungebrochenen Produktivität der »Wittenbergisch Nachtigall«.

Termin im Zweig:

19.09.2017 Halle/Saale

Prof. Dr. Anja Lobenstein-Reichmann, Göttingen
Luther und die deutsche Sprache

Termin im Zweig:

19.10.2017 Celle