Muttersprache 3/2011

Pfalzgraf, Falco
Ausländer, Fremde(s) und Minderheiten in deutschen Fibeln 1933–1945

Dieser Artikel fasst die Ergebnisse eines im Sommer 2010 stattgefundenen Forschungsaufenthalts am Georg-Eckert-Institut für Schulbuchforschung (Braunschweig) zusammen. Ein offenes Korpus der 202 dort vorhandenen Fibeln, die zur Zeit der deutschen Diktatur 1933–1945 in Grundschulen des (Groß-)Deutschen Reiches Verwendung fanden, wurde auf das Auftreten von Ausländern, Fremden und Minderheiten hin untersucht. Dazu bedienten wir uns einer von Dietrich Busse, Wolfgang Teubert and Matthias Jung entwickelten deutschen Variante der Diskursanalyse. Wenn Ausländer, Fremde und Minderheiten in Fibeln auftraten, wurde dies von uns registriert und je nach Situation des Auftretens kategorisiert. Dabei zeigte sich, dass in nur 40 % der Fibeln überhaupt Ausländer, Fremde und Minderheiten auftauchen: am weithäufigsten »Neger/Mohren«, dann Indianer und Chinesen. Diese treten meistens in den Kontexten »Reise/Abenteuer«, »Zirkus«, und »Fasching/Karneval« auf. Überraschenderweise kommt es dabei nie zu abwertenden und/oder explizit rassistischen Äußerungen. Von den Nazis verfolgte Gruppen wie »Zigeuner« oder Juden spielen eine marginale Rolle; sie tauchen nur in 3% bzw. 1,5 % der Fibeln auf. Hier kam es vereinzelt zu negativ-rassistischen Äußerungen. Gründe für diese unerwarteten Ergebnisse könnten einerseits in der Lehrplanorganisation der Nazis liegen; andererseits könnten pädagogische Gegebenheiten ausschlaggebend sein. Weitere Forschungen könnten zukünftig zur Klärung dieses Problems beitragen.

This article summarizes the results of research conducted during a fellowship at the Georg Eckert-Institut für Schulbuchforschung, Braunschweig, in summer 2010. An open corpus of 202 Fibeln (primers to teach reading and writing to school children) used in Nazi Germany in primary schools during the dictatorship 1933–1945 were analysed with regard to the occurrence of foreigners and/or minorities. For this purpose, a German variety of discourse analysis developed by Dietrich Busse, Wolfgang Teubert and Matthias Jung was used. References to foreigners and/or minorities or their occurrence were noted and categorized according to their situational context. The prevailing discourse was analysed. It turned out that foreigners and minorities occur in only 40 % of the analysed primers. The vast majority of references are related to Neger/Mohr (›negro‹/›moor‹), followed by Indianer (›Indian‹ i. e. native north American), and Chinese. All of them mostly occur in the contexts of travel/adventure, circus, and Fasching (›carnival‹). Surprisingly, neither derogatory remarks nor explicit racism were found to be present. Minorities persecuted by the Nazis, such as Juden (›Jews‹) and Zigeuner (›Gypsies‹) play a marginal role. They appear in only 3 % and 1.5 % respectively of the primers; negative remarks and racism do occasionally appear here. Reasons for these unexpected results may be connected to the organisation of the syllabus during the Nazi era, and to pedagogical preferences of the time. Further research could shed light on this problem.

ŞBalcı, Umut
Schildertexte im Deutschen und Türkischen

Unterscheiden sich Schildertexte von anderen Textsorten? Was würde sich ergeben, wenn man deutsche und türkische Schildertexte vergleicht? Werden Schildertexte, die die gleichen externen Merkmale, die gleichen soziokulturellen Relationen und die gleiche Intention haben, sprachlich gleich oder anders organisiert? Weisen die Schildertexte auch soziokulturelle Unterschiede auf? Dieser Artikel will versuchen, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Are tablet texts different from others? What results may emerge when these texts in German are compared with those in Turkish? Do these texts bear similarities in terms of external features such as linguistic, socio-cultural relation and intention? Do they display socio-cultural differences? This study seeks responses to these questions.

Zhao, Jin
Wirtschaftsdeutsch: Fachlichkeit, Fachsprachlichkeit und Interkulturalität – ein didaktisches Konzept und Realisierungsvorschläge für chinesische Germanistikstudenten

In diesem Beitrag geht es um die Erstellung eines didaktischen Konzeptes für Wirtschaftsdeutsch-Unterricht. Es geht von der linguistischen Definition des Wirtschaftsdeutschen aus, berücksichtigt sprachliche wie kommunikative Besonderheiten der Wirtschaftskommunikation und bringt das Lernziel des Wirtschaftsdeutschen auf operationalisierende Weise zum Ausdruck. Zur Veranschaulichung werden anschließend in Anlehnung an dieses Konzept konkrete Vorschläge für die Organisation des Wirtschaftsdeutsch Unterrichts bzw. für die Entwicklung eines Wirtschaftsdeutsch-Lehrbuches für chinesische Germanistikstudenten gemacht.

This arcticle concerns the creation of a didactic concept for the teaching of business German. Based on the linguistic definition of business German, this arcticle takes the linguistic and the communicative characteristics with regard to economic communication into consideration and expresses the learning objective of the business German course in an operational way. On the basis of the above-mentioned concept, this arcticle offers suggestions regarding the organization of the teaching of business German and the development of a textbook for business German for the students of German in China.

Vural-Kara, Sergül
Relevanz des Empfängerbezugs bei der sprachlichen Gestaltung eines Übersetzungstextes. Eine deutsch-türkische Untersuchung

In dem vorliegenden Artikel soll dargelegt werden, inwiefern der Faktor des Empfängers bei der Konzipierung des Übersetzungstextes zum Tragen kommt. Auf der Grundlage der Analyse von deutschen Gebrauchsanleitungen und deren türkischen Übersetzungen wird demonstriert, in welchem Ausmaß zielsprachliche Komponenten den Übersetzungsprozess steuern. Es wird zu sehen sein, dass bei der Ausrichtung des Zieltextes der Empfängerbezug eine bedeutende Rolle spielt.

This paper aims at examining the recipient‘s role throughout the conceptualizing process of a translation text is aimed with this paper. German user manuals and their Turkish translations were analyzed in order to see to which extent target language components shaped the translation procedure. It is possible to put forward that the target recipient is a significant factor during the formation of the target text.

Bergmann, Christian
Das Unsagbare sagen. Metapher, Symbol und Allegorie in Herta Müllers Roman »Atemschaukel«

Zu den schlimmsten Torturen, denen die Insassen sowjetischer Arbeitslager ausgesetzt waren, gehörte der chronische Hunger. Für die Unendlichkeit dieses Leidens hält das sprachliche System nur eine endliche Zahl von Mitteln bereit. Die vorliegende Studie zeigt, welche Wege die Autorin Herta Müller beschreitet, dieses Problem zu lösen.

The chronical hunger belonged to the greatest evils the inmates of Soviet penal camps had to suffer from. The linguistic system only contains a limited number of possibilities to express the infinity of these pains. The present study shows in which way Herta Müller solves this problem.

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