Schreibweise Aufwendungen vs. Aufwändungen

[F] Ich habe zwei Fragen, da mich die Rechtschreibreform in ihrer aktuellen Form noch verunsichert. Ein Autor unserer Zeitschrift, der auf die traditionelle Rechtschreibung Wert legt, verwendet in seinem Beitrag den Ausdruck das Fressen-und-gefressen-Werden. Ist dies denn korrekt? Außerdem bin ich nicht sicher, wie substantivische Zusammensetzungen mit sich zu schreiben sind, z. B. »ein Raum zum Sich-Entspannen, Sich-Pflegen« bzw. »… zum Sichentspannen, Sichpflegen«. In diesem Fall konnte ich auch keine bestimmte Regel finden. Was raten Sie?

[A] Bei der ersten Frage hat die Rechtschreibreform keine Änderung gebracht: Es handelt sich um die sog. gemischte Schreibung, das heißt, bei einem solchen Ausdruck werden der Anfang und die substantivischen Glieder großgeschrieben. Der in Frage kommende Duden-Band (Die deutsche Rechtschreibung, 1991) enthält unter R 68 folgende Musterbeispiele: das In-den-Tag-hinein-Leben, das Für-sich-haben-Wollen. Zu nennen wäre beispielsweise auch das In-den-April-Schicken, das Auf-die-lange-Bank-Schieben. Es ergeben sich dabei sperrige Wortbilder mit mehreren Bindestrichen, es wird, wie es heißt, »durchgekoppelt«. Der substantivierte Infinitiv, das Grundwort – also Leben, Wollen, Schicken, Schieben und in Ihrem Fall Werden – wird mehrfach erweitert. Der Autor hat also die korrekte Form gewählt: das Fressen-und-gefressen-Werden. (Die neuen Rechtschreibregeln legen in § 43 u. a. folgende Beispielschreibungen fest: das Auf-die-lange-Bank-Schieben, das Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben – keine andere Lösung.)

Zur zweiten Frage: Mir ist auch keine besondere Regel für Wortverbindungen mit sich bzw. Sich bekannt. Nicht jede einzelne Schreibmöglichkeit muss ja von einer speziellen Regelung begleitet sein; man muss die Grundregeln interpretieren und anwenden. Hier geht es doch um die Frage des Bindestrichs, und man setzt ihn nicht bei einfachen, übersichtlichen Verbindungen – anders als im Fall von unübersichtlichen Zusammensetzungen, die ein Lesehemmnis darstellen, wie die oben genannten. In § 43 werden als Muster für »übersichtliche Zusammensetzungen mit Infinitiv« – und bei Entspannen und Pflegen handelt es sich darum – z. B. genannt: das Autofahren, beim Walzertanzen, das Inkrafttreten. Die amtliche Wörterliste bietet hinsichtlich der fraglichen Stichwörter nur sich, es wird keine substantivische Verbindung mit Infinitiv angeführt. Ihre Beispiele fallen nun in diese Gruppe, und so wäre als Grundschreibung anzunehmen: zum Sichentspannen, zum Sichpflegen. Als Varianten bzw. Nebenformen kämen grundsätzlich auch Sich-Entspannen, Sich-Pflegen in Betracht.