Troika

Troika

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Längere Zeit hat man das Wort nicht allzu häufig vernommen, nun ist es wieder weit verbreitet: die Troika. Alle paar Jahre, so scheint es, wird es reanimiert, um eine Dreiergruppe von (politisch führenden) Personen oder Institutionen zu bezeichnen. In den 70er Jahren war die Führungsspitze der SPD als Troika bekannt – bestehend aus Parteichef Willy Brandt, Fraktionsvorsitzendem Herbert Wehner und Bundeskanzler Helmut Schmidt –, in den 90er Jahren versuchten Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping (damals alle der SPD angehörig) eine solche politische Troika zu reproduzieren. Beide Dreierkonstruktionen waren jedoch über kurz oder lang aufgrund von internen Unstimmigkeiten zum Scheitern verurteilt.

Ein neues SPD-Dreiergespann hat sich bereits 2011 herausgebildet, und so wurde im Jahr 2012 nun abermals eine Troika ausgerufen, bestehend aus Gabriel und »den Stones« (Die Welt, 01.01.2012): Sigmar Gabriel als Parteivorsitzender, Frank-Walter Steinmeier als Fraktionsvorsitzender und Peer Steinbrück als jetziger Kanzlerkandidat. In Hessen erhofft sich momentan der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel Vorteile für die Landtagswahl 2013 durch Bildung einer Troika mit dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann und wiederum dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Parallel wird der Ausdruck Troika derzeit für die »heilige Dreifaltigkeit des griechischen Reformprozesses« (FAZ, 29.10.2012) verwendet, das Dreiergespann aus Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank, die mit der Rettung des Euros in Griechenland betraut sind. Angeblich wurde diese Bezeichnung bereits zu Beginn der Währungskrise von den griechischen Medien eingeführt und von den Medien anderer Länder aufgenommen. Manch einer mag nun angesichts der Entwicklungen in der Krisenbewältigung und der Tatsache, dass gerade die betroffenen Griechen den Ausdruck in den Raum warfen, vermuten, dass durch dieses Etikett die genannte Troika – wie im Fall der beiden erstgenannten SPD-Gespanne – kritisch zu sehen, dass die Leistungsfähigkeit einer solchen in Frage zu stellen sei. Dies freilich ist objektiv, zumal linguistisch, wohl nicht einzuschätzen. Zugrunde liegt dieser Konnotation vielleicht das oftmals bereits aus Kindertagen stammende Wissen, dass in einer Gruppe aus Dreien einer schnell außen vor steht, hier nur selten ein harmonisches Miteinander, ein Konsens herrscht.
Der Ausdruck als solcher ist gleichwohl neutral zu werten. Hierzulande wird er zumeist als [‚tr??yka], ab und an auch als [‚tro:ika] ausgesprochen. Troika geht auf das Russische trojka ›Dreier‹ zurück, das wiederum von troe ›drei (als Einheit; z. B. in »Dreifaltigkeit«)‹ zu russisch tri ›drei‹ abzuleiten ist. Das Wort bezeichnete zunächst ein Gespann, eine Kutsche oder einen Schlitten, mit drei Zugpferden bzw. -ochsen. In Anlehnung an das römische Triumvirat (›Dreimännerherrschaft‹) erhielt auch Troika später die Bedeutung einer aus drei Personen bestehenden (politischen) Führungsgruppe.

Auch in der europäischen Geschichte tauchte das Wort bereits von Zeit zu Zeit auf. So war die Dreiergruppe von Ländern in der EU, die heute als Dreier-Präsidentenschaft bezeichnet wird, vor 2007 als Troika bekannt und umfasste neben demjenigen Land, das aktuell den Ratsvorsitz innehatte, auch jenes, das ihn zuvor, und jenes, das ihn anschließend innehatte. Im Zweiten Weltkrieg bildeten die Anführer der Länder der Anti-Hitler-Koalition Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin die »Große Troika« und in Russland herrschten im Jahr 1953 Nikita Chruschtschow, Lawrenti Beria und Georgi Malenkow gemeinsam als Troika. In der jüngeren Geschichte wurde zudem das Dreiergespann Gerhard Schröder, Jacques Chirac und Wladimir Putin des Öfteren als Troika bezeichnet.

Frauke Rüdebusch