Über Einfachheit, Optimismus und Deutsch in der Schule

Interview mit Andreas Bourani, deutscher Liedermacher und Preisträger des Medienpreises für Sprachkultur 2016

Andreas Bourani begann seine Musiker-Karriere mit deutschen Liedern und er singt auch heute noch ausschließlich auf Deutsch. Dies ermöglicht ihm, das auszudrücken, was ihn bewegt, denn er ist nach eigener Aussage »sehr verliebt in die deutsche Sprache, weil sie für jedes Gefühl, das es gibt, ein Wort bietet«. So ist Bourani nicht nur Musiker, sondern auch Poet. Seine Lieder zeichnen sich durch eine so klare, gefühlvolle und einfühlsame Sprache aus, dass den Zuhörern nicht nur jene Emotionen vermittelt werden, die der Sänger verspürt, sondern diese auch in ihnen selbst geweckt werden. Durch seine Musik schafft Bourani eine Nähe zu seinen Zuhörern, die nur möglich ist, weil er sich der gemeinsamen Sprache bedient. Mit seinen Texten gelingt es ihm, Abermillionen Zuhörer ungeachtet der Altersgruppe zu berühren und zu begeistern. So klar und verständlich ist Bouranis Sprache, dass seine Lieder bereits von vielen Deutschlern-Plattformen, u. a. dem Goethe-Institut, als Lerngrundlage verwendet werden.

© Philipp Rathner - Universal Music

© Philipp Rathner – Universal Music

Herr Bourani, Sie haben vor Kurzem einen Musikautorenpreis erhalten, jetzt in Wiesbaden den Medienpreis für Sprachkultur – was bedeuten Ihnen diese?

Andreas Bourani:Ja, das ist schon etwas Besonderes und sticht heraus. Das Songschreiben ist ja auch eine ganz eigene Zunft. Was steht am Anfang eines neuen Lieds, Musik oder Text? Ich nehme mir immer vor, auch einmal mit dem Text anzufangen. Doch in 90 Prozent der Fälle ist die Musik zuerst da, weil sie schneller entsteht. Wir spielen Musik und Text zusammen? Ich denke so: Musik ist das Göttliche, Musik ist überall, ist etwas, was immer schon da war. Text aber ist der menschliche Teil und hat dann viel mehr mit Handwerk zu tun als die Musik. Im Grunde ist es die Hochzeit von Göttlichkeit und Menschlichkeit, wenn man die beiden Dinge zusammenbringt.

Welche Aussage sollen Ihre Texte haben?

Ich habe einen sehr optimistischen Schreibstil. Ich bin jemand, der sehr viel beobachtet und viel Liebe aufs Detail legt. Aber im Grunde geht es um den Ausblick, das Leben anzunehmen.

Wie finden Sie dafür die passenden Sprachformen?

Ich habe zuerst ein Thema, das mich bewegt. Wenn ich merke, das kreist in mir – das kann ein Wort sein oder eine Zeile –, dann folge ich ihm und schreibe auf, was mir dazu einfällt. Das redigiere ich und arbeite es aus. Das ist dann das Handwerk.

Wie gut kennen Sie das Handwerk der deutschen Lyrik?

Ich bin ein großer Rilke-Fan, der ist sehr zeitlos, sehr klassisch. Ringelnatz ist dagegen viel verspielter. Ich mag aber auch Erich Kästner mit seinem sehr direkten Schreibstil. Den habe ich in den letzten Wochen viel gelesen. Das ist eine sehr einfache Sprache.

Ist Einfachheit auch Ihr Anspruch?

Ja, mir geht es immer darum, etwas auszudrücken, was viele nachvollziehen können. Dass ich viele Menschen mit meinen Texten erreiche.

Und wie erreichen Sie das?

Da spielt Selbstüberprüfung eine Rolle. Man muss die Perspektive wechseln, um die eigene Arbeit unvoreingenommen betrachten zu können. Ich singe Texte auch Freunden vor, und die entlarven relativ schnell, wenn etwas nicht verständlich ist.

Wie empfanden Sie in Ihrer Schulzeit das Fach Deutsch?

Da hat mir die Kreativität ein bisschen gefehlt. Man lernt in der Schule nicht, einen eigenen Sprachstil zu entwickeln. Das eigene freie Schreiben habe ich mehr genossen als das Fach Deutsch in der Schule.

Seit wann schreiben Sie?

Ich habe angefangen, als ich mir vorgenommen hatte, Musiker zu werden. Das geht ja nicht so schnell und man hat dann viel Zeit. Die kann man nutzen. Ich habe anfangs viel gelesen und mich gefragt, was gefällt mir an Sprache und wie könnte ich mich selbst ausdrücken? Es war mir klar, ich möchte selbst schreiben.

Was gefällt Ihnen an Sprache?

Sprache ist ein hochkomplexes System. Aber auch unser Kommunikationsmittel. Sprache für mich ist vor allem aber pure Emotion. Denken Sie an »Erdbeersahnetorte« – da hat man doch gleich ein Gefühl. Worte sind wie Schlüssel, die Türen öffnen, die unsere Fantasie beflügeln. Meine Aufgabe ist, für Gefühle die richtigen Worte zu finden.

Was ist gutes Deutsch?

Gutes Deutsch ist, wenn etwas treffend formuliert ist.

Wie sind Sie auf die Wendung gekommen »Wir sind aus Staub und Fantasie«?

Ich habe mich gefragt: Was ist die Essenz, die uns als Menschen ausmacht? Wir sind sterblich, wir sind Staub, wie die liturgische Formel »Asche zu Asche, Staub zu Staub« sagt. Die stärkste Kraft dagegen ist die Fantasie. Und so bringt die Wendung Geist und Körper zusammen.

Das Interview führte Viola Bolduan für den Wiesbadener Kurier. Wir danken für die Abdruckgenehmigung.