26. Juni 2020

Rückblick: »Rassismuskritische Sprache im Kulturbereich«

Zu diesem brisanten Thema fand am 23. April 2020 ein Online-Workshop in Zusammenarbeit mit der Bundesakademie für Kulturelle Bildung und der Initiative Amo-Braunschweig Postkolonial statt.

Ursprünglich war die Veranstaltung mit über 20 Teilnehmenden in Wiesbaden geplant und der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) kam die Aufgabe zu, aus Sicht der Sprachberatung und ihrer Tätigkeit insgesamt etwas zum Anliegen des Treffens beizutragen. 

Angesichts aktueller Entwicklungen im Zuge der Corona-Pandemie wurde die Fortbildung als Online-Workshop durchgeführt. Alle Teilnehmenden waren per Videokonferenz hinzugeschaltet und konnten mittels verschiedener Methoden und Diskussionseinheiten die Veranstaltung aktiv mitgestalten.

In seinem einführenden Vortrag lieferte Dr. Lutz Kuntzsch einen Überblick darüber, wie sich die GfdS anhand vieler sprachlicher Details mit der Frage beschäftigt, ob und in welchem Maße getane Äußerungen als rassistisch einzustufen sind und wie damit um- bzw. dagegen vorgegangen werden kann. Hierbei gibt es auch in der mondänen Landeshauptstadt mit einem hohen Anteil an Zugezogenen großen Handlungsbedarf, um dem  Alltagsrassismus auf sprachlicher bzw. kommunikativer Ebene aktiv, offen und bestimmt zu begegnen.

Selbstredend haben wir gerade in letzter Zeit gehäuft Fälle der absichtlichen Diskriminierung. Diese Themen wurden auch öffentlich diskutiert, was die Aktualität des Tagungsthemas nochmals unterstreicht.

So widmet sich die GfdS bei Sprachberatungen bei Vorträgen und in Diskussionsrunden in Vereinen verschiedenen zu diskutierenden Wörtern (Mohr/M-Wort, Neger/N-Wort oder den untenstehenden Beispielen), aber auch Äußerungen (»In den Laden geh ich ungern, da bedienen nur Ausländer«,  »Ich habe nichts gegen Fremde, aber …« oder »Der kann ja sogar nett sein«). Die wenigsten Menschen möchten mit diesen Äußerungen andere allerdings gezielt und absichtlich diskriminieren. Dennoch geschieht dies, oftmals unbewusst, in der täglichen Kommunikation und Berichterstattung. Ein Begriff, der für die eine Person wertneutral oder rein deskriptiv scheinen mag, kann beim Gegenüber Irritation oder gar Verletzung auslösen. Dies liegt nicht etwa an persönlichen Befindlichkeiten.  

Gerade im Kulturbereich spielt Sprache eine übergeordnete Rolle: auf der Bühne, in der Vermittlungsarbeit, bei der Veranstaltungsankündigung, in der Kommunikation mit internen und externen Beteiligten und mit dem (potentiellen) Publikum. Im Fortgang der Tagung entwickelten »Kulturpraktiker/-innen of Color« (so ihre gewählte Selbstbezeichnung) in einer geschlossenen Atmosphäre Strategien zum Umgang mit rassistischer Sprachpraxis in ihrem eigenen Arbeitskontext. Weiße Kulturschaffende (Bezeichnung s. o.) wurden in einer Gruppe eingeladen, ihre eigene Sprachpraxis und den Umgang mit Sprache im eigenen Arbeitsfeld zu reflektieren. Die Ergebnisse konnte anschließend vorgestellt und diskutiert werden. 

In der Nachmittagssitzung ordneten die Gruppen Textauszüge bestimmten Denkrichtungen der (anti-)rassistischen Sprache zu und unterbreiteten Vorschläge,  wie mit diesen schriftlichen Dokumenten umzugehen sei.

Den Teilnehmenden war bewusst – wie wir in diesen Zeiten alle erfahren –, dass ein digitales Format persönliche Begegnungen nicht ersetzen kann. Bei vielen Methoden wie der Gruppenarbeit müssen neue Wege ausprobiert werden – was ja auch zu bisher nicht gekannten Erkenntnissen und Schlüssen führen kann – auch und gerade auf dem Gebiet der rassismuskritischen Sprache.