Einfache Sprache

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Einfache Sprache ist bislang nicht einheitlich definiert. Noch nicht abschließend geklärt ist somit,

  • ob die Einfache Sprache ähnlich wie die Leichte Sprache eine mehr oder weniger genau definierte Varietät des Deutschen sein soll, die auf einem Regelwerk basiert und sich an eine ganz bestimmte Zielgruppe richtet, oder
  • ob sie je nach Kontext, Zielgruppe und Inhalt eine möglichst einfache Darstellungsform sein soll, für die von Fall zu Fall ganz unterschiedliche Kriterien gelten.

Hauptzielgruppe der Einfachen Sprache sind für uns Menschen mit geringer Lesekompetenz (siehe dazu auch: https://leo.blogs.uni-hamburg.de/). Von Einfacher Sprache profitieren auch Menschen mit Deutsch als Zweitsprache oder als Fremdsprache und Menschen mit einer Lernbehinderung. Texte in Einfacher Sprache können darüber hinaus von Menschen genutzt werden, die normalerweise Texte in Standardsprache lesen.

Es gibt auch Ansätze, die die breite Bevölkerung bzw. ein allgemeines Lesepublikum als Zielgruppe der Einfachen Sprache betrachten. In diesem Fall entspricht die Einfache Sprache einer allgemein verständlichen Standardsprache, wie sie heute bereits in den Bereichen Journalismus, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und technische Kommunikation zum Einsatz kommt. Ein zusätzliches Angebot für Menschen mit Leseschwierigkeiten ist bei einem derartigen Ansatz nicht gegeben.

Wieder andere verwenden die Bezeichnung »Einfache Sprache«, wenn es darum geht, fachliche Inhalte an Nicht-Fachleute bzw. Fachfremde zu vermitteln; dies gilt insbesondere für fachliche Inhalte aus den Gebieten Medizin, Recht und Verwaltung. An dieser Stelle überschneidet sich das Konzept mit dem der bürgerfreundlichen Verwaltungssprache. Diese zielt darauf, Fachinformationen für die Allgemeinheit verständlich aufzubereiten. Dabei orientiert sie sich an den Kompetenzen einer durchschnittlich verständigen Person.

In Bezug auf Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik weicht die Einfache Sprache in der Regel nicht von der Standardsprache ab. Es gelten ähnlich wie bei der Leichten Sprache bestimmte Regeln auf der Wort-, Satz- und Textebene, sie sind aber etwas weniger streng anzuwenden. Insgesamt gibt es einen größeren zulässigen Wortschatz und Sätze können etwas komplexer sein.

Beispiele für die Übersetzung von Standardsprache in Einfache Sprache

Hier wurden Begriffe und Textausschnitte aus dem Parlamentsdeutsch in Einfache Sprache übersetzt. Einfache Sprache soll – ähnlich wie Leichte Sprache – eine möglichst einfache Darstellungsform sein. In diesen Beispielen wird die Vereinfachung auch an unterschiedlichen Schriftarten und -größen verdeutlicht.

Regelwerke

Der DIN-Arbeitskreis tagt aktuell noch. Sobald dort ein Regelwerk für Einfache Sprache erarbeitet wurde, werden wir Sie hier darüber informieren.

Die Arbeit der GfdS im Bereich Einfache Sprache

Das Projekt »Parlamentsdeutsch – Grundbegriffe des Bundestages in Einfacher Sprache«

Die GfdS hat im Auftrag des Deutschen Bundestages das Lexikon »Parlamentsdeutsch – Lexikon der parlamentarischen Begriffe« in Einfache Sprache übersetzt. Das Lexikon erklärt die wichtigsten Grundbegriffe des Deutschen Bundestages in einer einfachen und verständlichen Weise. Ziel der Übersetzung war es, den Text insbesondere Menschen mit Leseschwierigkeiten zugänglich zu machen.

Für das Projekt »Parlamentsdeutsch – Grundbegriffe des Bundestages in Einfacher Sprache« hat die GfdS eigene Leitlinien für Einfache Sprache erarbeitet. Die wissenschaftliche Grundlage dafür waren vor allem Erkenntnisse der Literalitätsforschung, der psychologischen und sprachwissenschaftlichen Verständlichkeitsforschung sowie der Lesbarkeitsforschung, ferner Empfehlungen in Stil- und Sprachratgebern. Die Texte wurden durch Angehörige der Zielgruppe auf Verständlichkeit geprüft.

Die Printfassung des Lexikons kann beim Deutschen Bundestag kostenlos bestellt werden. Ferner steht der Text als PDF-Dokument zum Download zur Verfügung.

Nähere Informationen zu dem Projekt finden Sie in unserer Pressemitteilung dazu.

Sonstige Texte

Die GfdS hat darüber hinaus zahlreiche Texte in Einfache Sprache übersetzt. Dazu gehören z. B.

  • Anträge, u. a. zur Dekade der Alphabetisierung
  • Texte zum Thema Rentenpolitik und Betriebsrente
  • Beschlussempfehlungen des Petitionsausschusses zu unterschiedlichen rechtlichen Fragestellungen
    In diesem Fall waren die Zielgruppen der vereinfachten Texte:
    • Kinder und Jugendliche
    • Personen mit Deutsch als Fremdsprache
    • Personen mit Deutsch als Erstsprache, deren Deutschkenntnisse erkennbar unter standardsprachlichem Niveau lagen
  • Hausmitteilungen, u. a. über den Umgang mit offenen Verteilern