Untersuchung zur Ehenamenwahl

Anne Rosar, Mainz
Datum
29.09.2020
19:00 Uhr
Eine Veranstaltung von:


Ehe- und Familiennamenwahl bei Heirat in Deutschland

Bei der Bestimmung eines gemeinsamen Familiennamens bzw. Ehenamens galt bis Ende der 70er Jahre in Deutschland das patriarchalische Prinzip: „Die Frau erhält den Familiennamen des Mannes.“ (§ 1355 BGB 1896).

Im Zeitverlauf haben sich gesetzliche Rahmungen verändert: Paare können heute unabhängig von Geschlecht einen der zur Zeit der Eheschließung geführten Namen als Ehe- und Familiennamen wählen (BRD ab 1977, DDR 1966).

Die Person, deren Name nicht Ehename wird, kann sich für einen sogenannten Doppelnamen entscheiden (BRD ab 1958 für Frauen, ab 1977 auch für Männer). Alternativ führen beide GattInnen ihren jeweiligen Namen nach der Eheschließung weiter (ab 1991), für Kinder muss allerdings ein einheitlicher Familienname festgelegt werden (https://lexe-tius.com/BGB/1355,1, 30.04.19).

Im Zentrum des Vortrags sollen folgende Forschungsfragen stehen: Inwiefern hat sich die Ehe- und Familiennamenwahl in Deutschland vor dem Hintergrund wachsender Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie gesetzlicher Lockerungen im Familienrecht verändert? Welche Faktoren sind hierfür verantwortlich (Stadt/Land-, Ost/West-Vergleich etc.). Wie wird die Namenwahl von EhepartnerInnen heute nachträglich legitimiert?
Untersuchungsgrundlage sind eine Standesamterhebung der Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. Wiesbaden der Jahrgänge 1976, 1986, 1996, 2006 und 2016 sowie eine eigene Onlinebefragung zu Aushandlungsprozessen und Entscheidungsgründen bei der Ehe- und Familiennamenwahl.
Die Referentin ist seit 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin innerhalb der DFG Forschergruppe Un/Doing Differences am Deutschen Institut, Abteilung Historische Sprachwissenschaft,

Zu ihren Forschungsinteressen zählen die Genderlinguistik, Onomastik, Korpuslinguistik sowie die Dialektologie und alles rund um Sprachwandel.

 

Zweigvorsitzender: Dr. Lutz Kuntzsch, Gesellschaft für deutsche Sprache, Spiegelgasse 7, 65183 Wiesbaden, Tel. 0611 9995522, E-Mail: luku@gfds.de