Ausgabe: Der Sprachdienst 6/2023

Woher kommt das Wort bugsieren?

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[F] Ich bin beim Lesen über das Wort bugsieren gestolpert und habe mich gefragt, woher es kommt. Habt ihr eine Idee, wie man dieses Verb herleiten kann?

[A] Das Verb bugsieren [bʊ’ksi:rən] stammt nach dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache aus der Schiffersprache des 17. Jahrhunderts und trägt ursprünglich die Bedeutung ›ein Schiff ins Schlepptau nehmen‹, was sich im 19. Jahrhundert zu der bildlichen Bedeutung ›an einen anderen Ort verbringen‹ weiterentwickelt hat. Entlehnt wurde das Verb in den Formen buxieren, büksieren und bogsieren. Sie gehen alle auf die gleichbedeutenden niederländischen Verben boegseren und boechseerden zurück, welche unter dem Einfluss der Volksetymologie aus dem nicht verwandten niederländischen boeg ›Bug‹ und aus boesjaren (mit derselben Bedeutung wie boegseren/boechseerden) entstanden sind. Diese wiederum lassen sich zurückführen auf puxar aus dem Portugiesischen; dies bedeutet ›schleppen, ziehen‹ und ist vom lateinischen Verb pulsāre ›stoßen, klopfen, fort-/vertreiben‹ abgeleitet.

Das Große Duden-Wörterbuch der deutschen Sprache (4. Auflage, Mannheim 2012) unterscheidet hier zwischen zwei Bedeutungen des Verbs: erstens bugsieren in der Seemannssprache mit der Bedeutung ›ein Schiff ins Dock bringen‹. Zweitens gibt es die umgangssprachliche Bedeutung: ›mit Geschick, List und Mühe von einem Ort (durch etwas hindurch) irgendwohin zu bringen oder zu befördern‹ – also zum Beispiel jemanden aus dem Zimmer, etwas durch die Tür, in eine Ecke zu bugsieren. Es können also dementsprechend für bugsieren auch dirigieren, führen, geleiten, leiten, lotsen oder navigieren sowie befördern, manövrieren, tragen, transportieren als Synonyme verwendet werden. Demnach ist es völlig korrekt, jemanden durch den Flur ins Wohnzimmer zu geleiten, zu führen oder eben auch zu bugsieren.

Quellen

https://www.dwds.de/wb/bugsieren.
Heinz Küpper, Illustriertes Lexikon der Deutschen Umgangssprache, Bd. 2, Stuttgart 1983.
Dudenredaktion, Das Große Wörterbuch der deutschen Sprache, 4. Aufl., Mannheim 2012.