12. August: Internationaler Tag der Jugend

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Am 12. August machen die Vereinten Nationen schon seit 1999 auf die Interessen junger Menschen, deren politische Beteiligung sowie der Bedeutung der Jugend als Lebensphase aufmerksam. An diesem Tag, dem Internationalen Tag der Jugend, stehen selbstverständlich die Jugendlichen im Vordergrund und zur Feier des Tages finden oft Aktionen für Jugendliche statt, die diese zum Teil eigenständig umsetzen. Mit der Jugend und ihrer Sprache beschäftigen auch wir uns an diesem Tag.

Was versteht man eigentlich unter Jugend? Die Jugend bezeichnet einerseits ›die frühen Jahre im Leben eines Menschen‹ und andererseits ›die Gesamtheit der jungen Leute‹. In der Entwicklungspsychologie wird dieser Zeitraum als Adoleszenz bezeichnet; dieser Ausdruck ist jedoch kein Bestandteil unserer Alltagssprache, sondern wird vorwiegend fachsprachlich genutzt. Er geht auf das lateinische adolescere zurück mit der Bedeutung ›heranwachsen‹. Die Phase der Jugend ist eine meist ereignisreiche, teilweise anstrengende Zeit für alle Beteiligten. In diesen Zeitraum fallen die Pubertät und die Identitätsfindung sowie der Abschluss der Schulzeit, der Beginn des weiteren Ausbildungsweges und die Trennung vom Elternhaus.

Das Wort selbst zwar schon alt, wurde aber erst ab 1800 häufiger verwendet. Jugend lässt sich auf althochdeutsch jugund (›Mannbarkeit, Jünglingsalter‹) und mittelhochdeutsch jugent (›Jugend, junge Leute, Knaben‹) zurückführen. Es handelt sich um die Substantivbildung zu einem schon im Indogermanischen existierenden Adjektiv, auf das auch das Wort jung zurückgeht.

In diesem Kontext stellt sich natürlich auch die Frage, wie denn »die Jugend« spricht. Kein neues Phänomen ist, dass die heranwachsende Generation anders spricht als ihre Eltern. Jugendliche wollen sich mithilfe eines überaus kreativen Wortschatzes bewusst von den Vorstellungen und Lebensweisen der Erwachsenen abgrenzen. Bereits im 16. Jahrhundert entwickelte sich die sogenannte Burschensprache, die unter Studenten gesprochen wurde und ihre Blütezeit im 18. und 19. Jahrhundert hatte; sie war der Vorläufer unserer heute bekannten Jugendsprache.

Die Sprache, die als Jugendsprache bezeichnet wird, weist bestimmte jugendtypische Merkmale auf, so etwa die Vielzahl der Kraftausdrücke oder besondere Kreativität bei der Wortbildung. Das oben erwähnte Bedürfnis nach Abgrenzung drückt sich sprachlich vor allem in den verwendeten Lexemen aus, wobei Wörter oft nicht neu erfunden werden, sondern umgedeutet, also mit einer neuen Bedeutung versehen werden (Eskalation = wilde Party). Ein weiteres Kennzeichen ist die Kurzlebigkeit des Vokabulars. Viele begriffliche Wendungen werden eine gewisse Zeit lang gern und viel verwendet, verschwinden aber bald darauf wieder, meist dann, wenn sie Eingang in die Alltagssprache finden und die Abgrenzung darüber nicht mehr zu erfüllen ist. Dies ist ein Aspekt der Kritik am »Jugendwort des Jahres«: Sobald ein Wort zum Jugendwort gekürt wird, wird es der breiten Öffentlichkeit bekannt und ist dann genau genommen kein Jugendwort mehr. Ein weiterer Kritikpunkt ist der, wie authentisch die zur Wahl stehenden Wörter sind, ob sie also von der Jugend tatsächlich verwendet werden. Die Aktion wird seit 2008 jährlich von einer Jury unter Leitung des Langenscheidt-Verlags veranstaltet. Das nächste Wort wird im Oktober gekürt, doch bereits jetzt stehen 10 Ausdrücke zur Wahl, über die noch bis Mitte September öffentlich abgestimmt werden kann.

Zum Weiterlesen

Wir haben uns schon verschiedentlich mit der Jugend und ihrer Art zu sprechen auseinandergesetzt und dabei versucht, einige Rätsel rund um die Jugendsprache zu entschlüsseln und Aufklärungsarbeit zu leisten. Hier finden Sie weitere Artikel und Informationen zu diesem Thema:

Der Sprachdienst

  • 6/2015: Peter Schlobinski: Sprache und Gesellschaft – JugendSprache zum Anklicken
  • 6/2015: Interview mit Verena Vogt: Jugendwort des Jahres 2015: Smombie
  • 5/2011: Christa Dürscheid: »Sbeschte wos je hets gits.« Jugendliche im Gespräch
  • 6/1989: Valérie Hullen: Rabig, oberst matt und ein Griff ins Klo. Eine Befragung zur Jugendsprache

Muttersprache

  • 1/2008: Kotthoff, Helga: Potentiale der Redewiedergabe im Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, Spracherwerb, Jugendsprache und Sprachdidaktik
  • 1/2006: Schneider, Conny: Die Gefühlssprache Jugendlicher. Eine Untersuchung anhand von Liebesbriefen und Fragebögen
  • 2/2002: Elsen, Hilke: Neologismen in der Jugendsprache
  • 4/2001: Heinemann, Margot: »Jugendsprache – Spiegel der Zeit«. Internationale Fachkonferenz vom 31. 5. – 2. 6. 2001 an der B UGH Wuppertal
  • 3/1996: Schlobinski, Peter/Katja Alexandra Schmid: Alles ist eine Frage des Stils. Zur sprachlichen Kommunikation in Jugendcliquen und -szenen
  • 3/1994: Buschmann, Matthias: Zur »Jugendsprache« in der Werbung
  • 2/1981: Oschlies, Wolf: »Ich glaub‘, mich rammt ein Rotkehlchen …«. Jugendjargon und Soziolinguistik in der DDR

Quellen

https://gfds.de/category/sprachraum-jugendsprache/
https://www.dwds.de/
https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17676/jugend-jugendliche/