8. November 2022

8. November 2022: Tag der jungen Leserinnen und Leser

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Der Tag der jungen Leser findet jährlich weltweit am zweiten Dienstag im November statt – das ist in diesem Jahr heute, am 8. November. Dieser Tag soll das Lesen und die Lesekompetenz fördern, und auch wir wollen hiermit für das Lesen werben.

Das »OECD Programme for International Student Assessment«, kurz PISA, definiert Lesekompetenz als Fähigkeit, Texte nicht nur flüssig lesen zu können, sondern sie insbesondere auch zu verstehen, zu nutzen, zu bewerten und über sie zu reflektieren. Darüber hinaus sollten kompetente Leserinnen und Leser bereit sein, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, um eigene Ziele zu erreichen, eigenes Wissen und Potenzial zu entwickeln und dadurch an der Gesellschaft teilzuhaben. Im heutigen Kulturzeitalter spielt die Lesekompetenz eine große Rolle. Im Rahmen der PISA-Studie wird die Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern seit vielen Jahren mithilfe verschiedener Arten von Texten und Aufgaben in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen ermittelt. Daraus und aus weiteren Studien geht hervor, dass unzureichendes Beherrschen des Lesens auch andere Schwächen zur Folge hat. Schlechtes Lesen führt beispielsweise im Mathematikunterricht dazu, dass Schülerinnen und Schüler sich schwer tun beim Begreifen einer Textaufgabe oder beim Erfassen einer Fragestellung.

Doch natürlich geht es beim Lesen nicht nur um das Erfüllen von Aufgaben, es bringt es auch vielerlei Vorteile mit sich, lesen zu können. Diese treten in den unterschiedlichsten Lebensbereichen auf, etwa im beruflichen Bereich und bei zwischenmenschlichen Beziehungen. Einer Studie der University of California zufolge ist Lesen auch gut für das Gehirn: Da das Gehirn wie ein Muskel trainiert werden kann, sorgen mentale Aktivitäten und Stimulation wie Rätsel, Puzzles oder eben das Lesen dafür, dass das Gehirn gefordert wird. Außerdem steigert Lesen die Kreativität und die Vorstellungskraft: Dadurch, dass viele Bücher keine Bilder enthalten, entwickelt sich die Geschichte des Buches im eigenen Kopf durch die persönliche Kreativität und Fantasie. Sowohl Aussehen der Charaktere als auch Orte unterliegen der eigenen Vorstellungskraft.

Der wohl positivste Effekt des Lesens ist die Reduzierung von Stress. Egal wodurch er ausgelöst wird, ob durch einen anstrengenden Schultag, private oder berufliche Probleme, Beziehungsprobleme u. v. m. – Bücher helfen uns dabei, abzuschalten und zu entspannen. Laut Studien reduziert das Lesen unser Stress-Level um bis zu 67 Prozent mehr als beispielsweise das Hören von Musik oder ein Spaziergang. Die Herzfrequenz sinkt und die Muskeln entspannen sich. Zudem steigert Lesen die Allgemeinbildung, das persönliche Vokabular vergrößert sich, Konzentration und Fokus verbessern sich usw.

Wie schafft man es nun, mehr zu lesen und von den positiven Effekten zu profitieren? Im häufig anspruchsvollen Alltag fehlt uns oft die Zeit zum Lesen. Daher ist es wichtig, sich nicht zu viel zum Lesen vorzunehmen, realistisch über den Lese-Aufwand nachzudenken und eher regelmäßig, dafür weniger am Tag oder in der Woche zu lesen. Außerdem sollte man lesen, worauf man Lust hat: Bücher, die einen nicht interessieren führen meist zu Langeweile und Unkonzentriertheit. 

Leider ist der Tag der jungen Leserinnen und Leser relativ unbekannt. Das ist sehr schade, da die Förderung des Lesens bei jungen Menschen und vor allem bei Kindern besonders wichtig ist. Möglichkeiten, um diesen Tag zu feiern und bekannter zu machen sind z. B. der Besuch einer Bibliothek mit Kindern einer Grundschulklasse, das gemeinsame Lesen einer Geschichte oder Freunden und Bekannten vom Tag der jungen Leserinnen und Lesern erzählen. Zudem gibt es bundesweite Aktivitäten und Angebote zur Leseförderung. Der Bundesweite Vorlesetag, ins Leben gerufen von der Stiftung Lesen, begeistert bereits seit 2004 Kinder und Erwachsene für das Vorlesen. Egal ob jung oder alt, in der Schule oder der Bibliothek: Schnappen Sie sich eine Geschichte und lesen Sie anderen etwas vor. Für die ganz Kleinen im Alter von ein bis drei Jahren gibt es das bundesweite Leseförderprogramm Lesestart 1-2-3 zur frühen Sprach- und Leseförderung. Außerdem gibt es noch den Vorlesewettbewerb, welcher schon seit 1959 jährlich veranstaltet wird. Das Ziel des Wettbewerbs ist es, Schülerinnen und Schülern Spaß am Lesen zu vermitteln und ihnen Kriterien für gutes Lesen zu verdeutlichen.

Bei der Leseförderung geht es also nicht nur um das reine Beherrschen des Lesens, sondern besonders auch darum, jungen Leserinnen und Lesern Interesse und Freude am Lesen und an der Literatur zu vermitteln. Ein wichtiges Ziel der Leseförderung besteht darin, Menschen zum Viellesen zu animieren. In Schulen können dafür verschiedenste Methoden genutzt werden: Buchvorstellungen im Deutschunterricht, das Schreiben eines Lesetagebuchs oder das Bereitstellen einer Leseecke. In der Freizeit bieten Vorlesestunden, Leseclubs und Autorenlesungen die Möglichkeit, sich dem Lesen in der Gemeinschaft zu widmen.

Klar ist also: Lesen bereitet nicht nur Freude, sondern erweitert darüber hinaus auch den Horizont. Daher heißt es nicht nur am 8. November: »Ran an das Buch!«