1. April 2022

April, April!

Heute schon jemanden irregeleitetdüpiert oder gelinkt? Oder wurden Sie heute schon an der Nase herumgeführt? Am 1. April, das wissen wir seit unserer Kindheit, ist es Tradition, jemandem auch einmal einen Streich zu spielen. Eine nicht ernst gemeinte (witzige) Äußerung ist am heutigen Tag ein harmloser Scherz, der Heiterkeit und etwas Spaß erregen soll. Was hat es auf sich mit der Alberei, der Clownerie, der Eulenspiegelei, den Faxen und den Witzen an diesem Tag? 

Neben Herleitungen, die auf den Termin des römischen Narrenfestes oder bis zum Abend der Kreuzigung Christi zurückgehen, ist der 1. April als Tag der Neckerei und des Humors erstmals schriftlich im 17. Jahrhundert in Deutschland (ebenso in Frankreich, Holland und England) bezeugt. Die Redensart in den April schicken begegnet zuerst 1618 in Bayern. Die gefoppte Person wird damals als Aprilnarr bezeichnet. Eine Begründung, wodurch sich die Sitte des In-den-April-Schickens etabliert hat, stammt aus Frankreich. Karl der IX. verschob im Jahr 1564 den Neujahrstag vom 1. April auf den 1. Januar. Die dadurch am 1. April weggefallenden Neujahrsgeschenke, die zuvor an diesem Tag verschenkt und erhalten worden waren, waren forthin scherzhaft verteilte Scheingeschenke, die nur noch eine ironische Botschaft übermittelten, etwa unmöglich zu besorgende Dinge wie Mückenfett, Hahneneier, getrockneter Schnee oder Stecknadelsamen. Man schickte also jemanden mit seinen glückwünschenden Grüßen nicht mehr ins neue Jahr, sondern mit lustig-lächerlichen Botschaften in den April. 

In der Literatur hat Goethe den 1. April festgehalten:

Willst du den März nicht ganz verlieren, 
So laß nicht in April dich führen.
Den ersten April mußt überstehn,
Dann kann dir manches Gute geschehn.

Keine elegante Überleitung von dieser Hochliteratur ist jene zu unserem Hinterteil. Kein Witz! Denn das, was am 1. April Tradition ist – jemanden hereinzulegen, zu täuschen oder auf eine falsche Fährte zu locken –, wird umgangssprachlich nicht nur als reinlegen oder anschmieren benannt. Mit der gleichen Vorsilbe gebildet wie die Verben jemanden veräppeln, verspotten, veralbern oder verkaspern, ist auch das derbe Wort auf A Wurzel der Bezeichnung für einen Streich spielen wir sagen, wie es ist: verarschen. Die anstößige Bezeichnung des Gesäßes geht auf das altgermanische Wort aus dem Mittel- und Althochdeutschen ars zurück und beruht auf der Wurzel orsos, die auch in anderen indogermanischen Sprachen wie dem Griechischen mit der Bedeutung ›Steißbein‹ zu finden ist. Eine weitere, nicht mehr allgemein bekannte und sogar gegensätzliche Bedeutung hatte das Wort verarschen mit ›prügeln‹ und wurde auch innerhalb der Soldatensprache für diese gar nicht spaßigen Handlungen, wie unerlaubte Hiebe und Drills des Ausbilders, verwendet. Ähnlich dem Streich, der zusätzlich zur humorvollen Komponente auch die Bedeutung ›Hieb, Schlag, Stoß‹ und ›Treffer‹ hat. Sich mit jemandem einen Spaß zu erlauben, wie etwa die Lehrkraft in der Schule zu beschwindeln, hatte vor einigen Jahrzehnten mitunter zur Folge, zur Strafe einen leichten Klaps auf den Po zu bekommen, wodurch eine bildhafte Bedeutung des heutigen Verbs verarschen deutlich wird. Die heute noch in der Umgangssprache gebrauchte Bedeutung des Verbs lässt sich auf die daraus resultierende Interpretation ›jemanden wie ein kleines Kind zu behandeln‹ zurückführen.

Die Unwahrheit zu sagen und sie nach kurzer Zeit als eine scherzhaft gemeinte Lüge aufzulösen, ist heute auch in den Sozialen Netzwerken unter dem entlehnten Verb jemanden pranken bekannt. Das englische Substantiv prank bezeichnet eben diesen Schabernack, den Streich, den UlkUnsinn und Witz auch am Tag des Aprilscherzes (April fool’s oder Day Prank). Eine andere schon im späten 18. Jahrhundert aus dem Englischen entlehnte Bezeichnung ist die für den Spaßmacher im Zirkus. Der Clown, der ursprünglich die Charakterrolle des Bauerntölpels im alten englischen Theater bezeichnete, geht wohl auf das französische Wort colon (aus dem Lateinischen colonus ›Bauer, Siedler‹) zurück. Auch das Verb veräppeln hat seinen Ursprung im Theater, in dem im ausgehenden 19. Jahrhundert das Theaterpublikum die Schauspielenden wegen schlechter Leistungen mit faulen Äpfeln bewarf. Aua!

Quellen und weiterführende Links

Lutz Röhrich, Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Basel/Wien 1991.
Duden, Das Herkunftswörterbuch. Mannheim 2001.
https://www.t-online.de/leben/familie/id_80736306/aprilscherz-koenige-spekulanten-feste-da-liegt-der-ursprung-des-brauches.html