Ausgabe: Der Sprachdienst 1/2019

Farbreihe der Redewendungen: Blau

Redewendungen gibt es in der deutschen Sprache zuhauf. Eine ganz spezielle Gruppe davon möchten wir in den Sprachdienst-Ausgaben 2019 beleuchten: Redewendungen, die Farben beinhalten. Da Menschen immer von einer Vielzahl an Farben umgeben waren, ist es nachvollziehbar, dass sie auch in unserer Sprache bunte Spuren hinterlassen haben. Gemeinsam schauen wir, was hinter den Wendungen steckt, und beginnen die Serie, passend zur winterlich kalten Jahreszeit, mit der kühlen Farbe Blau.

Blaumachen

Dieser Ausdruck steht für ›Der Arbeitsstelle oder dem Schulunterricht willkürlich fernbleiben‹. Es ist davon auszugehen, dass er auf die Redensart blauer Montag ›Montag, an dem man der Arbeit fernbleibt‹ zurückgeht. Die Herkunft dieser Fügung ist nicht eindeutig geklärt; die drei wichtigsten Deutungsversuche lauten folgendermaßen:

  1. Der Montag war nach altem Handwerksbrauch der Tag, an dem die Gesellen freihatten. Blauer Montag könnte er in Anlehnung an den ebenfalls arbeitsfreien Fastenmontag genannt worden sein, an dem Blau die vorgeschriebene liturgische Farbe war.
  2. Wahrscheinlich ist auch die Annahme, dass sich die blaue Farbe auf die im Mittelalter an Sonn- und Feiertagen für Handwerker vorgeschriebene Kleiderfarbe bezog und diese für den arbeitsfreien Montag übernommen wurde.
  3. Einleuchtend ist zudem, dass sich die Fügung auf das frühere Färbeverfahren mit Waid bezieht. Bei Blaufärbung mit Waid lag die Wolle sonntags im Färbebad und musste den Montag über an der Luft oxidieren. Während des zum Bläuen gebrauchten Montags hatten die Gesellen Freizeit.

Blau sein

Diese Wendung steht für ›betrunken sein‹. Die scherzhaften Vergleiche und Übersteigerungen wie »Er ist blau wie ein Veilchen/wie eine Frostbeule/ wie eine Strandhaubitze« usw. sollen den hohen Grad der Trunkenheit ausdrücken. Die Bedeutung ›betrunken‹ rührt wohl von dem Schwindelgefühl des Betrunkenen her, der einen (blauen) Schleier vor den Augen zu haben glaubt. Daher sagte man früher auch »es wird mir blau (heute: schwarz) vor den Augen«, wenn man ohnmächtig zu werden drohte.

Sein blaues Wunder erleben

Die Bedeutung dieser Redewendung lautet ›eine große, unangenehme Überraschung erleben‹. Die Farbe Blau steht im älteren Sprachgebrauch für Täuschung und Lüge. In dieser Wendung hat sich die Bedeutung auf den Aspekt der Überraschung (des Getäuschten) verlagert.