… Gendersternchen

Die Position der GfdS zur Verwendung des Gendersternchens

Ein roter Asterisk auf grauem Beton
Asterisk (c) Steve Snodgrass

1. Erläuterungen zum Gendersternchen und zu seinen Varianten

Das Gendersternchen – auch Genderstern oder Genderstar genannt – ist eine Variante der geschlechtergerechten oder genderneutralen Sprache. Es wird derzeit in der Alltagssprache immer häufiger verwendet und zugleich scharf kritisiert.

Das Gendersternchen tritt zwischen der maskulinen Grundform eines Wortes (Leser) und dem sogenannten Movierungssuffix –in auf, durch welches die feminine Form (Leserin) gebildet wird (1).

(1)
a. Leser*in (Singular)
b. Leser*innen (Plural)

Eine Pluralform wie Leser*innen soll so verstanden werden, dass sowohl Personen bezeichnet werden, die sich als männlich (Leser) oder weiblich verstehen (Leserinnen), als auch Personen, die sich keiner dieser Geschlechterrollen zuordnen. Auch sie sollen durch den Asterisk (*) repräsentiert werden.

Die Singularform Leser*in wird meist im Bezug auf Personen verwendet, die sich keiner der beiden binären Geschlechterrollen männlich oder weiblich zuordnen (2).

(2) Hengameh Yaghoobifarah ist Journalist*in bei der taz.

In der gesprochenen Sprache wird das Gendersternchen gelegentlich durch die sogenannte Gender-Pause realisiert. Dabei wird zwischen der maskulinen Form und dem Movierungssuffix eine kurze Sprechpause eingeschoben, etwa: Leser [Pause] innen.

Vergleichbar mit dem Gendersternchen sind Formen, bei denen statt eines Asterisks ein anderes Zeichen eingesetzt wird: ein Unterstrich (Leser_innen), ein Doppelpunkt (Leser:innen) oder ein sogenannter Mediopunkt (Leser·innen). Andere Verwendungsweisen des Gendersternchens, bei denen die Position des Asterisks variiert (z. B. Leserinnen*, Leserinnen*Leser), sind weniger verbreitet.

Die Änderung des Personenstandsgesetzes (PStG) zum 01. November 2018 hat der Verwendung des Gendersternchens und vergleichbarer Formen Vorschub geleistet. Seit der Änderung erlaubt das PStG einen genderneutralen Geschlechtseintrag divers (neben männlich und weiblich). Diese Neuregelung bildet sich zunehmend auch alltagsprachlich in genderneutralen Personenbezeichnungen ab. Für ein breites Echo sorgte seitdem beispielsweise die Stadt Hannover. Sie empfiehlt seit Februar 2019 die Verwendung des Gendersternchens verbindlich für den gesamten Schriftverkehr ihrer Verwaltung. Die Journalistin Anne Will rief im Juni 2020 starke Reaktionen hervor, als sie bei der Moderation ihrer Fernsehsendung in der ARD erstmals die Gender-Pause einsetzte.

2. Die Position der GfdS zur Verwendung des Gendersternchens

Die GfdS rät aus sprachwissenschaftlicher Sicht von der Verwendung dieser Formen geschlechtergerechter und genderneutraler Sprache ab. Dies hat verschiedene Gründe.

Die Formen entsprechen nicht den Regeln der deutschen Rechtschreibung

Zeichen wie der Asterisk, der Unterstrich, der Doppelpunkt oder der Mediopunkt im Wortinneren sind nicht durch das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung abgedeckt. Sie müssen daher als orthografisch falsch betrachtet werden. Auch in einschlägigen Gebrauchsgrammatiken und Wörterbüchern werden diese Verwendungen nicht aufgeführt.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung nimmt auf seiner Internetseite Stellung zu Fragen und Problemen im Zusammenhang mit geschlechtergerechter Schreibung. Das Gremium folgt dabei der Position der GfdS und empfiehlt das Gendersternchen und vergleichbare Formen nicht.

Durch ihre Verwendung können grammatisch falsche Formen entstehen

Das Gendersternchen (und vergleichbare Formen) treten in der Regel zwischen die maskuline Form eines Wortes und das Movierungssuffix –in, wobei sowohl die maskuline als auch die feminine Form ausgedrückt werden soll. Bei der Verwendung des Gendersternchen kann es jedoch dazu kommen, dass die maskuline oder die feminine Form ungrammatisch wird (3):

(3)
a. Ärzt*in = falsche maskuline Form Ärzt
b. Bauer*in = falsche feminine Form Bauerin
c. Kolleg*in = unvollständige (und damit falsche) maskuline Form Kolleg

Problematisch ist auch die Verwendung von Artikelwörtern oder attributiven Adjektiven vor Personenbezeichnungen mit Gendersternchen. Artikel oder Adjektiv müssen an eine maskuline oder feminine Form grammatisch angepasst werden; sind beide Formen zugleich ausgedrückt, ergeben sich falsche Bezüge (4).

(4) Wir suchen einen begeisterten Teilnehmer*in für ein Interview.

Die Verwendung des Gendersternchens auch in Artikelwörtern und Adjektiven schränkt die Lesbarkeit eines Textes erheblich ein (5). Zum Teil ist die Verwendung des Gendersternchens in komplexen Wortgruppen gar nicht möglich, da sich die zugrundeliegenden maskulinen und femininen Formen zu stark unterscheiden (6).

(5) Wir suchen eine*n begeisterte*n Teilnehmer*in für ein Interview.

(6) Die Benachrichtigung [des Teilnehmers vs. der Teilnehmerin] erfolgt per E-Mail.

Die Formen werden uneinheitlich verwendet

Derzeit verwenden verschiedene Institutionen und Verwaltungen unterschiedliche Varianten genderneutraler Personenbezeichnungen. Die Stadtverwaltung Lübeck beispielsweise empfiehlt verbindlich die Nutzung des Gender-Doppelpunkts, die Städte Hannover und Flensburg das Gendersternchen. Auf diese Weise entsteht ein Nebeneinander von Formen, das für die Sprachnutzerinnen und -nutzer verwirrend ist und dem Ziel einer orthografisch einheitlichen Schreibung entgegensteht.

Es ist unklar, wie die Formen in der gesprochenen Sprache realisiert werden sollen

Wird das Gendersternchen oder eine vergleichbare Form beim Vorlesen eines Textes als Zeichen ignoriert, wird die feminine Form gesprochen (Leserin). Diese kann nicht mehr als geschlechtergerecht oder genderneutral betrachtet werden. Eine Gender-Sprechpause zwischen der maskulinen Form und dem Movierungssuffix entspricht nicht den Aussprachenormen. Es sind zudem Fälle denkbar, in denen die maskuline Form und das Movierungssuffix für einen kurzen Moment als separate Wörter – z. B: Spieler und innen (vs. außen) – verstanden werden.

Ähnliche Probleme könnten sich auch für Computerprogramme ergeben, die Texte vorlesen, um beispielsweise Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit den Besuch einer Internetseite zu ermöglichen. Asterisken, Unterstriche und Doppelpunkte werden dabei nicht einheitlich interpretiert, die Barrierefreiheit ist eingeschränkt.

Es ist unklar, wie Gender-Pausen verschriftlicht werden sollen

Werden in der gesprochenen Sprache Gender-Pausen als Entsprechungen von Gendersternchen oder vergleichbaren Formen verwendet, ist unklar, wie diese verschriftlicht werden sollen (z. B. wenn ein Protokoll einer Rede angefertigt wird). Es ist nicht hörbar, welche Variante (Sternchen, Unterstrich, Doppelpunkt o. a.) von der sprechenden Person intendiert ist; Vermerke wie Pause sind nicht in allen Textsorten üblich oder erwünscht.

Zeichen in genderneutralen Personenbezeichnungen treten in anderen Kontexten auf

Die Zeichen, die in genderneutralen Personenbezeichnungen verwendet werden – Asterisk, Unterstrich, Doppelpunkt und Mediopunkt –, werden in anderen sprachlichen Kontexten bereits stark normiert gebraucht. Der Doppelpunkt beispielsweise ist ein Satz- und kein Wortzeichen und steht vor angekündigten wörtlichen Wiedergaben, Aufzählungen oder Zusammenfassungen (7).

(7)
a. Sie gab zu bedenken: „Für den Nachmittag ist Regen angesagt!“
b. Zutaten: Mehl, Hefe, Wasser, Salz
c. Wir wussten also: Es würde eine anstrengende Verhandlung werden.

Der Unterstrich wird in Wörterbüchern zur Markierung von langen Silben verwendet (z. B. Maskera̱de) und symbolisiert in der EDV ein Leerzeichen. Der Mediopunkt hat sich in der barrierefreien sogenannten Leichten Sprache als Trennzeichen alternativ zum Bindestrich durchgesetzt und kennzeichnet in einigen Wörterbüchern Silbengrenzen. Über die zahlreichen Verwendungsweisen des Asterisks haben wir auf unserer Internetseite ausführliche Informationen zusammengetragen.

3. Fazit

Um die orthografische und grammatische Richtigkeit und Einheitlichkeit von Texten sicherzustellen sowie Probleme beim Vorlesen geschriebener und beim Verschriftlichen gesprochener Formen zu vermeiden, rät die GfdS von der Verwendung von Gendersternchen und Gender-Pausen wie auch deren Varianten ab. In unseren Leitlinien zu den Möglichkeiten des Genderns zeigen wir Formen geschlechtergerechter Sprache auf, die im Einklang mit der Richtigkeit und der Verständlichkeit von Texten stehen.