Ausgabe: Der Sprachdienst 2–3/2026

Herkunft und Bedeutung der Redewendung sein Licht unter den Scheffel stellen

[F] Ein Freund meinte neulich zu mir, ich würde mein Licht unter den Scheffel stellen. Mit der Formulierung konnte ich gar nichts anfangen und habe ich mich auch gefragt, was denn ein Scheffel ist?

[A] Die Redewendung sein Licht unter den Scheffel stellen wird oft geäußert, um eine Person zu beschreiben, die sich ›unter Wert verkauft‹ und ihre Leistungen und Verdienste aus übertriebener Bescheidenheit herunterspielt bzw. nicht anerkennen lässt.

Der Ursprung dieser Redensart geht schriftsprachlich auf eine Passage im Matthäus-Evangelium zurück. Dort heißt es: »Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, dann leuchtet sie allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen.« (Matthäus 5,14–16) Hier steht das Licht für die guten Taten der Gläubigen, die nicht im Verborgenen bleiben, sondern der Welt sichtbar gemacht werden sollen, damit andere durch sie zum Glauben finden. Sein Licht leuchten lassen kann als Antonym dieser Redewendung verstanden und als Zurschaustellung des eigenen Könnens interpretiert werden. Beide Formulierungen werden seit dem 17. Jahrhundert auch außerhalb des religiösen Kontextes verwendet und wurden mit der Zeit als Redewendungen gebräuchlich.

Das Wort Scheffel bezeichnet ein sogenanntes Hohlmaß, also ein Messgefäß aus Holz oder Metall, das früher vor allem als Behälter für Getreide verwendet wurde und je nach Region auf unterschiedliche Volumina zwischen 50 und 222 Liter verweist. Das Verb scheffeln drückt ein zumeist habgieriges Anhäufen materieller Dinge aus. Wenn man sein Licht wortwörtlich unter den Scheffel stellt, wird die Lichtquelle blockiert, sodass kaum noch Licht nach außen dringen kann. Das übergestülpte Gefäß – der Scheffel – sorgt somit dafür, dass das Licht nicht mehr sichtbar ist bzw. im Falle einer Kerze sogar durch zu wenig Sauerstoff ausgeht. Wer sein Licht also im übertragenen Sinne unter den Scheffel stellt, der verbirgt sein Können oder seine Talente aus Bescheidenheit, Unsicherheit oder Angst vor Anerkennung. Statt sich zu zeigen, zieht sich die Person zurück und hält ihre Fähigkeiten und Leistungen im Dunkeln verborgen.

Obwohl die ursprüngliche Form der Redewendung mit Licht gebildet wird, bleiben Sinn und Funktion erhalten, wenn man dieses Substantiv durch andere ersetzt (z. B. »Der Erfolg des Projekts wurde durch die Bescheidenheit der Mitarbeitenden unter den Scheffel gestellt«).

Quellen

Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 9. Auflage, Berlin 2019.

DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. https://www.dwds.de/.

Lutz Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Band 2, Freiburg u. a. 1973.

Pfälzisches Wörterbuch, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/25. https://www.woerterbuchnetz.de/PfWB.