Ausgabe: Der Sprachdienst 4-5/2020

Butterkäse, Grippeimpfung, Schornstein: Intrasparente Komposita

Auf den ersten Blick haben die Wörter Butterkäse, Grippeimpfung und Schornstein nichts gemeinsam. Aber sie teilen etwas: ihre Intransparenz. Butterkäse ist kein Käse aus Butter, bei einer Grippeimpfung wird keine Grippe injiziert[1] und bei Schornstein ist Stein isolierbar, was die Frage aufwirft, was ein Schorn sei. Diese Unmotiviertheit hat unterschiedliche Ursachen: Beim Käse ist es vermutlich die Nähe zur Butter, die ihm seinen Namen verliehen hat (Geschmack, Optik). Bei Grippeimpfung handelt es sich um eine Klammerform, bei der die mittlere Konstituente Schutz (Grippe + Schutz + Impfung) getilgt ist. Und bei Schorn handelt es sich um einen Wortbestandteil, den es im Althochdeutschen (scorrēn ›emporragen‹)[2] noch gab, der heute aber nur noch im Wort Schornstein erhalten geblieben ist.

Sind auch Ihnen schon unmotivierte Wörter begegnet, an denen Sie sich womöglich gestört oder die Sie belustigt haben? Schreiben Sie uns diese – bei nicht offensichtlichen Intransparenzen bitte mit einer kurzen Erläuterung – an:

Gesellschaft für deutsche Sprache
Spiegelgasse 7
65183 Wiesbaden
E-Mail: sprachdienst@gfds.de

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[1] Streng genommen werden hierbei zwar tatsächlich Grippeviren injiziert, jedoch sind diese inaktiv, damit sich Patient(inn)en nicht tatsächlich infizieren.

[2] Gerhard Köbler, Althochdeutsches Wörterbuch, 6. Aufl., 2014, http://www.koeblergerhard. de/ahd/ahd_s.html.