Zum Vortrag:
Das Exil der deutschsprachigen AutorInnen zwischen 1933 und 1945 hinterließ einige wichtige Werke, die als Reaktion auf die Nazi-Diktatur entstanden. Der Abend widmet sich zwei sehr verschiedenen Büchern der deutschsprachigen Literatur – beides hervorragende Schriften – von zwei sehr verschiedenen Autoren, die ebenfalls als Reaktion auf den deutschen Faschismus geschrieben wurden. Sie werden heute aber unterschätzt, teils in grotesker Weise missverstanden.
Erstmals beschäftigte sich Thomas Mann mit der Episode, aus der er „Lotte in Weimar“ schöpfte, im Jahre 1935. Seit 1933 lebte er im Exil, seit 1936 wirkte er öffentlich gegen die Diktatur, weshalb er im selben Jahr ausgebürgert wurde. Ende Oktober 1939 schloss er das Manuskript ab. Veröffentlicht wurde es sogleich in Stockholm. Insgesamt haben wir es mit einem Werk zu tun, der vor allem die Vereinnahmung Goethes durch die NSDAP – die in Weimar 1932 ihren ersten Höhepunkt hatte – ad absurdum führt. „Lotte in Weimar“ wurde seit 1998 und bis heute in Weimar als Lustspiel aufgeführt.
Das zweite Werk, „Die Welt von gestern“ von Stefan Zweig, hat die Gestalt einer Autobiografie. Es ist der Rückblick eines Schriftstellers, der sich immer als Wahrer der deutschsprachigen Literatur, der friedlichen Verständigung der Völker und eines freien, vielfältigen Europas verstanden und der auch so gehandelt hat. In den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs geschrieben und kurz nach seinem Tod 1942 auch in Stockholm veröffentlicht, vermittelt gleichsam jeder Absatz des umfangreichen Bandes die bewegende Gegenüberstellung einer friedlichen Welt, die auch immer freiheitlicher geworden war, mit der Barbarei und der Unterdrückung, dem Antisemitismus und dem Krieg seiner Gegenwart.
Zu diesem Abend laden ein Jacob Gabriel und Max Welch Guerra. Sie sind beide eng mit der Weimarer Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar verbunden. Was sie aber hinsichtlich des geplanten Abends am stärksten verbindet, ist ein geradezu leidenschaftliches wie kritisches Verhältnis zur deutschsprachigen Kultur. Dabei sind beide auf dem amerikanischen Kontinent geboren, Jacob Gabriel 1996 in den USA, und Max Welch Guerra 1956 in Chile. Vorgesehen ist ein durch Victoria Grau moderiertes Gespräch mit dem Publikum nach dem gemeinsamen Vortrag beider Referenten. Der Abend findet in der geschichtsträchtigen Sendehalle Weimar als Veranstaltung der Gesellschaft für deutsche Sprache statt. Der Eintritt ist kostenlos, Erfrischungsgetränke können vor Ort erworben werden.
Kontakt/Organisation:
Jacob Gabriel
E-Mail: jacob.gabriel@uni-weimar.de