Herkunft von Kalebs-Traube

[F] Auf einem Weinfest sahen wir neulich eine große Traube, die einen speziellen Namen, wohl »Kalebs-Traube« hatte. Uns sagt das nichts, aber vielleicht haben Sie eine Idee.

Moritz Retzsch, Winzerzug Blatt 7 © CC-Lizenz

Moritz Retzsch, Winzerzug Blatt 7 © CC-Lizenz

[A] Der Begriff Kalebs-Traube beinhaltet den biblischen Namen Kaleb und das deutsche Wort Traube. Er bezeichnet auf Weinfesten präsentierte Weintrauben, die zu einer großen Traube zusammengebunden an einer Stange befestigt sind, und steht vor allem für Reichtum und Überfluss.

Die Bezeichnung geht zurück auf eine biblische Geschichte, die im vierten Buch Mose, Kapitel 13 und 14, nachgelesen werden kann. Das Volk Israel ist aus Ägypten ausgezogen und seitdem auf seinem Weg in das gelobte Land durch die Sinai-Halbinsel gewandert. Als sie in der Wüste Paran ihr Lager aufgeschlagen hatten, sendete ihr Anführer Mose zwölf Kundschafter in dieses gelobte Land aus, einen für jeden Stamm des Volkes Israel. Unter ihnen waren Josua und Kaleb als Vertreter der Stämme Juda und Ephraim. Josua und Kaleb waren 40 Tage unterwegs und kamen mit einer Rebe von einer Weintraube nach Hause. Der Begriff Weintraube ist hier in seinem ursprünglichen Sinn gemeint, nämlich als Bezeichnung für viele an einem Stiel hängende Weinbeeren. Weinbeeren werden heute synonym mit Weintrauben verwendet. Jedenfalls war die Traube so groß, dass Josua und Kaleb sie zu zweit auf einer Stange tragen mussten. Sie berichteten von einem »Land, in dem Milch und Honig fließen«, also einem schönen und fruchtbaren Land. Die Traube brachten sie als Beweis ihrer guten Eindrücke mit. Josua und Kaleb waren jedoch die einzigen der zwölf Kundschafter, die mit guten Nachrichten nach Hause kamen. Die anderen berichteten von Riesen, die in Städten mit unüberwindbaren Mauern wohnten. Nach diesen Berichten kam der Eindruck eines Landes auf, das nur schwer oder gar nicht vom Volk Israel erobert werden konnte. So überwog unter der Bevölkerung die Angst und sie lehnten sich gegen Mose, Josua und Kaleb auf, die mit Gottes Hilfe das Land nach wie vor erobern wollten. Gott missbilligte diese Auflehnung, bei der es sogar Aufrufe zur Steinigung gab. Zur Strafe verurteilte Gott sie zu 40 weiteren Jahren in der Wüste, damit alle, die rebelliert hatten, gestorben sein würden, wenn das Volk Israel in das gelobte Land einzieht. Nur Josua und Kaleb sollten noch die Möglichkeit bekommen, das gelobte Land zu sehen, weil sie Gott auch dann treu geblieben sind, als eine Eroberung des gelobten Landes aussichtslos erschien. Während Josua, der spätere Anführer des Volkes Israel, eher mit der Eroberung der Stadt Jericho in Verbindung gebracht wird, wird Kaleb in der Bibel nur in dieser Geschichte erwähnt. Es liegt also nahe, dass sein Name mit dieser Geschichte verbunden ist und nicht der Name Josua. So wurde die Kalebs-Traube auch im Mittelalter zu einem beliebten Motiv in der Kirchenkunst und fand schließlich ihren Weg auf Fassböden, Wirtshausschilder und andere Gegenstände, die mit dem Weinbau zu tun haben (vgl. Peter Wasem auf www.heimat-pfalz.de). Seit etwa Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde bei Umzügen auf Weinfesten in verschiedenen Städten bekannter Weinregionen (u. a. Tübingen, Rockenberg, Radebeul) eine Kalebs-Traube präsentiert. Diese Traube, ebenfalls auf einer Stange von zwei Männern getragen, besteht üblicherweise aus vielen Weintrauben, die zu einer großen Traube zusammengebunden werden. Wenn Sie also beim nächsten Weinfest auf eine Kalebs-Traube treffen, dann denken Sie an unser reiches Land und freuen sich an Milch und Honig. Prost!


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