Muttersprache 1/2004

Glahn, Richard
Deutsche und amerikanische Talkshows: Analyse und interkultureller Vergleich

Dieser Beitrag fokussiert den interkulturellen Vergleich deutscher und US-amerikanischer Talkshows – hinsichtlich sprachlicher und die Kommunikation betreffender Auffälligkeiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Einige der Gemeinsamkeiten von Talkshows beider Kulturräume sind die behandelten Themenkreise, der Verlauf von Gesprächen sowie die evidenten Schwierigkeiten der Gäste, vollständige und syntaktisch richtig gegliederte Sätze zu formulieren. Unterschiede bestehen im Hinblick auf das Diskussionsverhalten der Gäste untereinander, das Ausmaß, in dem das Studiopublikum ins Geschehen einbezogen wird, den Grad der ethnischen Repräsentativität des Publikums (bezogen auf den jeweiligen Kulturraum) sowie hinsichtlich der verwendeten Sprache. In den USA fallen bei den Gästen die Verwendung von Slang und ein sehr begrenztes Vokabular auf. In Deutschland ist das Sprachverhalten der Gäste eher durch regionenspezifische mundartliche Einflüsse sowie durch das falsche Verwenden von Wörtern gekennzeichnet. Ein bemerkenswertes kulturelles Differenzierungsmerkmal besteht darin, dass vergleichbare Diskussionsthemen hinsichtlich ihrer Medienwirksamkeit unterschiedlich ausgeschlachtet werden. Nach deutschem Verständnis werden in den USA dabei moralische Mindeststandards deutlich unterschritten.

This essay focuses on the intercultural comparison of German and North-American talkshows. German and North-American talkshows resemble each other with regard to discussion topics, the development of discussions and the difficulties of most of the guests to form complete and syntactically correct sentences. Differences are to be found in the guests’ discussion behaviour, as well as in the incorporation of the viewers at the broadcasting station by the host. In German shows, the ethnic plurality of the country’s population is not as representatively reflected as in the U. S. Further differences are to be found in the utilisation of language: While slang and a severe narrowness of the size of the individual vocabulary are predominant in the U. S., a strong influence of dialects and a wrong usage of words are features of the language usage of German talkshow guests. However, particularly evident is the fact that similar discussion topics are presented in different ways. In German terms, in the U. S. moral limits are undermined by far.

Zehetner, Ludwig
»Der genoweite Kontoauszug«: Überlegungen zur wortbildenden Funktion von »o« in Wortkürzungen und Kurzwörtern

Obwohl sich im Deutschen nur ganz wenige Erbwörter mit o-Ausgang erhalten haben, weist die Gegenwartssprache eine beträchtliche Menge von Wörtern mit unbetontem auslautenden -o auf, und ihre Anzahl nimmt ständig zu. Dutzende von Lehnwörtern aus dem Italienischen, Spanischen und anderen Sprachen sind fest in den Wortschatz integriert. Reichlich belegt sind Namen auf -o (Personen-, Firmen- und Produktnamen). Viele Ausdrücke aus der Terminologie der Naturwissenschaften sowie aus Medizin und Technik, wo Wortbildungen mit einem o-Infix sehr häufig sind, haben Eingang in die Alltagssprache gefunden. Im Englischen wie im Deutschen entwickelte sich –o- zu einem Wortbildungselement. So erklären sich Neologismen wie z. B. Servolenkung, Bankomat, Spielothek. Durch »back clipping« (›Zurückschneiden‹ – eine Methode der Wortkürzung, die im Englischen eine lange Tradition hat) entstanden neue Zweisilbler, von denen viele ins Deutsche entlehnt wurden (z. B. dynamo, radio, photo). Nach englischem Muster sind Auto, Kino, Steno u. a. m. gebildet. In den letzten drei oder vier Jahrzehnten wurden zahlreiche Kurzwörter auf -o gebildet, und zwar entweder durch »back clipping« bis zu einem vorhandenen o (oft ohne Rücksicht auf Etymologie und Silbenstruktur des Ausgangswortes, z. B. Abo oder Info; geno(-weit) ist einer der jüngsten Belege) oder durch Suffigierung mit einem -o. Verbreitet sind sie vornehmlich in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik (Deko, Demo, Realo), besonders auffällig aber in der Jugendsprache und auf einer daran orientierten Stilebene (bingo, logo, claro).

Although only very few words of Germanic origin with a final o have survived, present-day German shows a considerable quantity of words ending in an unstressed o, and its number is steadily increasing. Dozens of loan words from Italian, Spanish and other languages have become an integral part of the German vocabulary. There are countless names with a final o (of persons, companies and products). From the terminologies of sciences, medicine and technology, where o-infixes are frequent, lots of words have been adopted into everyday language. Both in English and in German, o has become an element of word formation. Thus the way was paved for coining hybrids like, for instance, Servolenkung, Bankomat, Spielothek. By »back clipping« – a method of word formation with a long tradition in English – bisyllabic neologisms, such as dynamo, radio, photo, were created; many of them were adopted by German-speaking countries. Others, like Auto, Kino, Steno, were generated according to the English pattern. In the last three or four decades, a lot of new words with an o-ending came up, created either by means of »back clipping« (in many cases regardless of etymology or syllable structure, e. g. Abo or Info; one of the most recent specimens is geno(-weit), or by adding –o as a suffix. Predominantly they appear in the fields of economy, social life and politics (Deko, Demo, Realo), most conspicuously, however, in the jargon of the young generation and in the stylistic level based on it (bingo, logo, claro).

Ruge, Nikolaus
Das Suffixoid »-technisch
in der Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache

Die vorliegende Korpusuntersuchung behandelt Stellung und Funktion des Elements ‑technisch im Wortbildungssystem der deutschen Gegenwartssprache. Wortbildungen mit ‑technisch lassen sich sowohl als Suffixoid-Ableitungen (z. B. bikinitechnisch < Bikini) als auch als gewöhnliche -isch-Desubstantiva zu Basen auf -technik (z. B. gentechnisch < Gentechnik) analysieren. Die Klassifikation hängt in erster Linie von der Existenz einer Basis auf -technik ab. Nach einer Analyse von Syntax und Semantik wird auf der Basis einschlägiger metasprachlicher Äußerungen abschließend der Frage nachgegangen, inwieweit die Entwicklung von -technisch als Beispiel für im Gang befindlichen Sprachwandel betrachtet werden kann.

In this corpus-based paper I take a look at some features of -technisch in modern German word formation. Word formations containing -technisch can be analysed both as semi-suffixderivates (e. g. bikinitechnisch < Bikini) and as ordinary denominal derivates (e. g. gentechnisch < Gentechnik). The classification depends essentially on the existence of a base with -technik as second element. Furthermore, the paper deals with the syntax and semantics of ‑technisch and finally tries to evaluate some metalinguistic evidence suggesting that the development of -technisch might be an example for language change in progress.

Baghdasaryan, Vagharshak
Modifikation von Phraseologismen im Dienste der Textsorte Fabel

Im Artikel werden solche Gebrauchsweisen von Phraseologismen unter die Lupe genommen, deren Vorkommen in einer Textsorte wie der Fabel auf den ersten Blick unerwartet oder sogar unangebracht scheinen kann. Es handelt sich dabei um die so genannten »Modifikationen«. Durch Beispiele aus den Fabeln Lessings, Pestalozzis und Anders’ wird veranschaulicht, wie ein breites Spektrum von semantisch wie stilistisch-pragmatisch anspruchsvollen Modifikationstypen im Dienste der Textsorte Fabel eingesetzt werden kann. Modifikationen erscheinen dabei grundsätzlich als Mittel der Bildhaftigkeit; sie erzeugen stilistisch-pragmatische Effekte, dienen als Wegmarken in der Darstellung, bereiten Pointen vor bzw. präzisieren sie, spitzen sie zu und können nicht zuletzt auch wesentlich zur Textkonstitution beitragen.

This article deals with certain ways of using phraseologisms in a literary context: The occurrence of so called »modifications« of phraseologisms may at first seem unusual or even inadequate in fables. In fact, examples from the fables of Lessing, Pestalozzi and Anders illustrate that a wide range of (semantically, stylistically and pragmatically remarkable) modifications can be used in accordance to the specific features of the fable as a specific type of text. As the examples show, modifications are applied as a means of figurative writing; they generate stylistic and pragmatic effects, serve as »milestones« of description, prepare, expand or sharpen the points and finally can contribute to the constitution of text.

Zimmermann, Gerhard
Männliche Anredeformen des Deutschen in literar-historischer Sicht

Die pronominalen und nominalen Anredeformen des Deutschen haben im Laufe der Zeit einen erheblichen Wandel erlebt. Sie spiegeln Statusabhängigkeiten und soziokulturelle Einschätzungen der Gesprächspartner. Ihre Variablen bewegen sich zwischen familiärer Nähe und höflicher Distanz. Der Aufsatz will den historischen Ablauf dieses Prozesses näher beleuchten, soweit es die männlichen Anredeformen betrifft.

The German linguistic registers in use for addressing people in social intercourse have, historically, been subject of considerable changes. Reflecting both status prerequisites and cultural estimates they vary from familiar intimacy to polite distance. The object of this paper is to shed some light on the said process.

Balci, Tahir
Bericht: Die türkischen Sprachpflege-Institutionen

Katskova, Tatiana
Bericht: Deutsch als Fremdsprache im Umbruch – Erfahrungen aus der Perestroika-Zeit

Reimann, Sandra
Bericht: Zur Zukunft der deutschen Sprache in der EU. Bericht vom interdisziplinären Symposium »Rolle und Chancen der deutschen Sprache in der Zukunft der Europäischen Union aus rechts- und sprachwissenschaftlicher Sicht« vom 18. bis 19. September 2003 in Regensburg

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