Ausgabe: 2/2018

Muttersprache 2/2018

Sabine Krome
Skypen, faken, toppen und liken: Anglizismen im Deutschen als Indikatoren gesellschaftlichen und orthografischen Wandels

Anglizismen sind im Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache allgegenwärtig und durchdringen mittlerweile alle Bereiche der Gesellschaft. Dabei bezeichnen sie sowohl einen grundlegenden gesellschaftlichen wie einen sprachlichen Wandel, der sich auch in der Orthografie niederschlägt. Der Beitrag analysiert den Schreibusus in professioneller und informeller Schriftlichkeit vor allem von neueren Anglizismen der letzten 20 Jahre und beschreibt anhand paradigmatischer Beispiele auf der Basis der derzeit umfangreichsten digitalen Textkorpora die aktuellen Entwicklungen von Fremdwortschreibung und Fremdwortgebrauch im Spannungsfeld von Isolation und Integration.

Anglicisms are omnipresent in present-day German vocabulary, meanwhile penetrating almost any sector of society. They thus indicate fundamental social as well as linguistic changes which also influence German orthography. This study describes the usage and spelling practices of modern anglicisms having entered the German language within the last 20 years by analysing large digital linguistically annotated corpora containing texts written by professional as well as non-professional writers. Authentic examples reflect current orthographic developments of foreign words ranging between the poles of isolation and integration.

Juliane Schröter
»Wohl auf denn, meine Schwestern, vereinigt Euch mit mir.« Die Konstruktion des politischen Kollektivsubjekts der Frauen in Louise Ottos Frauen-Zeitung (1849–1852)

Die Frauen-Zeitung ist die einzige langlebigere feministische Zeitung aus dem Kontext der deutschen Revolution 1848/1849. Als solche hat sie wesentlich zur Entwicklung der ersten Frauenbewegung im deutschsprachigen Raum in der Mitte des 19. Jahrhunderts beigetragen. Insbesondere hat sie darauf hingewirkt, die Frauen als politisches Kollektivsubjekt zu konstruieren.

Der Beitrag besteht aus einer ersten politolinguistischen Analyse der kommunikativen Strategien und sprachlichen Mittel, die in der Frauen-Zeitung verwendet werden. Zunächst werden die diskursorganisatorischen Techniken beschrieben, die die Zeitung zu einem öffentlichen Forum für Frauen und ihre politischen Debatten machen. Zweitens zeigt der Beitrag auf, wie die Zeitung mit Personenbezeichnungen auf die Vorstellung hinwirkt, dass alle Frauen eine Gruppe bilden, die von der Gemeinschaft um die Frauen-Zeitung politisch vertreten werden kann. Drittens untersucht der Beitrag verschiedene sprachliche Mittel (Topoi, sprachliche Akte, sprachliche Bildlichkeit etc.), die Frauen mit unterschiedlichen politischen Positionen dazu anregen können, die Gemeinschaft um die Frauen-Zeitung zu unterstützen. Zum Abschluss des Beitrags wird die Konstruktion des politischen Kollektivsubjekts der Frauen, die sich in der Zeitung beobachten lässt, aus einem weiteren historischen Blickwinkel betrachtet: Sie wird mit der Dekonstruktion dieses Kollektivsubjekts im Rahmen der zeitgenössischen Kritik an der traditionellen Zweigeschlechtlichkeit kontrastiert.

The Frauen-Zeitung (Women’s Journal) is the only feminist journal in the context of the German revolution 1848/1849 that existed for a longer period of time. As such, it has contributed significantly to the development of the first feminist movement in the German-speaking countries in the mid-19th century. In particular, it has helped to establish women as a collective agent in the field of politics.

The article presents the first polito-linguistic analysis of the communicative strategies and linguistic means used by the Frauen-Zeitung. First, it describes the discourse-organizational techniques that turn the journal into a public forum for women and their political debates. Second, the article focuses on the designation of persons and shows that the expressions referring to women strengthen the notion that all women form one group, which can be politically represented by the community of the Frauen-Zeitung. Third, it examines various linguistic means (topoi, speech acts, linguistic imagery, etc.) that can lead women with different political positions to support the community of the Frauen-Zeitung. Finally, the construction of women as a collective agent in politics as can be observed in the journal is put into a larger historical perspective: it is contrasted with its deconstruction within the contemporary critique of the traditional gender/sex system.

Yong Zhang
Polysemie im Deutschen und Chinesischen. Eine kontrastive Untersuchung aus kognitiver und kultureller Perspektive

Polysemie ist ein wichtiges Sprachphänomen und hat in der semantischen Forschung viel Beachtung gefunden. In diesem Beitrag wird versucht, aufgrund der Interpretation von Polysemie und Metapher im Rahmen der kognitiven Semantik die semantische Struktur der Polysemie und deren Bedeutungsentfaltung abzuhandeln. Durch Untersuchung des Kontrasts zwischen polysemen Wörtern im Deutschen und im Chinesischen am Beispiel von Gesicht/面、脸 und essen/吃 wird festgestellt, dass die Bildung der semantischen Struktur wie die Konzeptbildung selbst mit dem Denken der Menschen, das in großen Maßen die Kultur einer Nation widerspiegelt, aufs Engste verbunden ist.

As an important phenomenon in language, polysemy has received much attention in semantic research. In this paper, the author studies the semantic structure of polysemy and the corresponding semantic extension, based on the interpretation of polysemy and metaphor, in cognitive semantics. Through the comparative analysis of the polysemous words face and eat in German and Chinese, the author finds that the formation of the semantic structure, like concept formation, is closely related to human thinking, which, to a large extent, reflects the culture of a nation.

Jing Zhao und Yuan Li
Deutsche Sprachkompetenz und Transnational Citizenship chinesischer Migrant(inn)en. der ersten Generation in Deutschland

Laut einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes in Deutschland stammt die größte Gruppe asiatischer Zuwandernder aus China (vgl. Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2015: 40 ff.). Manche Auslandschines(inn)en, so die Beobachtung der Autorinnen bei der Feldforschung, verfügen zwar über die deutsche Staatsbürgerschaft, identifizieren sich aber viel mehr mit der chinesischen Kultur und halten Distanz zur deutschen Kultur. Demgegenüber behalten zahlreiche andere zwar noch einen chinesischen Pass, zeigen aber eine größere Akzeptanz gegenüber der deutschen Kultur und sehen sich lieber als Deutsche. In diesem Sinne ist die Citizenship nicht identisch mit dem Pass und/oder mit der Staatsangehörigkeit, sondern sie stellt in Form von Transnational Citizenship einen grenzüberschreitenden dynamischen Konstruktionsprozess dar, und zwar in einer politisch-rechtlichen, sozialpolitischen, sozioökonomischen und kulturellen Dimension.

Was ist eigentlich Transnational Citizenship? Wie sieht der Stand der Transnational Citizenship der chinesischen Migrant(inn)en erster Generation aus? Welche Rolle spielt die deutsche Sprachkompetenz bei der Transnational Citizenship? In der Arbeit wird versucht, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Zugrunde lag eine empirische Erhebung anhand biografischer Interviews und teilnehmender Beobachtung der Autorinnen mit chinesischen Migrant(inn)en im Zeitraum von 2010 bis 2015.

According to a report by the Federal Statistical Office, the largest group of Asian immigrants comes from China (cf. Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2015: 40 ff.). Some overseas Chinese, according to the observation of the authors in the field research, have German citizenship, but they identify much more with Chinese culture and keep a distance to German culture. By contrast, many others still retain a Chinese passport, but show greater acceptance of German culture and prefer to see themselves as Germans. In this sense, the citizenship is not identical to person’s nationality as shown in the passport, but rather represents a transnational dynamic construction process in a political-legal, socio-political, socioeconomic and cultural dimension in the form of a »transnational citizenship«.

What is transnational citizenship? What is the status quo of the transnational citizenship of Chinese first-generation migrants in Germany? What role does German language competence play to transnational citizenship? In this article we are trying to deal with these three questions. The empirical survey is based on biographical interviews and participant observation of Chinese migrants by the authors in the period from 2010 to 2015.

Janja Polajnar und Tanja Škerlavaj
Bologna-Prozess: Leichter Einstieg in den Beruf oder nur Studium mit Durchlaufgeschwindigkeit? Ökonomie-Topoi und der Finanzierungs-Topos zu Beginn des slowenischen und deutschen Bologna-Diskurses

Am sprachenübergreifenden massenmedialen Diskurs zum Bologna-Prozess beteiligen sich in den letzten Jahrzehnten verschiedene Akteure, indem sie für oder gegen diese bildungspolitische Reform und ihre Ziele sowie Maßnahmen argumentieren. Im vorliegenden Beitrag werden die zu Beginn des analysierten Bologna-Diskurses häufigst vorgebrachten Argumentationsmuster, die sog. Ökonomie-Topoi samt Subtypen und der Finanzierungs-Topos, in slowenischen und deutschen Zeitungen fokussiert. Nach einer kurzen theoretischen Auseinandersetzung mit der Argumentationsanalyse, der Beschreibung der Methodik und einer Übersicht über die zentralen Argumentationsmuster, die den Beginn des Bologna-Diskurses im Deutschen und Slowenischen konstituieren, werden die Ökonomie-Topoi – der Topos vom ökonomischen Nutzen, der Topos der Praxisorientierung und der Geschwindigkeits-Topos – sowie der Finanzierungs-Topos anhand von Beispielen näher beschrieben und (kultur-)kontrastiv analysiert.

It can be observed that in the past decades different social agents have taken part in the Europe-wide mass media discourse on the Bologna process, voicing their arguments for or against this higher education reform, its goals, and its measures. In the paper the most common argumentative patterns (topoi) at the beginning of the Bologna discourse in Slovenian and German newspapers are presented. Following a short theoretical part on topos analysis, description of methodology, and an overview of the central topoi, constituting the beginning of the Bologna discourse in German and Slovenian, the following topoi are analysed by means of cross-cultural comparative analysis: topos of economy, including topos of economic advantage, topos of practical orientation, and speed topos, as well as topos of financing.

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