Muttersprache 2/2019

Vincent Balnat
Zur appellativischen Verwendung von Eigennamen in Luthers deutschen Schriften

In diesem Artikel geht es um Ausdrücke, die ganz oder teilweise aus Eigennamen entstanden sind (in moderner Terminologie: deonymische Bildungen bzw. Deonomastika), und um deren
Verwendung in Luthers deutschen Schriften. Grundlage der Untersuchung bilden eigene Datenerhebungen sowie das umfangreiche Wortmaterial, das Karl Sang in seiner Dissertation Die appellative Verwendung von Eigennamen bei Luther (1921) zusammengestellt hat. Neben den morphologischen und semantischen Aspekten werden auch die diskursiven Funktionen beleuchtet; die symbolische Kraft dieser Eigennamen wusste der Reformator im Kampf gegen die römische Kirche effektiv einzusetzen. Am Beispiel von Luthers Umgang mit Eigennamen zeigt diese Studie, dass die sprachwissenschaftliche Beschäftigung mit Deonomastika aufschlussreiche Einblicke in kulturgeschichtliche Zusammenhänge gewähren kann.

This article deals with expressions that are completely or partially derived from proper names (in modern terminology: deonymic formations or deonomastics) and the use Luther made of this particular type of words in his writings in German. It is based on personal data collections and the extensive word material presented by Karl Sang in his doctoral thesis Die appellative Verwendung von Eigennamen bei Luther (1921). Other than morphological and semantic aspects, the discursive functions of these deonomastics will be examined as well, and it will be shown that the reformer knew how to make efficient use of their symbolic function in his fight against the Roman Church. Beyond investigating Luther’s handling of proper names, it is shown how linguistic studies of deonomastics may provide valuable insights into cultural and historical contexts.

Anke Heier
Der Beitrag des Dudenverlags zum aktuellen
Fremdwortdiskurs in seinen Fremdwörterbüchern

Der Aufsatz vergleicht kritisch, wie der Dudenverlag in allen seinen gegenwärtig publizierten Fremdwörterbüchern den Gegenstand seiner Bücher erklärt und bewertet. Es wird gefragt, ob der Verlag aufgrund der unterschiedlichen Profile der Bücher das Thema inhaltlich und sprachlich auch unterschiedlich beschreibt und dabei dennoch konsistent bleibt oder nicht. Während im Grundschulwörterbuch sehr wenige und bildhafte Erklärungen gemacht werden, ähneln sich Schülerduden und Fremdwörterbuch (FWB, Band 5) in ihren Ausführungen, unterscheiden sich jedoch in der thematischen Breite der Texte und in der Tiefe der Argumentation für ihre Haltung. Dabei tritt der Schülerduden lenkender als das FWB auf. Das große Fremdwörterbuch lässt sich als Kurzversion der Erläuterungen im FWB beschreiben, kritisiert dabei jedoch weniger Verwendungsgründe. Das umgekehrte Fremdwörterbuch zeigt eine markante, das Ziel des Buches unterstützende Themenauswahl und enthält sich jeder Kritik zum Wortschatz und jeder Empfehlung für bzw. gegen seinen Gebrauch. Der Kleine Duden schließlich entzieht sich dem Fremdwortdiskurs.

The essay critically compares how the publishing house Dudenverlag explains and evaluates loan words in the prefaces of six of its foreign word dictionaries. It is investigated whether the editors (due to the different profiles of the dictionaries) describe the topic differently while remaining consistent, or not. Whereas the Grundschulwörterbuch explains very little and in many metaphors, the Schülerduden and the Fremdwörterbuch (FWB, Vol. 5) are similar in their descriptions; but they differ in quantity of information and in elaborateness of the argumentation for their attitude towards using loan words. At the same time, the Schülerduden appears more directing than the FWB. The foreword of Das Große Fremdwörterbuch can be described as the shorter version of the explanations in the FWB. In it, however, fewer manners of use are criticized. Das Umgekehrte Fremdwörterbuch presents a distinctive and the purpose of the book supportive selection of topics and refrains from any critique of vocabulary and any recommendations for or against the use of loan words. Finally, Der Kleine Duden doesn’t explain and evaluate at all.

Hilke Elsen
Zum Status der Wortbildung in Lehrwerken für DaF. Vorschläge für eine Neukonzeption

Das Deutsche verfügt über viele produktive Wortbildungsmöglichkeiten mit zahllosen halb- oder nichttransparenten Beispielen. Der Unterricht kann nicht jede Ausnahme behandeln, gleichzeitig lassen sich nicht alle Wortbildungen in Nachschlagewerken auflisten. Deswegen benötigen Nichtmuttersprachler/-innen Hilfestellungen, um das nötige Sprachwissen für den rezeptiven und produktiven Umgang mit komplexen Wörtern aufbauen zu können. Überdies sind viele strukturelle und semantische Eigenarten auch den Muttersprachlern und Muttersprachlerinnen nicht bewusst, sodass Lehrende zunächst einmal für die Probleme sensibilisiert werden müssen, um zu erkennen, wo die Schwierigkeiten der Nichtmuttersprachler/-innen anzusiedeln sind. Dies alles macht Wortbildung für den DaF-Unterricht so wichtig. Nachdem seit vielen Jahren beklagt wird, dass das Thema in den Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache zu kurz kommt, prüft dieser Artikel am Beispiel dreier Lehrwerke den aktuellen Stand. Aufgrund der wenig zufriedenstellenden Lage folgen neurologisch-kognitiv orientierte Vorschläge für einen systematischeren Umgang mit Wortbildung.

German offers numerous productive ways to form complex words, many of them semi- or non-transparent. Neither training courses nor dictionaries can include all of them. This is one reason why learners need well-devised teaching concepts from the beginning to decode and form complex words. Furthermore, native speakers are not aware of many structural and semantic characteristics of word formations, so that they have to become sensitized to problems that may lead to difficulties for learners. Accordingly, word formation is an important subject for the study of German as a foreign language. This article examines how textbooks deal with word formation. As the findings turn out to be hardly satisfactory, the article closes with neurologically and cognitively based suggestions for a more systematic approach to word formation.

Jin Zaho und Fuxin Zhang
Die Rollenmuster des Moderators in Talkshowstreitsequenzen. Am Beispiel der Talkshow »maybrit illner«

Sprachhandlungsmuster der Moderatorin in den Streitsequenzen der Talkshow untersucht. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Rollenmuster der Moderatorin herauszuarbeiten, mit denen sie auf den Konflikt und Streit Einfluss ausübt. Empirisch wird hier eine pragmatische Gesprächsanalyse durchgeführt und 17 Streitsequenzen aus 10 Folgen der Sendung »maybrit illner« analysiert. Als Ergebnis werden die streitfördernden (die organisierenden und provozierenden) und streitverhindernden Handlungen der Moderatorin herausgearbeitet. Die Analyse beschränkt sich auf die Sprachebene und erweist sich als ein sinnvoller Anfang für eine nachfolgende multimodale Erforschung des Korpus.

In the framework of the media-linguistic research, this paper investigates the patterns of the speech acts of the talk show host during the quarrel. This paper aims to uncover the role patterns of the host, which she uses to influence the conflict and the quarrel. A pragmatic conversation analysis is empirically carried out here and 17 quarreling fragments out of 10 periods of the talk show »maybrit illner« are analyzed. As a result, the quarrel promoting (the organising and the provoking) and obstructing speech acts are worked out. Though restricted to language, this analysis proves to be a meaningful beginning of a multimodal analysis of the corpus.

Rezensionen

André Meinunger:
Ekkehard Felder/Horst Schwinn/Beatrix Busse/Ludwig M. Eichinger/Sybille Große/Jadranka Gvozdanović/Katharina Jacob/Edgar Radtke (Hgg.): Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO). Band 1: Sprachnormierung und Sprachkritik

Karsten Rinas:
Frank Kirchhoff: Von der Virgel zum Komma. Die Entwicklung der Interpunktion im Deutschen

Marco Agnetta und Larisa Cercel:
Rainer Kohlmayer: Deutsche Sprachkomik. Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

Jing Dong:
Lingyan Qian: Sprachenlernen im Tandem. Eine empirische Untersuchung über den Lernprozess im chinesisch-deutschen Tandem