Muttersprache 4/2005

Grosse, Siegfried
Sprache und Nation aus deutscher Perspektive

Ein deutsches Sprachbewusstsein hat sich erstmals mit den Aktivitäten der deutschen Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert herausgebildet. Damals gab es noch keine Nation. Sie ist erst mit der Reichsgründung 1871 entstanden. Seither hat der deutsche Nationalismus in den unterschiedlichsten Ausprägungen die Sprachpolitik beeinflusst. Ein Blick auf die beiden Begriffe Sprache und Nation im Rahmen der Europäischen Union schließt die Darlegungen ab.

A special pride in the German language has first been developed by the activities of the German language societies in the 17th century. At that time, a »nation« did not exist. The foundation of the German Reich (1871) created the »nation«. Since this year, German nationalism has influenced the politics of language in different ways. The article ends with a look at the two terms language and nation in the frame of the European Union.

Wichter, Sigurd
Reihen. Folgen aus Gesprächen und Textkommunikaten. Zur Modellierung der gesellschaftlichen Kommunikation (Teil 2)

Nehmen wir an, dass wir eine komplexere sprachliche Interaktion vorhaben, etwa den Kauf eines Autos nach sorgfältigem Markenvergleich oder irgendeinen aufwendigen Kontakt mit einer Behörde. Dann gilt frei nach einer bekannten Trainerweisheit: Nach dem Gespräch ist vor dem Gespräch, nach dem Text ist vor dem Text. In sehr vielen Fällen ist also das, was man letztlich bezweckt, nicht durch ein einziges Gespräch oder durch die Übermittlung eines einzigen Textes erreichbar, sondern nur durch eine Folge von – dialogischen – Gesprächen und bzw. oder – monologischen – Textübermittlungen, kurz: durch eine Folge von Kommunikaten. Der Abschluss, der durch ein Gesprächs- bzw. Textende gegeben ist, ist also auf die ganze Interaktion gesehen relativ. Erst die Folge der Kommunikate, kurz: erst die Reihe ist das, was in der Eigenperspektive der sprachlich Handelnden als Ganzes zählt. Erst die Reihe ist handlungspraktisch die grundlegende Perspektive. Soweit ich sehe, ist auch der Diskurs im Sinn einer gesellschaftsweiten Behandlung eines Themas nichts anderes als eine Reihe, wenn auch eine höchst komplex vernetzte natürlich, so dass über der Ebene von Gespräch und Textkommunikat als höchste Ebene die der Reihe anzusetzen wäre. Der erste Teil dieses Beitrags (Kapitel 1–4.2.2) wurde in der Septemberausgabe der Muttersprache (Heft 3/2005: 193–214) veröffentlicht.

Let us assume that we are intending to carry out a relatively complex verbal interaction, such as buying a car after carefully comparing different makes or raising an issue with a local authority. In such cases, after the conversation is before the conversation, and after the text is before the text – to adapt a phrase popular with sports coaches. This means that in very many cases one’s aims cannot actually be achieved through a single conversation or a single written text but only through a series of conversations (dialogues) or a series of texts (monologues), in short, through a series of communicates. In the context of the entire interaction the closure that is achieved through ending a conversation or text is thus of a merely relative nature. It is only the sequence of communicates, the series, which counts as a complete whole for the persons conducting the verbal action and which forms the basic perspective for a pragmatic approach. As far as I can see, discourse in the sense of the society-wide discussion of a specific topic is in fact also such a series, albeit naturally one with highly complex interconnections, so that the series as a level would have to be placed above the level of conversation and text communicate. The first part of this paper (chapters 1–4.2.2) was published in the September issue of Muttersprache (issue 3/2005: 193–214).

Kotthoff, Helga
Artistische Dimensionen der Alltagsrede. Performanzorientierte Mündlichkeit bei Kindern und Erwachsenen

Dieser Artikel widmet sich den artistischen Dimensionen des Mündlichen. Es ist nicht selbstverständlich, im mündlichen Erzählen, Streiten, Schimpfen oder Klagen poetische Strukturen zu finden. Und doch ist die Gestaltungsorientierung auch im Bereich der mündlichen Kommunikation von großer Bedeutung. Ich möchte zeigen, dass schon sehr früh im Spracherwerb neben dem Sinn auch der »Sound« des Gesagten eine Rolle spielt. Später gehe ich auf gemeinsam hergestellte Phantasien unter Erwachsenen ein. In diesen Phantasien steigern sich die Sprechenden gegenseitig in zunehmende Absurdität hinein. Es ist ein gemeinsames Anliegen von Sprechwissenschaft, Gesprächsanalyse und anthropologisch-linguistischer Mündlichkeitsforschung, artistische Dimensionen des Mündlichen zu erhellen.

This article is about the artistic dimensions of oral communication. It is not self evident that poetic structures can be found in oral narration, arguments, nagging or complaints. However, also in orality artistry is very important. I want to show that early in language development sound construction plays an equally important role as sense construction. Later I discuss the conversational development of jointly produced fantasies among adults. In their spontaneous fantasies they increase the absurdity turn by turn in close cooperation. It is a joint project of the sciences of communication, conversation analysis and linguistic anthropology to reveal the artistic dimensions of oral talk.

Wolanska-Köller, Anna
»Zierlich ordnet man die netten Sächelchen auf der Anrichteschüssel an.« Diminution und Funktionalsprache in der deutschen Küchensprache des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Diminutiva und Hypokoristika gelten als typische Merkmale der Kinderliteratur und der sog. Ammensprache. In Fachtexten sind sie dagegen kaum vertreten: Hier sind allenfalls lexikalisierte Diminutiva erwartbar. Betrachtet man aber Texte des Typs Kochrezept, so zeigt sich, dass diese – obwohl sie fraglos als Fachtexte einzustufen sind – durchaus Diminutiva und sogar Hypokoristika enthalten. Der vorliegende Beitrag unternimmt den Versuch, entsprechende sprachliche Formen in der Küchensprache des 19. und frühen 20. Jahrhunderts qualitativ und quantitativ zu erfassen und die kommunikativen Funktionen aufzuzeigen, die Diminutiva und Hypokoristika in Kochrezepten zukommen können.

Diminutives and hypocorisms are considered typical characteristics of children’s literature and »Motherese«. In technical or special-purpose texts, only lexicalised diminutives ought to occur. However, an examination of cooking recipes – which are clearly special-purpose texts – reveals them to contain a number of diminutives and even hypocorisms. In this paper an attempt is made to provide a qualitative and quantitative account of diminutives in the cookery discourse of the 19th and early 20th centuries and to demonstrate the possible communicative functions of diminution and hypercorism in recipes.

Kreuder, Hans-Dieter
»Nun mach mal einen Punkt!« Zu Geschichte und Gebrauch eines nichtalphabetischen Graphs

Unter allen graphischen Symbolen nimmt der Punkt den geringsten Raum ein und ist dennoch von allergrößter Wichtigkeit. Das gilt für die Mathematik oder die Musik ebenso wie für das hier in den Mittelpunkt gerückte Phänomen Schriftsprache. Ausgehend von der Praxis in frühen griechischen und römischen Zeugnissen wird die Geschichte der Punktsetzung bis in die Moderne hin verfolgt. Dabei wird deutlich, dass selbst heute die Handhabung des Punktes als Satzschluss- bzw. Abkürzungszeichen keineswegs problemlos ist. Der Beitrag schließt mit einem kurzen Blick auf die stilistische Rolle der Punktsetzung.

Among all the graphic symbols the dot is the most insignificant but nonetheless extremely important. This applies to mathematics or music as well as to the phenomenon of written language which is focused upon here. Starting with the practice in early Greek and Roman writings the history of using full-stops is being pursued up until the modern age. In doing so it becomes evident that even today the use of a full-stop to mark the end of a sentence or an abbreviation is by no means without problems. The contribution closes with a look at the stylistic role full-stops can play.

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