Seit wann heißen die Olympischen Spiele Olympiade?

[F] Allgemein wird ja heute Olympiade im Sinne von ›Olympische Spiele‹ gebraucht, doch eigentlich ist dies doch falsch, insofern das Wort einen Zeitraum von vier Jahren bezeichnet, vgl. Dekade ›zehn Jahre‹. Seit wann gibt es denn diesen Wortgebrauch?

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[A] In früheren Jahrhunderten war Olympiade im Sinne ›Zeitraum von vier Jahren‹ allgemein geläufig, jedenfalls in der Bildungssprache, und man verstand den Ausdruck als Zeitrechnung und begriff darunter also auch bestimmte Jahre. So heißt es z. B. bei Goethe in seiner Farbenlehre: »Um die neunzigste Olympiade scheint sich die Malerei bis zur Selbständigkeit emporgearbeitet zu haben«, und bei Hegel heißt es etwa (Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie): »Heraklit, um die 70. Olympiade (500 v. Chr.) berühmt, war ein Epheser«.

Als Verdeutschungsformen für Olympiade kursierten seinerzeit Vierjahr (von Campe vorgeschlagen) und Jahrviert (in manchen älteren Fremdwörterbüchern, analog zu Jahrzehnt). Herders Conversations-Lexikon (1854–1857) gab unter dem Stichwort Olympiade diese Erläuterung: »Zeitabschnitt von 4 Jahren, von einer Feier der olympischen Spiele bis zur anderen; darauf gründete sich die Zeitrechnung der alten Griechen, welche als Ausgangspunkt das Jahr 776 v. Chr. annahmen.« Diesem Brauch folgte man in Griechenland offenbar bis 394 n. Chr.

Der Wandel im Wortgebrauch hat sich im Zusammenhang mit den modernen Olympischen Spielen ergeben, die ja seit 1896 stattfinden. Die ersten Belege, soweit ich sie in den Wörterbüchern und Lexika auffinden konnte, sind diese: Der Große Brockhaus (Band 13) vermerkt 1932 drei Teilbedeutungen von Olympiade: »1) bei den alten Griechen ein Zeitraum von vier Jahren … 2) Im neuen Griechenland die von der Regierung veranstalteten Ausstellungen von Weinen. 3) Bisweilen auch Bezeichnung der Olympischen Spiele.«

Entsprechend Richard Pekrun in seinem Wörterbuch Das deutsche Wort 1933 und der Sprach-Brockhaus aus dem Jahr 1935: »Olympia, die Olympiade …, die Olympischen Spiele, alle vier Jahre stattfindende Sportkämpfe«. Der Rechtschreib-Duden reagierte ab 1941 auf den neuen Wortgebrauch und nahm den Zusatz auf: »jetzt: die Olympischen Spiele«.

Die Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins, quasi die Vorgängerin des Sprachdienstes, enthält indessen noch einen früheren Beleg. Schon 1914 (Heft 11), anlässlich einer Diskussion über die Bezeichnung Olympia, wird von Konrad Eilers erwähnt, dass »zur Bezeichnung der olympischen Spiele, d. h. der einzelnen Veranstaltungen (z. B. die Olympiade 1912 in Stockholm, 1916 in Berlin usw.)« neben Olympia und Olympien auch der Ausdruck Olympiade gebraucht werde, so »ungeeignet« er an sich sei.


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