Ausgabe: Der Sprachdienst 1/2019

Schimpfwörter der deutschen Sprache

Zum Buch

Von Arschgeige bis Wuchtbrumme. Die 333 lustigsten Schimpfwörter
Duden, 2015
80 Seiten, ISBN: 978-3-411-71147-5

Lusche!, Döskopp!, Warmduscher! Unsere Sprache ist reich an wunderbaren Schimpfwörtern. Viele sind uns geläufig – doch wissen Sie, was eine kesse Motte ist? Oder was sich hinter der Bezeichnung Otto Normalverbraucher versteckt? Kennen Sie vielleicht eine Kodderschnauze, einen Verbalerotiker oder einen richtigen Wadenbeißer?

Dieses Buch umfasst 333 Schimpfwörter aus verschiedenen deutschsprachigen Regionen, darunter allgemein bekannte, beinahe vergessene oder kreativ neugeschöpfte und erklärt uns mit viel Humor ihren Entstehungshintergrund.
Eine kuriose Lektüre zum Schmökern und Staunen und ein perfektes Geschenk für alle Zankhähne und Lästermäuler!

Dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache von der allgemeinen Vorstellung abweichen kann, belegt die Malediktologie (Schimpfwortkunde). Auch wenn Schimpfwörter kritisch zu betrachten sind, eignen sie sich dennoch sehr gut, um sprachliche Phänomene zu beschreiben. Da sie zudem zum alltäglichen Sprachgebrauch dazugehören, hat der Duden ihnen ein Buch gewidmet: »Von Arschgeige bis Wuchtbrumme – Die 333 lustigsten Schimpfwörter«. Das kleine Büchlein bietet den Vorteil, dass man es überallhin mitnehmen kann – was aber nicht bedeutet, dass man das Gelernte sofort anwenden sollte. Die Schimpfwörter wurden im klassischen Wörterbuchstil alphabetisch geordnet, mit dem Unterschied, dass sich entgegen den üblichen Duden-Wörterbüchern Zeichnungen finden, die das Gesamtbild auflockern. Das charakteristische Duden-Gelb ist erhalten geblieben und findet sich auf jeder der 80 Seiten. Untypisch ist jedoch der Hinweis zur Anwendung des Gelernten: So sollte man immer darauf bedacht sein, das Gegenüber nicht zu verletzen.

Die Begriffserklärungen sind sehr unterhaltsam, verlieren dennoch nicht den Anspruch eines Wörterbuchs aus den Augen. Neben der Bedeutung wird häufig auch die Etymologie des Wortes dargestellt, z. B. Balg, das ursprünglich eine abgezogene (Klein-)Tierhaut bezeichnete und zur Herstellung von Blasebälgen genutzt wurde, aber auch der indogermanischen Wortfamilie für Ball entstammt. In seiner Form als Schimpfwort bezeichnet es heute hingegen ungezogene Kinder. Auch dialektale Einflüsse finden Eingang in das Wörterbuch und ermöglichen dadurch auch dem Muttersprachler eine Erweiterung des eigenen Horizonts. So gibt es im Deutschen verschiedene Ausdrücke für den Bettnässer, etwa die Beschimpfung Bettbrunzer im süddeutschen und die des Bettseichers im norddeutschen Raum. Doch auch die Bedeutung eines Ausdrucks kann regional variieren. Ist der Piefke in Berlin ein kleiner Junge, wird das Wort im Norddeutschen mit negativer Konnotation für Angeber und Wichtigtuer verwendet. Im Österreichischen wird Piefke gerne als Name für den (großmäuligen) Deutschen verwendet. Besonders interessant ist auch die lautmalerische Komponente von Schimpfwörtern, wie etwa in Kokolores.

Zu Beginn des Buches wird darauf hingewiesen, dass die Art des Schimpfens sehr viel über den Schimpfenden selbst preisgibt. Dies zeigt sich vor allem an den konträren Schimpfwörtern Frauenhasser und Frauenversteher. Für den Beschimpften wird es schwierig, das Mittelmaß zu finden, denn wer einen Grund zum Schimpfen sucht, wird ihn auch finden. Dieses Buch richtet sich somit an jeden potentiell Schimpfenden – also an jeden. Die unterhaltsamen Begriffserklärungen machen es zu einem interessanten Wörterbuch, leider geht vor allem bei bekannten Schimpfwörtern die eigentliche Bedeutung häufig unter. Das ist sehr schade, da vor allem Nicht-Muttersprachler Interesse an diesem Buch haben könnten und eventuell nicht verstehen, was die Geige mit dem Arsch gemein haben soll. Auch gibt es bis auf die dialektalen Prägungen keine Hinweise auf die Geläufigkeit der Schimpfwörter, was zu Verwirrungen führen kann, wenn man davon ausgeht, dass die Schimpfwörter der Allgemeinheit bekannt sein müssten. Lediglich bei einigen Beleidigungen wird darauf verwiesen, dass sie im allgemeinen Sprachgebrauch sehr häufig Anwendung finden (Beispiele hierfür dürfte jeder kennen). Alles in allem lässt sich jedoch feststellen, dass es sich um ein kurzweiliges Buch handelt, das anhand von Schimpfwörtern viele Phänomene der deutschen Sprache beleuchtet und so den ein oder anderen Leser eventuell dazu anregt, sich über Schimpfwörter hinaus mit dieser zu beschäftigen.

Carina Kiemes