Genus von Spam

[F] Welches Geschlecht hat eigentlich das schöne neue Wörtchen Spam? Spams machen uns ja ständig Arbeit und sind ärgerlich. In einem Beratungstext muss ich Spam mit dem Artikel verbinden. Meine Kollegen und ich sind nicht einer Meinung. Heißt es der Spam oder das Spam?

[A] Wie bei anderen Lehnwörtern aus dem Englischen (vgl. etwa Event) ist das Genus im Deutschen noch nicht sicher bestimmt, und der Sprachgebrauch schwankt. Bei Spam sind kurioserweise gleich alle drei Genera zu beobachten. Für mein Sprachgefühl jedenfalls ist Spam schon lange männlich.

Die einen denken an die Verbindung mit Mail, also Spam-Mail, und so wird Spam weiblich – ein Beispiel, das dem großen aktuellen Wortkorpus unter www.wortschatz.uni-leipzig.de zu entnehmen ist: »Die auflaufende Spam lassen Sie einfach verfallen« (Süddeutsche Online). So wäre Spam in diesem Fall ein Kurzwort.

Daneben wird hie und da Spam als Neutrum gebraucht – hier ebenfalls ein aktuelles Beispiel: »Trotzdem raten die Antispammer dazu, niemals auf ein Spam zu antworten« (Telepolis). In manchen modernen Wörterbüchern wird Spam denn auch neutral dargestellt – wobei hier ein Reflex der früher allgemein verbreiteten Bedeutung vorliegen könnte, denn mit Spam war Dosenfleisch, gewürztes Schweinefleisch gemeint, was seinerzeit von »der US-Firma Hormel Foods Corporation« hergestellt wurde, und von –fleisch lässt sich das Neutrum ja leicht herleiten. So jedenfalls stellt es Jürgen Abel in seinem Ratgeber Cyber Sl@ng dar (München 1999); der entsprechende Artikel vermeidet dabei aber die Genusfrage und gibt Spam generell ohne Artikel wieder. Wo liegt der Zusammenhang? Ein Sketch Monty Pythons, der in einem Imbissrestaurant spielt, so wird (nicht nur von Abel) überliefert, soll der Ursprung der Wortbildung Spam sein. Im besagten Imbiss gab es »Spam, bacon, sausage and spam«, »Spam, egg, spam, spam, bacon and spam«, »Spam, spam, spam, egg and spam«, »und folglich kein Entrinnen vor dem Fast-Food für arme Leute, dem Preßfleisch aus der Dose, das ekelhaft schmeckt und niemand freiwillig ißt. Den digitalen Wurfsendungen in Online-Postfächern ist ebensowenig zu entkommen wie dem Spam in diesem Imbiß, und das hat den Begriff geprägt.« (So Abel 1999, S. 98.) Bestätigt wird diese Deutung etwa durch das Oxford English Dictionary, 2005, in dem spam von sp(iced) (h)am abgeleitet wird unter Verweis auf jenen Sketch aus den siebziger Jahren (»… set in a cafe in which every item on the menu includes spam«). So gibt es also das ältere Wort Spam im skizzierten Sinne (übrigens auch Handelsname), neutralen Geschlechts, das in den letzten Jahren eine Bedeutungsentwicklung erfahren hat.

Schließlich aber wird Spam heute, und zwar mit Bezug zu den unerwünschten und lästigen Werbemails – sie werden ja auch Junkmails genannt – weithin als männlich gebraucht; auch hierzu einer der vielen Belege, die sich heutigen Pressetexten entnehmen lassen: »Der Spam lässt sich manuell durchsuchen: Schließlich könnte auch eine wichtige E-Mail durchs Raster fallen« (Süddeutsche Online). Mit dem Parallelausdruck Junkmail kommt das Maskulinum ins Spiel, denn Junk meint so viel wie ›Abfall, Müll, Trödel, Plunder‹ – alles männliche Substantive, und vielleicht hat dies den Ausschlag für den maskulinen Gebrauch gegeben.

So wird gegenwärtig zwischen der Spam und das Spam zu wählen sein, wie es etwa die Wahrig-Redaktion im Deutschen Wörterbuch (2006) tut.


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