Warum sagt man beim Anstoßen prost?

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[F] Zum Jahreswechsel stoßen viele mit dem Ausruf »Prost Neujahr!« an. Was heißt das eigentlich – prost? Und warum wird das o lang gesprochen? Nach hiesigen Ausspracheregeln müsste es doch eigentlich kurz ausgesprochen werden.

[A] Schon seit dem frühen 18. Jahrhundert ist die Wunschformel »Prosit!« bzw. kurz »Prost!« beim Anstoßen weit verbreitet. Das Wort selbst stammt aus dem Lateinischen und bedeutet ›es möge nützen, es möge zuträglich sein‹ (zu lateinisch prodesse ›nützen, zuträglich sein‹). Dass prost aus prosit verkürzt wurde, ist der Grund, warum das o auch bei prost lang gesprochen wird.

Seinen Ursprung hat dieser Trinkspruch in der Studentensprache. An Universitäten war es schon im 15. Jahrhundert üblich, den sogenannten »Doktorschmaus« abzuhalten. Dabei brachten die zu prüfenden Studenten Wein und Konfekt für ihre Prüfer mit, die beides während des Rigorosums, des mündlichen Examens, verzehrten. Ihrem Prüfling wünschten sie dabei »Prosit!«. Nach und nach etablierte sich die Wunschformel beim Zutrinken auch in der Allgemeinsprache und mit zuprosten bildete sich sogar ein Verb heraus.

Auch ironisch wird das Wort prost verwendet: Na, dann prost! steht seit dem 19. Jahrhundert für etwas Unangenehmes, das bevorsteht, aber nicht geändert werden kann (im Sinne von »wir können es nicht ändern, also können wir auch weitertrinken«). Prost Mahlzeit! dagegen ist seit etwa 1900 ein Ausdruck der Ablehnung, der aus einem Abschiedsgruß beim Verlassen einer Tafel entstanden ist: »Prost die Mahlzeit!«

Übrigens: Will man nach Knigge alles richtig machen, sollte man heute beim Anstoßen besser »Zum Wohl!« oder »Wohl bekomm’s!« wünschen.

Internationale Wunschformeln beim Anstoßen

  • Brasilien: Tim-Tim!, Saúde!
  • Chinesisch: Ganbei!
  • Englisch: Cheers!
  • Finnisch: Kippis!
  • Französisch: Á votre santé!
  • Griechisch: Jamas!
  • Italienisch: Cin Cin!, Salute!
  • Japanisch: Kanpei!
  • Polnisch: Na zdrowie!
  • Portugiesisch: Saúde!
  • Schwedisch: Skål!
  • Spanisch: Salud!
  • Ungarisch: Egészségéré!
  • Thaliändisch: Chokdee!
  • Türkisch: Serefe!

Quellen:

Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 4. Aufl. Mannheim 2012.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg 1992.
Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache. Stuttgart 1982.