Ausgabe: Der Sprachdienst 1/2011

Was bedeutet der Namensbestandteil Gai-/Gau- z. B. im Ortsnamen Gaimühle?

[F] In meiner Stadt gibt es eine Mühle mit dem Namen Gaimühle. Woher stammt dieser Name?

[A] Gaimühle ist der amtliche Name einer Mühle bei Eberbach-Friedrichsdorf und einer bei Rosenberg sowie der Name des kleinsten Stadtteils Eberbachs.

Sowohl Eberbach als auch Rosenberg sind Städte in der Umgebung von Heidelberg, nähere Informationen bezüglich der Mühlen scheinen sich aber nur zur Eberbacher Mühle finden zu lassen.

Die Bezeichnung Gaimühle lässt sich unterschiedlich ableiten. Vermutlich stammt der Name Gai von dem Müller Johann Georg Gaimann (Geymann), der 1818 die Mühle errichtete. Somit ist die Sage vom »Müller Gai«, der die Mühle bereits 1726 erbaut haben soll, zumindest teilweise belegt (vgl. Rüdiger Lenz, »Mühle – Kolonie – Stadtteil. Geschichte der Gaimühle«, In: Eberbacher Geschichtsblatt 100 (2001), S. 71–81).

Zu der stillgelegten Mahl- und Schneidemühle bei Eberbach lässt sich zum einen auf die in einer Sage auftretende Gaamühle verweisen – eventuell ist hier ein und dieselbe gemeint –, deren Name von dem Familiennamen Gaa abstammen könnte. Zum anderen wird hierzu bei Ernst Ochs, »Badisches Wörterbuch«, Lahr/Schwarzwald 1942–74, auf Gaiberg verwiesen. Dies ist ein Dorf bei Heidelberg, wobei Gai in diesen Fall, neben der allgemeinen Bedeutung eines »offenen, fruchtbaren Landes«, vor allem »Landschaft westlich von Heidelberg« bedeutet.

Die gleiche Bedeutung wie Gai trägt auch Gäu beziehungsweise Gau, etwa bei der Stadt »Gau-Algesheim« in der Nähe von Mainz. Die Grundbedeutung von Gäu ist »Landschaft am Wasser«, weitere sind unter anderem »Ortschaften in der Ebene zwischen Mannheim und Heidelberg, Landschaft östlich der mittleren Tauber« sowie »Gebiet, wo man einkauft als Händler, Metzger, Viehjude« und »Gebiet, wo man ohne störenden Wettbewerb Geschäfte machen kann« (Ernst Ochs, »Badisches Wörterbuch«).

Bei dieser Erklärung kommen wir zurück zum »Müller Gai«. Überprüft man nun die Bedeutung des Müllernamens, lässt sich Folgendes herausfinden: So ist Geymann eine »durch Entrundung entstandene Form von Gaumann«. Der Familienname Gaumann beziehungsweise Gäu-/Gaymann bedeutet »Bewohner des offenen Landes (im Gegensatz zum Städter, Bergler oder Burgsassen)« (Josef Karlmann Brechenmacher, »Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Familiennamen«, Limburg a. d. Lahn 1957; und Duden, »Familiennamen «, Mannheim 2005).

So lässt sich abschließend vermuten, dass die Gaimühle zum einen ihren Namen ihrem Erbauer, dem Müller Gaimann bzw. Geymann, verdankt, dessen Herkunft sich bereits durch seinen Namen zeigt. Zum anderen weist der Name der Gaimühle aber auch auf die Landschaft hin, in der sich die Mühle befindet.


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