Ethischer Dativ

[F] In unserem Filmstudio kam bei einer Synchronisation die Frage auf, ob das mir im Satz »Ich bin mir nicht zu stolz, diesen Fehler zuzugeben« stehen muss oder nicht?

[A] Prinzipiell geht hier beides. Um das Vorkommen von mir genauer zu erklären, sollten grammatische und stilistisch-kommunikative Aspekte einbezogen werden.

In einschlägigen Fachbüchern, z. B. Gerhard Helbig/Joachim Buscha, Deutsche Grammatik, Ein Handbuch für den Ausländerunterricht (Langenscheidt, 2001, S. 265), werden diese Formen als »ethischer Dativ/Dativus ethicus« oder »Dativ der emotionalen Anteilnahme« beschrieben. Verwendung finden sie besonders in Mahnungen wie »Fall mir nicht hin.« oder in ironischen Bemerkungen »Du bist mir der Rechte.« (Duden, Die Grammatik, 7. Aufl., 2005, S. 828). Im Unterschied zu den vom Verb zwingend geforderten Dativobjekten wie in dem Satz »Gib mir bitte das Buch« werden diese freien Dative unter bestimmten Bedingungen verwendet. Sie können in einzelnen Dialekten oder Altersgruppen gehäuft auftreten, bewirken aber vor allem – wie die Beispiele zeigen – eine emotionale Verstärkung der Aussage.