Die Geschichte der Gesellschaft für deutsche Sprache

1947 Am 10. Januar wird die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Lüneburg gegründet. Zum ersten Vorsitzenden wird der Jurist Max Wachler gewählt. Vom Deutschen Sprachverein (DSV), vormals Allgemeiner Deutscher Sprachverein (ADSV), erhält die GfdS eine umfangreiche Bibliothek.
1948 Im Juni findet die erste Hauptversammlung der GfdS in Lüneburg statt. Es gibt sieben Zweige und 130 Mitglieder. Im Oktober sind es schon 15 Zweige und 1000 Mitglieder.
1949 Das erste Heft Muttersprache erscheint, eine Zeitschrift zur Pflege und Erforschung der deutschen Sprache (59. Jahrgang), die zuvor vom DSV herausgegeben wurde. Herausgeber der Zeitschrift mit neuer inhaltlicher Ausrichtung ist nunmehr der Vereinsgründer der GfdS Max Wachler. In diesem Jahr beträgt die Auflage 850 Exemplare.
1951 Die Fingerzeige für die Gesetzes- und Amtssprache werden in 5. Auflage publiziert; Ende des Jahres sind 27.000 Exemplare verkauft. Die Fingerzeige sind zu dieser Zeit noch ein schmales Heft, gedruckt in Fraktur; 1998 erscheint die 11. Auflage.
1952 Von der GfdS wird ein Vorläufer des Sprachdienstes als Anhang zur Muttersprache herausgegeben. Sein Name: Der Sprachfreund. In diesen Blättern zur Pflege der deutschen Sprache findet man kleine Artikel zu damals aktuellen sprachlichen Themen und Problemen.
1955 Der Zweig Wiesbaden wird gegründet. Leo Weisgerber hält den Festvortrag: Dienst an der Sprache. Daraus geht später der Zeitschriftentitel Der Sprachdienst hervor.
1957 In Hannover wird der Förderkreis (damals noch Fördererkreis) der Gesellschaft für deutsche Sprache gegründet. Konrad Adenauer, Walter Hilpert (Intendant des Norddeutschen Rundfunks) und Hermann Kasack (Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt) gehören zu den Unterzeichnern der Gründungsurkunde.

Das erste Heft der Mitgliederzeitschrift der GfdS Der Sprachdienst erscheint im Oktober. Dort sollen sprachwissenschaftliche Fragen so beantwortet werden, dass sie für die sprachlich interessierte Öffentlichkeit verständlich und interessant sind.

1962 Die GfdS richtet eine Namenberatungsstelle ein. Vornamenberater wird Wilfried Seibicke, sein bedeutendstes Werk: das Historische Deutsche Vornamenbuch (1996–2007), das von der GfdS herausgegeben wird. Später erarbeitet der Sprachwissenschaftler Horst Naumann für die GfdS Familiennamen-Gutachten. Er verfasst u. a. Das große Buch der Familiennamen.
1965 In diesem Jahr zieht die GfdS auf Vorschlag des damaligen Geschäftsführers Otto Nüssler nach Wiesbaden um und befindet sich seither an zentraler Stelle im deutschen Sprachraum.
1966 Eugen Gerstenmaier, Präsident des Deutschen Bundestages, setzt in Bonn einen von der GfdS geleiteten Redaktionsstab beim Deutschen Bundestag ein, mit dem Ziel die Gesetzessprache langfristig verständlicher zu machen. Eine telefonische, schriftliche und persönliche Sprachberatung wird für Bundestag und Bundesrat (jetzt in Berlin) angeboten.
1967 Der Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute (AsKI) wird gegründet, die GfdS ist Gründungsmitglied. Seither gibt es eine enge Zusammenarbeitet mit dem AsKI.
1978 Erstmals werden die Wörter des Jahres bekannt gegeben und es wird die Liste der beliebtesten Vornamen veröffentlicht.
1987 Zum ersten Mal wird der Medienpreis für Sprachkultur verliehen, ein Sprachpreis mit dem Personen und Redaktionen ausgezeichnet werden, die sich in den Medien um die deutsche Sprache verdient gemacht haben.
1989 Mit dem did deutsch-institut wird eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Die Zusammenarbeit dient bis heute der Förderung der deutschen Sprache im In- und Ausland und sichert für ausländische Jugendliche und Erwachsene ein qualitativ hochwertiges Angebot von Sprach- und Kulturprogrammen.
1991 Horst Dieter Schlosser initiiert als Vorsitzender des GfdS-Zweiges Frankfurt am Main die Aktion Unwort des Jahres. Ab 2011 wird diese Aktion durch Nina Janich weitergeführt.
1992 Der erste GfdS-Zweig wird in den neuen Bundesländern gegründet, in Leipzig.
1993 Karin M. Frank-Cyrus (jetzt Eichhoff-Cyrus) übernimmt (nach Oskar Buchmann, Wilfried Seibicke, Otto Nüssler und Hans Bickes) als erste Frau die GfdS-Geschäftsführung.

In diesem Jahr erteilt das Bundesministerium der Justiz der GfdS den Auftrag für mehrere sprachliche Gutachten zur Gesetzessprache.

1994 Zum ersten Mal wird in Verbindung mit dem Medienpreis für Sprachkultur der Alexander-Rhomberg-Preis, ein Förderpreis für Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten, verliehen.
1998 100 Wörter des Jahrhunderts werden unter Mitarbeit der GfdS von einer prominenten Jury ausgewählt und durch Film, Funk und Publikationen der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Initiator ist der Journalist und Redaktionsleiter von 3Sat Kulturzeit Armin Conrad.
2003 Die GfdS ist Gründungsmitglied des Deutschen Sprachrats, dem außerdem das Goethe-Institut (GI) und das Institut für deutsche Sprache (IDS) angehören. Später kommt der DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) hinzu.
2007 Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Tongji-Universität in Shanghai veranstaltet die Deutsche Fakultät in Zusammenarbeit mit der GfdS und der Fritz-Thyssen-Stiftung ein internationales Symposion zum Thema »Modernisierung der Germanistik in chinesisch-deutscher Perspektive«.

In Halle an der Saale würdigt Albrecht Greule beim Symposion »Verständlichkeit als Bürgerrecht? Die Rechts und Verwaltungssprache in der öffentlichen Diskussion« das 60-jährige Jubiläum der GfdS mit einem Festvortrag: »Zwischen Sprachgesellschaft, Sprachverein und Sprachrat. 60 Jahre Gesellschaft für deutsche Sprache«.

In Luzern findet zusammen mit dem Schweizerischen Verein für die deutsche Sprache (SVDS) eine Tagung zum Thema »Deutsch und deutlich – Deutsch in der Schweiz und in Europa« statt.

2008 Mit dem Institut für Demoskopie Allensbach führt die GfdS eine repräsentative Umfrage »Wie denken die Deutschen über ihre Muttersprache und über Fremdsprachen?« durch, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sprachrat.

In Brüssel veranstaltet die GfdS in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sprachrat und dem Goethe-Institut ein internationales Symposion zum Thema »English only? Was wird aus Deutsch und den anderen europäischen Sprachen?«

2009 Die GfdS veröffentlicht eine repräsentative Umfrage zur Behördensprache »Wie denken die Deutschen über die Rechts- und Verwaltungssprache?«, durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach, in Zusammenarbeit mit dem AsKI und dem Zentrum für Rechtslinguistik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Von der Stadtverwaltung Wiesbaden erhält die GfdS den Auftrag, in einer gemeinsamen Projektgruppe Leitsätze für eine bürgerfreundliche Verwaltungssprache zu erarbeiten: »Klartext in Wiesbaden. Leitsätze zur bürgernahen Amts- und Verwaltungssprache«.

2010 Andrea-Eva Ewels wird Geschäftsführerin der GfdS.

Mittlerweile unterhält die GfdS weltweit insgesamt 107 ehrenamtlich geleitete Zweige auf vier Kontinenten in 39 Ländern und ist in Deutschland in allen Bundesländern vertreten.

2012 Ein von der GfdS geleitetes internationales Symposion in Tel Aviv befasst sich mit dem Thema »Deutsch in Israel«.
2013 Vom Institut für Demoskopie Allensbach lässt die GfdS eine repräsentative Umfrage zu den »Motiven der Vornamenwahl« durchführen. Mit über 100.000 verschiedenen Vornamen und weit mehr als einer Million Einzelnachweisen besitzt die GfdS die umfangreichste digitale Vornamensammlung in Deutschland.
2014 Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls veröffentlicht die GfdS eine Forsa-Umfrage zum Thema »Der Berliner Dialekt in der Einschätzung der Bürger der Stadt«.
2015 Peter Schlobinski wird Vorsitzender der GfdS (nach Armin Burkhardt, Rudolf Hoberg, Günther Pflug, Siegfried Fröhlich, Hans Schäfer, Hans Steinmetz, Walter Hensen und Max Wachler).

Die Geschichte der Gesellschaft für deutsche Sprache. Bearbeitet von Uwe Förster, Andrea-Eva Ewels und Lutz Kuntzsch.