29. Juni 2018

12. Kriegsmetaphern im Fußball

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Haben Sie schon einmal von Bombardierungen des Fußballtors gelesen oder vom Spiel- als Schlachtfeld, auf dem die Spieler wie Panzer auf den Feind zurollen?

Peter Schlobinski (2016) stellt fest, dass Kampf und Krieg im Fußball zu den größten Spenderbereichen für Übertragungen und Metaphern zählen. Zur Verdeutlichung führt er einige Zitate auf:

  • »[…] aber die Veltheimer haben Elan und sind lokalpatriotisch veranlagt: der Ehrgeiz wird sie aufstacheln zu zeigen, daß man auch ohne Kanonen schießen kann.« (Kicker 12/1920: 309)
  • »Das Tor der Spurs wurde in der zweiten Hälfte geradezu bombardiert […].« (Kicker 12/1920: 311)
  • »Fast alle Favoriten sind geblieben; nur […] mußten in der Jugendblüte sterben!« (Kicker 12/1920: 312)
  • »Mit einer großen Beruhigung sieht der Anfänger einer ›harten‹ Mannschaft auf das Schlachtfeld, denn er weiß, daß die Seinen aus der gestählten Kampfmoral heraus stets bereit sein werden, über ihr Können ein Wunder zu vollbringen […]. Eine gute Mannschaft soll […] Ausdauer und Willen zum Durchhalten haben.« (Führer durch die Sportsprache, 1936: 6-7)
  • »Das Ausland, das kürzlich noch die ›deutschen Panzer weinen‹ sah, hört sie nun schon wieder rollen […].« (Der Spiegel, 10.07.2000).
  • »Deutsche Panzer auf unserem Weg. Deutschland hat auch das dritte Gruppenspiel gegen Dänemark gewonnen.« (Live Sport [GR], 18.06.2012)
  • »Der Panzer ist wieder unaufhaltsam. Es war eine Draxler-Show mit Spielzügen, die selbst Zinedine Zidane unterzeichnet hätte.« (El Mundo Deportivo, HAZ vom 28.06.2016, S. 20)

Es wird deutlich, dass sich die Fußballsprache vieler militärischer Phrasen bedient. Tatsächlich existieren auch grundlegende Ähnlichkeiten zwischen einem Fußballspiel und einem Kampf: Es stehen sich zwei gegnerische Mannschaften gegenüber, taktisch klug gewählt und auf dem Platz aufgestellt, geführt von einem Feldherrn und begleitet von einer parolenrufenden Menschenmenge. Die Mannschaften haben das Ziel, einander zu besiegen, was sowohl durch schnelles Angreifen als auch durch das Schützen (Defensive) bewerkstelligt wird. So ist es nicht verwunderlich, dass uns früher oder später auch Wörter wie Granate, Bomber und Panzer über den Weg laufen, wenn wir uns mit der Fußballsprache beschäftigen.

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Quelle:

Schlobinski, Peter (2016): Präsentation zum Vortrag »Sprache und Fußball« vom 8. Juli 2016 im GfdS-Zweig Wiesbaden.


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