Gibt’s das auch auf Deutsch?

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Was spricht eigentlich dagegen, englische Wörter bei uns einfach durch deutsche zu ersetzen? Tatsächlich gibt es da einige Argumente, denn oft hat ein Fremdwort eine zusätzliche Bedeutung, die den beschriebenen Sachverhalt oder Gegenstand nuancierter beschreibt oder eine andere Assoziation hervorruft aals ein an seine Stelle gesetztes deutsches Wort. Ein Skateboard ist nun mal nicht einfach durch Rollbrett zu übersetzen, denn es ist viel mehr als nur ein Brett auf vier Rollen. Zusammen mit dem Brett kam ein ganzes Lebensgefühl, ein Kleidungsstil und vieles mehr – und all das transportiert auch sein Name. Ersetzt man das »fremde« Wort also einfach durch einen deutschen Ausdruck, geht diese zusätzliche Bedeutung verloren. So ist es zum Beispiel ein Unterschied, ob ich eine Runde joggen gehe, oder einen Dauerlauf mache, denn mit Joggen ist nicht nur die sportliche Betätigung selbst gemeint, es stellt auch eine Form von Ausgleich zum Alltag dar, während man einen Dauerlauf eher einmal hinlegt, um es noch rechtzeitig zur Haltestelle zu schaffen, bevor die Straßenbahn einem vor der Nase wegfährt. Das Wortfeld um den Ausdauersport hat durch das Joggen also in stilistischer und inhaltlicher Hinsicht eine Bereicherung erfahren.

Kritik am übermäßigen Gebrauch von Fremdwörtern ist nicht neu. Einen ersten Höhepunkt dieser »Sprachpflegebewegung« gab es bereits im 17. Jahrhundert, mit dem »Palmenorden«, einer Sprachgesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die »Hochdeutsche Sprache« zu fördern und als Nationalsprache durchzusetzen. Seitdem wurde immer wieder versucht, Fremdwörter einzudeutschen, also durch deutsche Wörter zu ersetzen. Teilweise setzten sich die deutschen Wörter – zumindest als Alternative zum Fremdwort – durch, wie Bücherei für Bibliothek, fortschrittlich für progressiv oder Augenblick für Moment. Oftmals konnte das gewählte deutsche Wort sich aber nicht halten und kommt uns heute eher belustigend vor. Oder würden Sie das Lotterbett dem Sofa, den Tageleuchter dem Fenster oder einen Meuchelpuffer einer Pistole vorziehen? Und wussten Sie, dass Gesichtserker ein ernstgemeinter Vorschlag für Nase war?

Natürlich kann und soll der übertriebene Gebrauch von Fremdwörtern kritisch gesehen werden. Wenn sie z. B. in der Werbung gezielt zur Manipulation eingesetzt werden, Themen absichtlich verharmlosen (Reduzierung der Kosten statt Entlassung), versachlichen (Suizid statt Selbstmord) oder aufbauschen wollen oder nur der Demonstration der (angeblichen) eigenen Bildung und damit einhergehenden Überlegenheit dienen sollen (Call statt Telefonkonferenz), dann ist Vorsicht geboten. Auch können durch Bezeichnungen, die nur für eine bestimmte Gruppe verständlich sind, gezielt Menschen ausgeschlossen werden. Oft entsteht beispielsweise bei juristischen Themen oder solchen, die den Finanzmarkt betreffen, der Eindruck, als sollten sie von Laien überhaupt nicht verstanden werden.

Ob wir sie nun gut finden oder nicht, Fremdwörter werden uns weiterhin begleiten. Wir hoffen, dass unsere Beiträge zu Anglizismen und Fremdwörtern allgemein ein paar der häufigsten Fragen beantworten konnten. Eine gute Strategie ist immer, den eigenen Sprachgebrauch kritisch zu betrachten und sich bewusst zu machen, warum man ein bestimmtes Wort in einem bestimmten Kontext wählt oder es eben gezielt vermeidet.

Quellen

Brockhaus, Wahrig Fremdwörterlexikon, Gütersloh/München 2012
Duden, Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle, Berlin 2016
Duden, Sprache in Bildern, Berlin 2018

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