Kartoffel, Grumbeere, Erdapfel – warum gibt es so viele Ausdrücke für die Knolle?

[F] Warum werden eigentlich Kartoffeln mundartlich mal mit Birnen (Grundbirne, Grumbire, Grumbeere etc.) oder mit Äpfeln (Erdapfel, Härdapfel u. a.) verglichen bzw. assoziiert?

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[A] Seit die Kartoffel nach Europa kam (etwa um die Mitte des 16. Jahrhunderts; nach Deutsch­land kam die erste Kartoffel gegen 1590, wurde dort jedoch zunächst nur wegen ihrer Blüten gezüchtet), wurden ihr verschiedene Bezeichnungen zuteil, von denen sich Kartoffel in Deutschland als häufigste Bezeichnungsart durchgesetzt hat. Daneben gibt es u. a. die erwähnten Benennungen Erdapfel und Grundbirne, die vor allem regional und in verschiede­nen Varianten geläufig sind. Wie also haben sich diese Ausdrücke entwickelt?

Die Bezeichnung Kartoffel geht auf das italienische tartufo, tartufolo zurück, das sich zunächst nur auf Trüffel bezog. Durch eine Verwechslung – beide Früchte wachsen in der Erde und sind sich in ihrer Knollenform auch äußerlich recht ähnlich – wurde der Name schließlich auch für die Kartoffel verwendet (vgl. »Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden«, Mannheim 2006). Von Italien aus verbreitete sich die Kartoffel als Nahrungsmittel schließlich über die Schweiz und Südfrankreich bis nach Deutschland und brachte ihre Benennung mit.

Die Bezeichnung Erdapfel ist bereits deutlich älter als die heute landschaftlich so bezeichnete Kartoffel. Laut »Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache«, Berlin 2011, wurde sie bereits im 11. Jh. aus dem Lateinischen (dort malum terrae) durch eine Lehnübersetzung ins Mittelhochdeutsche übernommen. Der Ausdruck malum terrae, im Deutschen also ›Erdapfel‹, bezeichnete zu dieser Zeit generell Früchte, die im oder auf dem Boden wachsen, etwa Melonen, Kürbisse oder Gurken.

Als dann die Kartoffel nach Europa kam, wurde die Bezeichnung auch auf sie übertragen, nicht nur in Deutschland, sondern in weiten Teilen Europas. So heißt sie noch heute in Frankreich pomme de terre, in den Niederlanden aardappel und in Österreich ebenfalls Erdapfel. Nach dem »Wortatlas der deutschen Umgangssprache« von Jürgen Eichhoff (München 2000) ist diese Bezeichnung im deutschen Sprachraum vor allem im südwestlichen Deutschland und in Österreich gebräuchlich, ebenso in Teilen des Erzgebirges und des Ruhrpotts; in der Schweiz spricht man je nach Gebiet u. a. von Härdöpfeln, Härdepfeln oder sogar Häär(e)pfeln.

Doch nicht nur die Kartoffelknolle kam nach Europa, auch andere Knollen wurden mitgebracht und angebaut, so zum Beispiel die Topinambur, die runder ist als die Kartoffel. Vor allem für sie wurde die Bezeichnung Erdapfel verwendet. Um sie von der Kartoffel zu unterscheiden, nannte man diese in einigen Regionen bald Erdbirne – im Kontrast zum Erdapfel und aufgrund der länglicheren Form der Kartoffel. Gerade im Gebiet der Pfalz, Badens und des Saarlandes wird jedoch die Erde häufig als Grund bezeichnet, so dass sich in diesem Gebiet seit dem 18. Jahrhundert die Bezeichnung Grundbirne (oder Grumbeere, Grumbire, Gromper etc.) statt Erdapfel bzw. Erdbirne durchsetzte.

Tatsächlich haben sich diese landschaftlichen Bezeichnungen der Kartoffel doch stark territorial begrenzt gehalten und sich nicht im gesamten Sprachgebiet verbreitet. Dies kann viele Gründe haben, die einer umfangreicheren Untersuchung bedürfen würden.


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