Ausgabe: Muttersprache 1/2019

Muttersprache 1/2019

Simon Meier
Einzelkritiken in der Fußballberichterstattung. Evaluativer Sprachgebrauch aus korpuspragmatischer Sicht

Der Beitrag untersucht auf der Grundlage eines Korpus von knapp 30 000 Einzelkritiken von Fußballspielern mit korpuslinguistischen, datengeleiteten Methoden grammatische, lexikalische und textpragmatische Eigenschaften evaluativen Sprachgebrauchs. Die knappen Bewertungstexte, welche die ebenfalls vergebenen Noten erläutern und plausibilisieren sollen, lassen sich kontrastiv analysieren, um etwa lexikalische Mittel des Bewertens wie auch des Skalierens von Bewertungen und ihre Verteilung über die einzelnen Notenbereiche hinweg zu ermitteln. Die empirischen Befunde werden vor dem Hintergrund eines soziologisch orientierten Modells der Bewertungskonstellation in der Diskursdomäne der Fußballberichterstattung pragmatisch ausgedeutet und zeigen so, wie die für Fans geschriebenen Bewertungstexte möglichst objektiv formuliert werden und wie zugleich subtile subjektive Markierungen eingebracht werden können.

Based on a corpus of about 30.000 reviews of football players, this article analyses grammatical, lexical and pragmatic features of evaluative language use with data driven methods. The succinct reviews of the players’ performances, which shall explain and validate the assigned player marks, are analysed in a contrastive perspective in order to identify lexical means of evaluation as well as its scaling. Moreover, the distribution of these means over the single marks is determined. Against the background of a sociological model of evaluation constellations in the discourse domain of football coverage, the empirical findings are interpreted pragmatically. They show how the reviews, which are written for the fans, try to evaluate as objectively as possible and, at the same time, take subtle subjective stances.

Muzaffer Malkoç
Komposition in der deutschen und der türkischen Sprache. Eine kontrastive Analyse zur Wortbildung

Diese Arbeit vergleicht die Nominalkomposita im Deutschen und im Türkischen. Der Vergleichzeigt, dass die türkischen nominalen Zusammensetzungen wie im Deutschen binär strukturiert sind. Dabei ist das Zweitglied der grammatisch dominante Teil, der durch das erste Wort der Verbindung bestimmt wird. Im Gegensatz zum Deutschen kann das zweite Glied der türkischen Komposition die possessive Endung -i oder -si annehmen. Daneben wird sowohl in deutschen als auch in türkischen Komposita die erste Komponente der Determinativverbindungen, die zweite Komponente in den Kopulativverbindungen hervorgehoben. Ferner sind Komposita im Deutschen nach den geltenden Rechtschreibregeln zusammenzuschreiben, aber im Türkischen werden sie manchmal als ein Wort wie aslanağzı (›Löwenmaul‹), manchmal als zwei getrennte Wörter wie aslan ağzı (›Maul eines Löwen‹) geschrieben. Diese beiden Schreibweisen lassen die unterschiedlichen Bedeutungen derselben Zusammensetzung erkennen.

This paper compares the nominal compounds in German and in Turkish. The comparison shows that the Turkish nominal compounds are binary-structured as in German. The second word is the grammatically dominant part, which is determined by the first word of the compound. In contrast to German, the second noun of the Turkish composition can take the possessed ending -i or -si. Besides, in both German and Turkish compounds the first component of the determinant compounds is emphasized, the second component in the copulative compounds. In German, compound words are written together, but in Turkish they are sometimes written as one word like aslanağzı (›Snapdragon‹ = flower), sometimes as two separate words like aslan ağzı (›lion mouth‹). These two spellings reveal the different meanings of the same composition.

Jehona Kicaj und Theresa Sethmann
Populistische Sprache im Kampf um das Kanzleramt. Zum Sprachstil von Martin Schulz und Angela Merkel

Im Duell um das Bundeskanzleramt im Jahr 2017 wurde dem SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz oftmals ein populistischer Sprachgebrauch vorgeworfen – selten wurde jedoch erläutert, was dieser Vorwurf konkret bedeutet. Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht die Frage, welche sprachlichen Mittel der populistischen Sprache zugeordnet werden können und inwiefern diese in der Wahlkampfsprache der Bundeskanzlerkandidaten, Angela Merkel und Martin Schulz, nachgewiesen werden können. Dabei wurden fünf Kriterien herausgearbeitet, um die jeweiligen Kommunikationsstrategien in Facebook-Posts auf ihr populistisches Potenzial hin zu untersuchen. Die Analyse bezieht sich auf 80 zufällig ausgewählte Facebook-Beiträge, die unmittelbar vor dem Wahlkampf veröffentlicht wurden. Es zeigt sich, dass Martin Schulz tendenziell mehr populistische Sprachelemente nutzte als Angela Merkel, wobei hinzuzufügen ist, dass populistische Sprache nicht mit populistischen Inhalten gleichgesetzt werden darf.

In the duel for the Federal Chancellery in 2017, the SPD’s top candidate Martin Schulz was blamed for populist language use. This was despite the fact that no one could define populist parlance. The focus of the survey was to name criteria and to examine Facebook posts of the applicants for the Federal Chancellery for populist language use. In the process of this research, it was possible to outline five criteria for populist parlance. These criteria have been applied to 80 Facebook posts. The results show significant differences between the two chancellor candidates. Martin Schulz uses populist parlance far more than Angela Merkel. However, one should not confuse populist language with being a populist.

Linda Stark
Kommaontogenese und Kommadidaktik. Ein Vorschlag zur Überwindung bestehender Divergenzen mithilfe der Methode Productive Failure in der Sekundarstufe I

Schon in frei geschriebenen Texten von Schülerinnen und Schülern der 3. und 4. Klasse lassen sich Kommas finden, die zu einem Großteil der Norm entsprechen. Auffällig ist dieser Befund deshalb, weil eine didaktische Behandlung der Kommasetzung in der Grundschule kaum vorgesehen ist. Damit liegt die Vermutung nahe, dass die Kommasetzung deutscher Schülerinnen und Schüler zunächst ungesteuert und natürlichen Spracherwerbsprinzipien folgend induktiv einsetzt und zu einer impliziten Kommasetzung führt. Obwohl in den Sekundarstufen die Kommasetzung Teil des Curriculums ist, zeichnet sich bei Lernenden in höheren Klassenstufen sowie bei Studierenden eine aus der Normperspektive unzureichende Kommakompetenz ab.

Im vorliegenden Beitrag wird diskutiert, inwiefern die curriculare explizite Behandlung der Kommasetzung im weiterführenden Deutschunterricht an die frühe implizite Kommaentwicklung anknüpfen könnte, um den Bruch in der Kommakompetenzentwicklung zwischen Grund- und weiterführender Schule zu vermeiden und die Lernenden höheren Alters zu einer der Norm entsprechenden Kommasetzung zu führen. Zu diesem Zweck wird die in der internationalen Mathematikdidaktik erprobte Methode Productive Failure exemplarisch auf einen Kernbereich der deutschdidaktischen Kommabehandlung – das Satzgefüge – angewendet. In diesem Rahmen wird ergründet, inwiefern Interpunktionsgespräche dazu beitragen können, die vorhandenen impliziten Kommastrategien in eine explizite Kommakompetenz zu überführen.

Texts written by German third and fourth graders contain commas that correspond to a large extent to the norm. However, there are only few didactic approaches to the comma use in elementary school. This suggests that the comma use of German pupils starts inductively and follows natural principles of language acquisition. Although the use of the comma is part of the curriculum at secondary school pupils in higher grades and even students show an insufficient comma competence.

The article discusses how the explicit teaching of the comma in German classes at secondary school could take into account the early implicit use of the comma in order to prevent a rupture in the development of comma strategies and lead older learners to a comma use that corresponds to the norm. For this purpose, the teaching method productive failure tested in international studies of math classes is applied exemplarily to a core area of German comma didactics: the complex sentence. Within this framework, it is discussed to what extent punctuation conversations can contribute to transform the existing implicit comma strategies into an explicit comma competence.

Handan Köksal
Magisterarbeitsbetreuung im Umfeld der Sprachlernberatung. Retrospektive Ergebnisse aus der Universität Trakya

Im vorliegenden Beitrag wird der Magisterstudiengang »Deutschlehrerausbildung der Universität Trakya« im Umfeld der Sprachlernberatung vorgestellt. Er behandelt drei Fallstudien: Die erste Fallstudie umfasst das Seminar »Forschungstechniken«, die zweite das Produzieren der Magisterarbeit; die dritte richtet sich an Magisterstudierende mit Publikationsbedarf. Der/die Sprachlernberatende im Präsenzunterricht, der/die Betreuende der Magisterarbeit und der/die Sprachlernberatende für wissenschaftliches Schreiben werden im Hinblick auf das Rollenverständnis thematisiert. Die Untersuchung stützt sich auf dreierlei Datengruppen: Bei der ersten handelt es sich um eine Fragebogenstudie im Rahmen des selbstgesteuerten Lernens. Protokolle, die in Abhängigkeit der Betreuung der Magisterarbeit von dem/der Ratsuchenden und dem/der Betreuenden angefertigt wurden, bilden die zweite Sammlung. Die dritte basiert auf retrospektiven Evaluationsbogen der Magisterstudierenden, die die gesamte Sprachlernberatung auch durch das Publizieren vollzogen haben. Die von 2005 bis 2017 gesammelten Dokumente werden aus der Sicht der Autorin geschildert, die in allen drei Stadien intensiv mitgewirkt hat. Aus der Bewertung resultiert die Tendenz, dass Ratsuchende im Magisterstudiengang im Umfeld der Sprachlernberatung fächerübergreifende Kompetenzen entwickeln konnten.

The article presents the master course of German teacher training at the University of Trakya in the context of language learning advice. There are three main concepts presented in the article: The first concept includes seminar research techniques and the second concept outlines production process of the master’s thesis. The third one is dedicated to master students with publication needs. The language learning consultant in classroom environment, the supervisor of the master’s thesis and the language learning consultant for academic writing are discussed with regards to the understanding of these roles. The study is based on three data sets: the first is a questionnaire conducted in the context of self-directed learning. The second file consists of protocols which were prepared by the person seeking advice as well as the consultant, depending on the supervision of the master’s thesis. The third file is based on retrospective evaluation sheets of the master’s degree students, who have completed the entire language learning consultation by publishing. The documents collected from 2005 to 2017 are evaluated from the researchers’ point of view, who worked intensively in all three stages. The evaluation resulted in a tendency for those seeking advice to develop interdisciplinary competences in the area of language learning counseling in the master’s degree program.

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