Ausgabe: Der Sprachdienst 1-2/2020

Schwankende Schreibweisen bei Familiennamen

[F] Bei Sichtung der Einträge alter Kirchenbücher ist mir aufgefallen, dass die Schreibweise meines Familiennamens Göthel seit 1632 immer gleichgeblieben ist; nur gelegentlich werden statt des Umlauts ö die Vokale oe geschrieben. Vor 1632 wurde der Name allerdings mit d (Gödel) geschrieben und um 1596 mit t (Götel). Gibt es für diese Schwankung eine sprachwissenschaftliche Erklärung oder handelt es sich hier um persönliche Vorlieben der schreibenden Pfarrer?

[A] Die Familiennamen bildeten sich etwa im Mittelalter aus Beinamen heraus. Diese wurden damals nicht vererbt, entstanden im Laufe des Lebens, wobei sie auch wechseln konnten, und passten zur betreffenden Person; ein Beispiel wäre Heinrich der Hamburger. Zu dieser Zeit, zwischen Spätmittelalter und Früher Neuzeit, gab es noch keine strengen Vorschriften zur genauen Schreibweise der einzelnen Namen. Vielmehr schrieb jeder den Namen so, wie er ihn verstand, nach eigener Aussprache und Intuition, wodurch es für eine Person oft eine Vielzahl verschiedener ähnlicher Schreibweisen eines Familiennamen gab. Diese Tatsache vermerken auch Nübling/Fahlbusch/Heuser (2012: S. 145–146) in ihrem Werk Namen. Eine Einführung in die Onomastik:

»Der Gebrauch und v. a. die Schreibung der Familiennamen hat noch lange geschwankt, Letztere wurde erst am 01.01.1900 (mit Einführung der Standesämter) endgültig fixiert.«

Es stimmt also, dass die verschiedenen schriftlichen Einträge zu einem Familiennamen von den jeweiligen Schreibenden abhingen. Gerade die Varianz der Konsonanten d und t (genauso wie p b oder g k) findet sich in der Geschichte der Familiennamen sehr häufig. Das sieht man an Familiennamen wie Schröder Schröter, Bödeker Böddeker Böttcher, Dräger Träger, Diehl Thiel oder Götte Göthe Gödde, bei denen sich verschiedenste Schreibweisen durchsetzen konnten und heute nebeneinander im deutschen Sprachraum existieren.