Ausgabe: Der Sprachdienst 1-2/2020

Soße oder Sauce – woher kommen diese Wörter?

[F] Soße oder Sauce? Woher kommen die beiden Schreibweisen und welche sollte man verwenden?

[A] Das Wort Soße ahmt im Deutschen – mehr schlecht als recht – die Aussprache der mittelfranzösischen Form sausse nach. Die Übertragung des Ausdrucks ins Deutsche fand etwa im 15. Jahrhundert statt, es existierten Varianten wie Sosse, Soß oder Soos. Das französische Ausgangswort und auch die deutsche Entlehnung bezeichneten zunächst eine salzige Brühe; der Ursprung liegt im lateinischen Adjektiv salsus, was ›gesalzen‹ bedeutet. Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Ausdruck auch für nichtsalzige oder sogar süße Tunken verwendet.

Zwischen dem 18. und dem 19. Jahrhundert – die französische Sprache und Kultur war zu dieser Zeit besonders en vogue und sprachliche Entlehnungen aus dem Französischen erreichten einen Höhepunkt – tauchte dann die Variante Sauce im Deutschen auf. Sie wird seitdem weitestgehend parallel zum Ausdruck Soße verwendet, der Ausdruck Sauce hat sich aber als fachsprachlicher Terminus etabliert. Ausgesprochen werden die Wörter Soße und Sauce in der deutschen Standardsprache übrigens genau gleich: mit einem langen o und mit scharfem (stimmlosem) s-Laut im Wortinneren. Beide Ausdrücke können also mit gutem Gewissen verwendet werden, besonders in der gehobeneren Gastronomie dürfte aber die Sauce das Rennen machen. Der beinahe synonyme Begriff Tunke, der auf das althochdeutsche Wort thunkōn (›färben, eintauchen‹) zurückgeht, nimmt in seiner Verwendung immer stärker ab.