Ausgabe: Der Sprachdienst 5/2021

Vom meinen und bedeuten

CC-Lizenz

[F] Mir ist aufgefallen, dass das Verb meinen in letzter Zeit immer häufiger im Sinne von ›bedeuten‹ verwendet wird, z. B. Das Wort Ostern meint … Klar, Sprache wandelt sich und wir übernehmen vieles aus dem Englischen. Auch das meaning?

[A] Die Verwendung von Verben mit Bedeutungsvarianten aus anderen Sprachen ist ein Thema, das uns im Sprachkontakt oft beschäftigt. Im Duden (Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, 4. Aufl., Mannheim 2012) wird unter meinen die Bedeutung ›bedeuten‹ bislang nicht aufgeführt. Dort ist nachzulesen, dass meinen stets im Sinne von ›etwas glauben, etwas annehmen‹ gebraucht wird, z. B.: Er meint das ernst. Sie war anderer Meinung. Das Verb bedeuten hingegen wird verwendet, um etwas zu erklären oder zu interpretieren: Er hat wenig Geld. Das bedeutet, dass er keine Geschenke mehr kaufen kann.

Im Englischen stellt sich die Wortverwendung etwas anders dar: Das deutsche bedeuten wird durch das Verb to mean zum Ausdruck gebracht: This means nothing (vgl. z. B. Englisch- Deutsch-Wörterbuch, pons.de). Die beiden Wörter mean und meinen klingen zwar ähnlich, sind aber als sogenannte false friends (also: falsche Freunde) zu sehen, weil to mean im Deutschen eben nicht ›meinen‹ bedeutet.

Im Gegensatz zum Duden verzeichnet das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) die beiden Verben meinen und bedeuten als Synonyme (freilich: abgerufen knapp 10 Jahre nach dem Duden-Eintrag). Unter dem Eintrag meinen ist tatsächlich die seltene Verwendung dieses Wortes im Sinne von ›etwas bedeuten‹ zu finden, z. B.: Ein Satz ist nur sinnvoll, wenn er sachlich etwas meint (dwds.de).

Bei einem Blick in die Sprachgeschichte des Wortes Meinung lässt sich feststellen, dass sein Ursprung im mittelhochdeutschen meinunge liegt, was so viel bedeutet wie ›Sinn, Bedeutung; Gedanke‹. Die Bedeutung des Verbs bedeuten hingegen hat sich aus dem althochdeutschen Wort bithuiten entwickelt. Es umfasste beide Bedeutungen: ›meinen‹ und ›bedeuten‹ (vgl. dwds. de). Vielleicht ist es auf diese historischen Aspekte zurückzuführen, dass meinen heutzutage sowohl in der Alltagssprache als auch in der stärker normierten Standardsprache oft mit einer ganz ähnlichen Bedeutung wie bedeuten verwendet wird. Es könnte aber – wie in der Ausgangsfrage vermutet – auch sein, dass das Englische als Vorbild gedient hat und es sich hier ähnlich verhält wie bei der englischen Konstruktion to make sense, die wortgetreu als Sinn machen ins Deutsche übernommen wurde. Das Verb machen soll dabei so viel bedeuten wie ›haben‹ oder ›ergeben‹; üblicherweise wird es im Deutschen aber nicht so verwendet. Mit einer Ausnahme: in der Sprache der Mathematik. Dort macht zwei mal drei bekanntlich vier (und drei macht neune)! Eine Sache oder eine Angelegenheit kann von sich aus – im Deutschen und Allgemeinen – nun mal keinen Sinn ›machen‹, sondern ihn höchstens ›haben‹ oder eben ›ergeben‹.

Dass sich die Bedeutungen der beiden Wörter meinen und bedeuten immer weiterentwickeln und teilweise auch miteinander verschmelzen, zeigt wieder einmal, dass unsere Sprache sich im ständigen Wandel befindet.