Ausgabe: Der Sprachdienst 2/2014

Warum heißt der Regenbogen nicht Sonnen-Regen-Bogen?

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[F] Mein Sohn fragt, warum man Regenbogen und nicht Sonnen-Regen-Bogen sagt.

[A] Die Frage, warum ein Objekt eine gewisse Bezeichnung hat, ist interessant, aber nicht immer einfach zu beantworten. Bei Regenbogen ist dies der Fall. Das Wort existiert im Deutschen seit langer Zeit. Wir verweisen auf Kluges »Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache« (25. Aufl. Berlin 2011, S. 753):

»Regenbogen: Substantiv (maskulinum) Standardwortschatz (10. Jahrhundert), Mittelhochdeutsch regenboge, Althochdeutsch reganbogo, Mittelniederdeutsch regen(s)boge, Mittelniederländisch regenboge. Aus dem Germanischen *regna-bogōn maskulinum ›Regenbogen‹, auch in Altnordisch regnbogi, Altenglisch regnboga, Altfriesisch reinboga. Zu Regen und Bogen

Den Begriff gibt es seit dem Althochdeutschen als Zusammensetzung der beiden Bestandteile, daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Keiner weiß genau, warum Regenbogen auf Deutsch Regenbogen heißt. Zwar ist er ein Bogen, der bei Regen entsteht, sprachlich tritt aber das dafür so wichtige Licht im Deutschen nicht in Erscheinung.

Aussagekräftig ist für die nähere Betrachtung ein Blick in andere Sprachen. Dafür haben als wir Quellen verschiedene Fremdwörterbücher und Belege aus dem Internet benutzt (http:// en.wiktionary.org/wiki/rainbow). In den germanischen Sprachen kommt wegen der gemeinsamen historischen Wurzel derselbe Ausdruck vor: auf Englisch (rain|bow), auf Niederländisch (regen|boog), auf Schwedisch (regn|bågn), auf Isländisch (regn|bogi). Nichtgermanische Sprachen zeigen jedoch diese Konstruktion ebenfalls, wie auf Finnisch (saaten|kaari, saaten für ›Regen‹ und kaari für ›Bogen‹).

Andere Sprache bieten davon abweichende Wortbestandsteile. Im Spanischen (acro iris) und Portugiesischen (arco-íris) entsteht das Wort aus arco ›Bogen‹ und iris ›Iris‹. Das italienische Wort (arco|baleno, aber auch iride ›Iris‹) besteht aus der Kombination arco und baleno ›Blitz‹. Mit Iris kommen wir zum Altgriechischen ἶρις (iris). Dazu gibt uns Kluges »Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache« (S. 450) eine interessante Auskunft:

»Iris: Substantiv (femininum) erweiterter Standardwortschatz fachsprachlich (19. Jahrhundert). Entlehnt aus dem Griechischen ῖris ›Regenbogen, Regenbogenhaut, Schwertlilie‹. Die Schwertlilie ist wegen ihrer Farbenverschiedenheit schon bei den Griechen und Römern nach dem Regenbogen benannt, dann aus der Wissenschaftssprache in die Volkssprache übernommen. ›Regenbogen‹ heißt bei den Griechen auch ein Farbring, etwa bei den Augen im Schwanz eines Pfaus. Danach der Teil des Auges in der Wissenschaftssprache.«

Bei einigen Sprachen wurde also der Regenbogen nach der Iris genannt, welcher ursprünglich selbst Regenbogen heißt.

Im Französischen kann man einen ›Bogen im Himmel‹ (arc-en-ciel) und im Türkischen einen ›Himmelsgürtel‹ (gök|kuşaği) sehen, während im Griechischen und im Esperanto die Ausdrücke ουράνιο τόξο (ouránio tóxo) und ĉiel|arko einem ›Himmelsbogen‹ entsprechen. Das rumänische Wort curcubeu hat tiefere Wurzeln, die aus dem Vulgärlatein circus bibit schöpfen, wörtlich übersetzt ›der Ring, der trinkt‹. Slawische Sprachen favorisieren oft mit дуга/duga und Varianten (дъга/dăgá) auf Bulgarisch, duha auf Tschechisch, дýга/dúga auf Serbokroatisch) den Begriff des Bogens. Die russische Sprache fügt dazu ra- hinzu: Mit радуга/ráduga bezieht sie sich erstaunlicherweise auf den altägyptischen Sonnengott Ra (auch Re). Das ukrainische Wort весел- ка (veselka, Synonym: райдуга/rayduha) wird von veselyj (›fröhlich‹, ›freudig‹) abgeleitet. Rayduha/райдуга bedeutet etwa »радісна дуга« ›fröhlicher Bogen‹.

Übrigens findet sich das Wort Regenbogen außer für die Himmelserscheinung im Deutschen noch in unterschiedlichen Zusammensetzungen wie etwa: Regebenbogenpresse, Regenbogenfahne, Regenbogenfamilie, Regenbogenforelle, Regenbogenhaut (auch Iris!), Regenbogenpflanzen, Regenbogenfische …

Gerne wüssten wir, wie das farbige »Gebilde« am Himmel in Ihrer Sprache heißt.


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