Herkunft von eierlegende Wollmilchsau

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Grafik: Rolf Walter (www.rolf-walter.eu)

[F] Woher kommt eigentlich der Ausdruck eierlegende Wollmilchsau?

[A] Die eierlegende Wollmilchsau (selten auch Wollmilchschwein) ist eine humoristisch-karikaturistische Verbindung aus Huhn (Eier), Schaf (Wolle), Kuh (Milch) und Schwein (Fleisch). Sie umfasst damit alles Positive ohne Nachteile, sie umfasst das Unumfassbare. Wenn also jemand oder etwas wie eine eierlegende Wollmilchsau ist, dann ist das ein paradoxer Alleskönner, der alle noch so schwierigen oder widersprüchlichen Anforderungen erfüllt.

Die Wendung ist zwar relativ gebräuchlich – es finden sich zahlreiche Belege bspw. in der Presse, aber interessanterweise nicht/weniger in der Literatur –, woher die Redewendung allerdings kommt, lässt sich nicht abschließend klären.

Die Wendung hat sich wohl in den 1970ern im Sprachgebrauch etabliert (Heinz Küpper, »Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache«, Stuttgart 1982 ff. In älteren Wörterbüchern ist sie auch nicht verzeichnet). Heinz Küpper gibt an, dass sie wohl zunächst in der Soldatensprache genutzt wurde. Und in der Tat hat das Ei bzw. das Eierlegen im militärischen Sprachgebrauch die Bedeutung ›Bombe/Miene‹ bzw. ›Bomben abwerfen‹, vgl. Heinz Küpper, »Von Anschiss bis Zwitschergemüse. Das Bundessoldatendeutsch von A–Z«, München 1986. So könnte es sein – mit Sicherheit lässt sich das nicht sagen – dass die eierlegende Wollmilchsau über den Weg der Militärsprache (sie wäre dann bspw. ein universal einsetzbares Kriegsgerät) dann in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist.

Ein sehr früher Beleg dieses süßen Tierchens lässt sich in einem Gedicht von Ludwig Renn (abgedruckt in »Ludwig Renn zum 70. Geburtstag«, Berlin 1959) finden, dort wird es eierlegendes Wollschwein genannt.

Wie dieses Gedicht mit dem militärischen Sprachgebrauch zusammenhängt, lässt sich leider nicht rekonstruieren.

Letztendlich kann man also leider nicht sagen, wie und wann genau dieses liebreizende Tierchen sich in unseren Sprachgebrauch und in unsere Köpfe geschlichen und, wenn es denn ein Nest hat, eingenistet hat. Und angesichts moderner Gentechnik-Diskussionen darf man sich fragen, ob man so ein Wesen, so niedlich es auch ist, wirklich haben will, wenngleich es schön ist, etwas Derartiges Gackerndes, Mähendes, Muhendes und Grunzendes in seiner Sprache zu haben.