Ausgabe: Der Sprachdienst 2/2019

Die Schreibung des Wortes Creme diachron betrachtet

[F] Was hat es mit dem Wort Creme auf sich? Wie verlief die Geschichte des Wortes und welche Schreibweisen sind richtig?

[A] Das Wort für Salben, Speisen und anderes begegnet uns heute oft in verschiedenen Formen: Creme oder (mit der Markierung »ältere Form«) Krem, aber auch Cream oder Crème, was auf einen fremdsprachigen Ursprung hindeutet. Dann kam es zu Eindeutschungsversuchen und letztlich zur erneuten Verwendung der ursprünglichen Variante. Wie hat sich dieser Prozess nun aus sprachwissenschaftlicher Sicht im Einzelnen entwickelt?

Die Eduard Gerlach GmbH hat 1882 eine Fußpflegecreme (so wäre heute die aktuelle Schreibung) auf den Markt gebracht und dafür den Namen Eduard Gerlach’s PraeservativCream/Praeservativcream gewählt – aufgrund der damals üblichen Art und sicher auch als Werbung mit der fremdländischen Bezeichnung (vgl. Cream [kri:m], die; [englisch cream < altfranzösisch cresme, Creme]: englische Bezeichnung für: Creme. (Duden – Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, 4. Aufl. Mannheim 2012)).

Das Produkt wurde um 1910 in GEHWOL FUSSKREM umbenannt, aus dem englischen Wort Cream wurde die Krem, was damaligen Tendenzen des Eindeutschens und des Purismus entsprach (vgl. Cake – Keks usw.).

Unter dem Namen FUSSKREM ist das Produkt – sicher auch aufgrund des Markenschutzes – noch heute im Handel. Es ist bemerkenswert, dass die heute veraltete Schreibung mit dem Eigennamen quasi konserviert wurde, während sich in der Allgemeinsprache die Variante Creme wieder durchgesetzt hat (vgl. Krem/Kreme: Alte Schreibungen für Creme/Crème; aus Duden – Richtiges und gutes Deutsch, 7. Aufl. Mannheim 2011). Und zu Creme, Crème, das im 18. Jahrhundert entlehnt wurde, schreibt der Duden (Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache, 4. Aufl. Mannheim 2007): [kre:m, krɛ:m], die; [französisch crème < altfranzösisch craime, cresme, Vermischung von vulgärlateinisch crama ›Sahne‹ und lateinisch chrisma, Chrisam].

Creme hat heutzutage die Bedeutungen: 1. Salbe zur Pflege der Haut, 2. dickflüssige oder schaumige, lockere Süßspeise, Masse als Füllung für Süßigkeiten und Torten, Likör oder Cremesuppe, 3. (selten) Kaffeesahne und 4. (bildungssprachlich, häufig ironisch) gesellschaftliche Oberschicht: die Creme der Gesellschaft (vgl. Duden – Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, 4. Aufl. Mannheim 2012).

Zum grammatischen Artikel lässt sich sagen, dass die Nachschlagewerke (historische wie dialektale und gegenwartssprachliche) nur weiblich die Krem verzeichnen. Eine umgangssprachliche Bezeichnung für das Produkt als »der Fußkrem« war den Befragten in den Fachgeschäften unbekannt. Das stützt die Wörterbucheintragungen.

Annika Hauzel