Bedeutung von da liegt der Hase im Pfeffer

[F] Wie ist denn die Redensart zu erklären, die man oft hören kann: Da liegt der Hase im Pfeffer? Sie ist doch sicherlich recht alt, denn heutzutage kann man sich nichts Rechtes darunter vorstellen?

[A] Diese Redewendung, die tatsächlich alt und seit Jahrhunderten bekannt ist, wird von Johann Christoph Adelung in seinem großen Lexikon zur deutschen Sprache, dem Grammatisch-kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart (1793–1801) so erklärt: »Im Oberdeutschen wird auch eine stark mit Pfeffer gewürzte Brühe, eine Pfefferbrühe, der Pfeffer genannt. Einen Hasen in Pfeffer einmachen, ihn mit einer Pfefferbrühe zurichten. Daher die figürliche Redensart da liegt der Hase im Pfeffer, das ist der wahre Grund des Übels, daran liegt es, daran fehlt es.«

In dem älteren umfangreichen Deutschen Sprichwörterlexikon von K. F. W. Wander (1867 ff.) liest man: Wenn der Hase in Pfeffer kommt, so wird er schwarz und Wie der Hase in den Pfeffer kommt, so wird er gefressen. Wander erwähnt auch die französische und die niederländische Variante – C’est là où gît le lièvre; Daar ligt de haas in het zout – und kommentiert: »Da ist die Schwierigkeit, daran hängt es. Unter Pfeffer ist nicht das bekannte Gewürz, sondern eine im Mittelalter bereitete Brühe gemeint, wobei der Pfeffer einen Bestandtheil bildete. Hasenpfeffer war eine Speise in brauner Pfefferbrühe. Das Berliner Fremdenblatt (1866) sagt über die Redensart: ›In einigen Gegenden Norddeutschlands wird das Hasenklein mit vielem Gewürz und Pfeffer bereitet, es kommen dazu allerlei Zuthaten, sodass das eigentliche Klein (sowie im Fricassée das Hühnerfleisch) mitunter schwer zu finden ist. Wir nehmen nun an, dass sich daraus die Redensart: Da liegt der Hase im Pfeffer, gebildet hat für gewisse Knotenpunkte, die schwer aufzufinden oder zu lösen sind.‹ Im Westfälischen: Doa ligt de Hase im Peaper. – Wann der Has in der Schreiber Pfeffer kömt.«

Bei Wander sind auch verwandte Sprichwörter zu finden: Erst den Hasen fangen, dann den Pfeffer daran tun und Pfeffer gehört zum Wildbret.

Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm wird unter dem Stichwort Hasenpfeffer vermerkt (Band 4.2, 1877): »die mit einer gewürzbrühe und blut gekochten vordertheile des hasen: hasenpfeffer, lepus in jure nigro.«

Aus neuerer Sicht haben sich Lutz Röhrich (Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, 1991) und Heinz Küpper (Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache, Band 3, 1983) mit der Wendung da liegt der Hase im Pfeffer befasst. Nach Röhrich ist sie schon seit dem 13. Jahrhundert belegt, und er zitiert Geiler von Kaysersberg (gest. 1510), der einen Predigtzyklus so betitelte: »Ain geistliche bedeutung des häßlins, wie man das in den pfeffer bereyten soll« und Philander (17. Jahrhundert): »Keiner aber weiß, wo der Has im pfeffer liegt, als der ihn angerichtet oder helfe essen«. Bei Küpper heißt es: »das ist bei alledem das Wichtigste; dies ist die Hauptschwierigkeit, der entscheidende Fehler. ›Pfeffer‹ meint die stark gewürzte Sauce, auch das eingemachte Wildbret. Der Hase, der in diesem Pfeffer liegt, ist nicht mehr lebendig zu machen; oder man weiß nun, wo der verschwundene Hase geblieben ist.«

Nicht übergangen sei schließlich der Eintrag aus der neuen Brockhaus-Enzyklopädie (2006), die dem Gericht Hasenpfeffer – französisch Civet de lièvre – gilt: »Ragout aus den nicht zum Braten geeigneten Teilen des Hasen (Bauchlappen, Rippe, Läufe).«