»Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.«

Interview mit Peter Kloeppel, Nachrichtenjournalist, RTL-Chefmoderator sowie Preisträger des Hans-Oelschläger-Preises 2016

Peter Kloeppel, Nachrichtenjournalist und RTL-Chefmoderator, arbeitet seit 31 Jahren für den Privatsender RTL. Er moderiert seit 1992 die Hauptnachrichten RTL Aktuell, ab 2004 war er zehn Jahre lang Chefredakteur des Senders. Nach seinem Rücktritt von diesem Posten blieb er Chefmoderator und gründete 2001 die RTL-Journalistenschule. Den Hans-Oelschläger-Preis bekommt Kloeppel vor allem für seine »alltagsnahe und verständliche Sprache«, mit der er auch komplexe Themen für ein breites Publikum zugänglich macht. Peter Kloeppel ist nach Oliver Welke der zweite Träger dieser Auszeichnung. Wir haben mit ihm über Sprache und die Ehrung gesprochen.

© RTL

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Herr Kloeppel, welche Bedeutung hat die Auszeichnung mit dem Hans-Oelschläger-Preis für Sie?

Peter Kloeppel: Ich habe mich sehr über diesen Preis gefreut, weil er das würdigt, was wir Journalisten als unser »Hauptwerkzeug« bezeichnen würden: unsere geschriebene und gesprochene Sprache. Als Journalisten müssen wir ja Informationen übermitteln und im besten Fall auch Wissen vermitteln – klar verständlich, präzise, abgewogen. Wir erwecken nüchterne Fakten zum Leben, und wenn das gewürdigt wird, dann ist das eine sehr schöne Bestätigung.

Eigentlich müssen wir uns bei jedem geschriebenen und gesprochenen Wort fragen: Steht es hier an der richtigen Stelle? Verfälscht es den Sinn einer Aussage? Trägt es zur korrekten Beschreibung eines Sachverhaltes bei?

Was ist das Besondere an der Sprache in den Nachrichten?

Sie muss in der Lage sein, komplizierte Sachverhalte für jeden verständlich darzustellen. Gerade wir Fernseh-Journalisten haben ja nur eine Möglichkeit, mit einer Moderation oder dem Text eines TV-Beitrages unser Publikum zu erreichen – zurückblättern und noch einmal nachlesen funktioniert bei einer Nachrichtensendung nicht. Deshalb gilt es, besonders genau abzuwägen, wie man formuliert.

Wie lösen Sie diese Aufgabe und was zeichnet Ihre Verwendung der Sprache besonders aus?

Wir diskutieren sehr viel über Verständlichkeit. Wir wollen aber auch »schön« schreiben. Für mich persönlich heißt das: unnötige Substantivierungen und Fremdworte verringern, Schachtelsätze verbannen, Passivkonstruktionen meiden, die richtigen Zeitformen verwenden, lebhaft, aber nicht überschwänglich formulieren. Die Vielfalt unserer sprachlichen Möglichkeiten soll sich nicht verringern, sondern erhalten bleiben. Das heißt auch: Wir sollten unnötige Anglizismen vermeiden, wir dürfen nicht schludrig und unpräzise mit Sprache umgehen, die Grammatik vernachlässigen und ohne nachzudenken Wörter übernehmen, die den Zuhörer auf die falsche Fährte locken. Und was ich auch für ganz wichtig halte: Je konkreter wir einen Sachverhalt beschreiben können, desto besser ist es.

Verfassen Sie selbst Ihre Texte?

Meine Moderationstexte verfasse ich zum großen Teil selber, ich bekomme aber auch Vorschläge von Kollegen, die ich mir dann »mundgerecht« umschreibe.

Wie vermeiden Sie Fehler durch hektische Stresssituationen?

Indem ich versuche, auch in stressigen Momenten ruhig zu bleiben und mich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Dabei hilft mir einerseits die mittlerweile langjährige Erfahrung als Journalist und Moderator – andererseits verfüge ich aber auch über einen niedrigen Ruhepuls und einen stabilen Blutdruck, der mich nicht sehr schnell in Hektik verfallen lässt.

Welche sprachlichen Themen lösen in Ihrer Redaktion Diskussionen aus?

Diskutiert wird immer dann, wenn wir merken: Wir haben missverständlich formuliert oder wir könnten mit Worten Menschen verletzen oder – im schlimmsten Fall – wir haben unbewusst mit Sprache manipuliert. Eigentlich müssen wir uns bei jedem geschriebenen und gesprochenen Wort fragen: Steht es hier an der richtigen Stelle? Verfälscht es den Sinn einer Aussage? Trägt es zur korrekten Beschreibung eines Sachverhaltes bei?

Rückblickend auf Ihre lange Zeit beim Sender RTL: Was hat sich an der Sprache der RTL-Nachrichten in den letzten Jahrzehnten geändert?

Sprache verändert sich langsam, aber beständig, und ich halte das auch nicht für schlimm. Natürlich sind neue Worte dazugekommen, wie bloggen, googeln, Smartphone oder WLAN, die inzwischen fest zu unserem Sprachgebrauch gehören – ob man das nun gut findet oder nicht. Leider beobachten wir aber auch Verkürzungen in der täglichen Umgangssprache, bei denen ich mich immer ein bisschen winde. Wenn vor allem junge Leute mit Begeisterung »und ich so« sagen statt »daraufhin habe ich gesagt/gefragt/gemeint/geäußert …«. Nicht immer liegt in der Kürze die Würze.

Welche Bedeutung hat Sprache für Sie?

Da zitiere ich gerne Ludwig Wittgenstein: »Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.«

Was konnten Sie bisher mit Ihrer 2008 ins Leben gerufenen Kampagne »Sag’s auf Deutsch« bewirken?

Das lässt sich nur schwer messen. Aber ich werde auch heute noch auf diese Aktion angesprochen und weiß, dass wir damit einen wichtigen Punkt aufgegriffen haben. Gerade der Zustrom von Flüchtlingen in den vergangenen 18 Monaten zeigt uns ja täglich, wie wichtig der Spracherwerb ist, um hier in Deutschland Fuß zu fassen, um wirklich in unserer Gesellschaft anzukommen.

Hand aufs Herz: Was war Ihr größter Versprecher oder sprachlicher Fehlgriff?

Hand aufs Herz: Mir fällt keiner ein – ich habe sie offenbar selektiv aus meinem Gedächtnis verbannt.

Gibt es eine Lieblingsschlagzeile, die Sie gerne einmal verlesen würden?

Da backe ich kleine Brötchen. Angesichts unseres verregneten Wetters wäre ich froh, wenn ich im kommenden Jahr endlich mal sagen könnte: 2017 war der schönste Sommer seit Menschengedenken!