Muttersprache 4/2014

Aufsätze

Editorial der Heftherausgeber zum Themenheft »Sprache des Sports«

Burkhardt, Armin
Vom Runden und vom Eckigen, in das es hinein muss. Zu den Bezeichnungen von Ball und Tor in der deutschen Fußballsprache

Die wichtigsten Gegenstände innerhalb eines Fußballspiels sind Ball und Tor, auf die sich natürlich entsprechend auch die Emotionen der Beteiligten richten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich auf den Spielfeldern, bei den Zuschauern und Fans und in der massenmedialen Berichterstattung alternative Bezeichnungen herausgebildet haben, die meist metaphorisch oder metonymisch, v. a. aber hinsichtlich ihres Gebrauchs sozial und medial gekennzeichnet sind. In diesem überwiegend onomasiologisch ausgerichteten Aufsatz werden die in der (überregionalen) deutschen Fußballsprache üblichen Bezeichnungen von Ball und Tor zusammengestellt, vergleichend erläutert, wenn möglich datiert und durch authentische Beispiele illustriert.

The most important objects within a soccer match are ball and goal. Correspondingly, the emotions of those involved are particularly focussed on them. It is, therefore, not surprising that alternative denominations have emerged on the pitches, among the spectators and supporters and in mass medial reporting. These are mostly metaphorical or metonymic, but also marked with regard to their social and medial usage. In this article, which is mainly onomasiological in its basic orientation, those denominations of ball and goal which are common in German (nationwide) football language are compiled, explained in comparison to one another, dated (if possible) and illustrated by authentic examples.

Blokisch, Simon
Live-Ticker im Fußball: Zur Inszenierung von Aktualität und Lebendigkeit

Einhergehend mit der zunehmenden Digitalisierung und Mediatisierung des Sports im 21. Jahrhundert entwickelten sich im Kontext der Live-Berichterstattung neue Mediengattungen. Basierend auf den Erkenntnissen des Linguisten Stefan Hauser, der den Live-Ticker als neue Mediengattung primär formal untersucht hat, versuche ich in diesem Beitrag zu erläutern, wie durch unterschiedliche sprachliche Realisierungsformen Aktualität, Lebendigkeit und Nähe inszeniert werden. Dabei hat insbesondere der unmittelbare Vergleich mit der Live-Reportage als journalistische Darstellungsform des Rundfunks einige Parallelen aufgezeigt. Im Zuge der Formulierung der einzelnen schriftlichen Kurzkommentare werden sprachliche Instrumente genutzt, um die Online-Berichterstattung anschaulicher sowie spannender zu gestalten, sodass auf Seiten des Nutzers ein »Kino im Kopf« erzeugt wird. Durch den Gebrauch charakteristischer sprachlicher Mittel wird die Sprache zu einem wirklichkeitsschaffenden Instrumentarium, was den Eventcharakter des Sportereignisses hervorhebt.

The increasing digitalization has evolved multiple new means by which media are distributed in the 21st century. Especially, a new category of broadcasting live sports events has developed through the new digitalized world. Stefan Hauser, for example, identifies the Live-Ticker as one of the most significant new media channels for live events in his studies. Based on Hauser’s findings, this study illustrates how different linguistic instruments can stage actuality, agility and nearness to the people in front of the telescreen. Therefore several short comments of three different soccer matches have been analyzed respectively compared with different sport live tickers and a news ticker. By applying different linguistic and stylistic devices within the media, the language becomes an instrument, which is able to create a new reality. Additionally, the commentator’s role changes because he/she adapts the role of an entertainer next to being an information broker, which even more underlines the event-like character of the sports event.

Beljutin, Roman
Metaphorische Projektionen im deutschen und russischen Sportdiskurs

Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Metaphorik des Sportdiskurses im Russischen und im Deutschen. Die Metapher als kognitives und sprachliches Instrument verhilft zur besseren Wahrnehmung und Erschließung des Wirklichkeitsbildes und der Diskurse, die dieses Wirklichkeitsbild prägen. Der Sportdiskurs bietet drei hauptsächliche Perspektiven zur Erforschung der metaphorischen Übertragungen in Kommunikationsprozessen. Die erste zielt auf die Untersuchung des Einflusses der Sportthematik auf die Außendiskurse (Politik, Wirtschaft, Kultur etc.); die zweite macht den Sportdiskurs und die Kommunikationsbereiche, die als Bildspender auftreten (Krieg, Religion, Technik, Bauwesen etc.), zur Zieldomäne; die dritte spiegelt Metaphorisierungen des Sportdiskurses durch eigene Ressourcen wider, die die jeweilige Sportdisziplin (Leichtathletik, Boxen, Schach etc.) in den Dienst eines anderen Sportbereichs (z. B. Fußball) stellt. Die Ergebnisse dieser dreistufigen Analyse liefern reichhaltiges Material für vergleichende Aspekte der Forschung, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Metaphernbildung in nationalen Diskursen besonders scharf profilieren. Die Spezifik der metaphorischen Ausdrucksweise bei der Berührung mit dem Sportdiskurs in der russischen und in der deutschen Sprache wird am Beispiel des Sportjargons aufgezeigt.

The given article deals with metaphors of sports discourse in Russian and in German. Metaphors being a cognitive and language mechanism help to better comprehend and perceive worldviews and discourses that create these worldviews. Sports discourse has at its disposal three main perspectives of studying metaphoric transformations in communicative processes. The first perspective aims at exploring influence of sports topics upon external discourses (politics, economics, culture and other); the second makes sports discourse a target domain and determines communicative spheres that donate images (war, religion, technologies, construction and other); the third reflects sports discourse metaphorization through its own resources, that one kind of sport (athletics, boxing, chess) harnesses to help another (e. g. football). The results of such threestage analysis supply enough material for comparative studies that most clearly shape differences and similarities in metaphor building in national discourses. The specificity of metaphorical representations in sports discourse is shown by the example of sports jargon.

Born, Joachim
Von Doppelsechs und Falscher Neun bis zum Bayern-Gen – MINT und Gentechnologie erobern die Sportsprache

Die Zukunft unseres Landes, das sich als Exportnation versteht, wird insbesondere in einer Förderung der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gesehen. Gleichzeitig ist eine Veränderung im Freizeitverhalten der Bürger, weg von der Lektüre, hin zur Bewegung (oder zumindest zur passiven Rezeption ebendieser) zu beobachten: zum Sport.
Da letzterer immer auch ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Gesamtsituation ist, kann man feststellen, dass die eingangs genannten Wissenschaftsdisziplinen verstärkt terminologisch auf die Sprache des Sports einwirken. Dabei zeigt sich eine gewisse Resistenz gegenüber externen (fremdsprachlichen) Einflüssen und eine hohe Sprachbildungskreativität aus Metaphern, die vielfach an die Stelle der früher dominanten Militär- und Kriegsterminologie getreten sind wie Errungenschaften aus der Gentechnologie (Sieger-DNA), der (schiefen) Mathematik (Sechs-Punkte-Spiel, falsche Neun), der Informatik (Schaltzentrale) oder der Zoologie (Bundesligadino). Der Artikel liefert eine korpusbasierte systematische Beschreibung dieses Phänomens und streicht die Parallelität dieser Entwicklung und der zunehmenden Feuilletonisierung der Sportberichterstattung heraus.

The future of our country, which relies on its exports, is widely considered to lie in the promotion of the so called »MINT-subjects«, i. e. mathematics, computer sciences, natural sciences and engineering. Simultaneously, we can observe a change in the use that citizens make of their leisure time: reading has given way to physical activity (or at least the passive reception of physical activity), that is to sports. As sports always mirror the overall social situation, we can detect an influence that the above mentioned scientific disciplines exert on the terminology of sports. This influence appears to be quite resistant to imports from other languages. Instead, there is a high creativity regarding metaphors; these have replaced the former predominance of military terminology. For example, in gene technology (Sieger-DNA ›winner-DNA‹), in mathematics (Sechs-Punkte-Spiel ›six point game‹, falsche Neun ›false nine‹), in computer sciences (Schaltzentrale ›control center‹) and in natural sciences (Bundesligadino ›dinosaur of the (German) premier league‹). The article presents a corpus-based analysis of this phenomenon and emphasises analogies between this development and the increasing resemblance of feuilleton and sports coverage.

Schlobinski, Peter/Uphoff, Franziska
100 Jahre Tour de France: Lexikalische Aspekte in der Berichterstattung

Eine große Bedeutung für die Verbreitung der Sportsprache haben die Medien und die Reportsprache, die selbst wiederum die Sportsprache prägen. Wie die Tour de France in ihrer Dynamik und Atmosphäre in der Reportsprache dargestellt wird, ist zentraler Gegenstand unseres Beitrags, wobei wir lexikalische Aspekte in den Vordergrund rücken, insbesondere im Hinblick auf Metaphern und Wortspiele. Dabei fokussieren wir den Online-Printbereich. Als Zeitrahmen für die Korpusbildung dienten primär die 22 Tage, in denen die Tour de France 2013 stattfand.

Mass media are of great importance for the propagation of the language of sports. It will be shown from the »report language« (›Reportsprache‹) of the Tour de France which specific expressions are used. For the analysis we bring in focus lexical aspects, particularly metaphorical expressions and word plays. We focus the online print papers. As timeframe for the text corpus served 22 days in which the 100th edition of Tour de France took place in 2013.

Rezensionen

Eberhard Ockel
Marita Pabst-Weinschenk: »Du hörst mir ja gar nicht zu!« Über das Zuhören und Sprechen, so dass man gerne zuhört

Peter Schlobinski
Johannes Heil: Die Rhetorik des Spitzensports

Eberhard Ockel
Volker Frederking/Axel Krommer/Thomas Möbius (Hgg.): Digitale Medien im Deutschunterricht

Joachim Gerdes
Eva Neuland/Corinna Peschel: Einführung in die Sprachdidaktik

Qi Chen
Luyang Wang: Werbesprache im Deutschen und Chinesischen

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