Herkunft und Bedeutung von Retourkutsche

[F] Den Ausdruck Retourkutsche höre ich hin und wieder, kann aber damit kaum etwas verbinden; auch meine Kollegen hier in der Redaktion sind unsicher. Was steckt dahinter?

[A] Heute wird dieses Wort im bildhaften, auch im übertragenen Sinne gebraucht, früher aber, im Zeitalter des unmotorisierten Verkehrs, war es konkret und bezog sich auf eine allen bekannte Sache, die Kutsche eben, die Postkutsche. Das aus dem Französischen entlehnte Wort retour im Sinne von ›zurück‹ hat zu verschiedenen Zusammensetzungen geführt, so z. B. auch zum Retourbillet (›Rückfahrkarte‹), zum Retourbrief (›an den Absender zurückkommender Brief‹), Retourwechsel (eine bestimmte Art des Wechsels) oder zum Verb retournieren (›zurückkehren, zurücksenden‹, im Sport ›zurückgeben‹). So wie wir heute, bezogen auf das Auto, den Bus oder die Bahn, von Hin- und Rückfahrt sprechen, so muss man sich für die damalige Zeit das Fahren mit der Kutsche vorstellen, und das ältere Allgemeine Fremdwörterbuch von F. W. Loof (1899) sagt knapp, doch präzis und erschöpfend – wobei auch die zweite Wortbedeutung genannt wird: »Rückkehrkutsche, Zurückgebung desselben Witzes od. derselben Anspielung«.

Retourkutsche wurde und wird ja in übertragener Bedeutung gebraucht, wobei dies heute wohl die Regel ist. K. F. W. Wander schrieb in seinem Deutschen Sprichwörter-Lexikon (Band 3, 1873): »Man nennt Retourkutschen unter anderm gewisse Erwiderungen bei Streitigkeiten. Wiederholt z. B. jemand das Schmähwort, womit er belegt worden ist in Bezug auf den Gegner, so heisst dies eine Retourkutsche. Wer in einem Wortstreit scharf aufgestellte Behauptungen allgemach mildert, weil er sich überzeugt, dass er sie nicht aufrecht erhalten kann, fährt eine Retourkutsche.«

Dies, das bloße Zurückgeben einer Anspielung oder einer Beleidigung, gilt aber weder als elegant noch als souverän, was schon Kindern bewusst ist. In ihren Kreisen heißt es bei solchen Gelegenheiten dann keck: »Retourkutsche gilt nicht!«