Ist trotzdessen grammatikalisch korrekt?

[F] Das Wörtchen trotzdem ist ja sattsam bekannt. Kann man aber die Variante trotzdessen verwenden? Immerhin wird auch die Präposition trotz zumeist mit dem Genitiv verbunden: trotz des Regens. Ist trotzdessen also eine korrekte Variante und in seriösen Texten nachweisbar?

© lassedesignen - Fotolia.com

© lassedesignen – Fotolia.com

[A] Richtig: Bei der Präposition trotz hat sich inzwischen der Genitiv durchgesetzt und wird heute deutlich häufiger verwendet (dies gilt allerdings nicht für alle Regionen: In Süddeutschland, der Schweiz und in Österreich wird trotz noch immer gern mit dem Dativ verbunden); der Dativ kommt zwar noch immer gelegentlich vor, ist aber älter und mittlerweile seltener als der Genitiv. Dennoch hat sich die Verbindung trotzdem gehalten: Sie ist sicherlich die zu bevorzugende Version und allgemein üblich; trotzdessen kann nur als seltene Nebenform und randständige Variante bewertet werden.

Trotzdem als Adverb hat sich im 19. Jahrhundert herausgebildet – zugrunde liegt die Verbindung von trotz mit dem Dativ – und wird im Sinne von ›dennoch‹ gebraucht; man denke auch an die häufig gebrauchten Verknüpfungen trotz allem und trotz alledem.

Immerhin lassen sich einige Belege aus dem 19. Jahrhundert für trotz dessen/trotzdessen nachweisen, so dass man nicht von einem heutigen, isolierten und womöglich nur auf Nachlässigkeit beruhenden Phänomen sprechen kann. Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm z. B. findet sich unter dem Stichwort Folge ein knapper Hinweis auf trotz dessen (neben in/zu Folge dessen), und bei trotzdem – »entstanden aus dem adverb trotzdem (dasz), aus dem sich auch trotz dasz und einfaches trotz als conjunctionen entwickelt haben« – wird bemerkt: »ungewöhnlich die präpositionale verbindung: trotz alles dessen ist er der beste gesellschafter Kotzebue schausp.«. Ein weiterer Hinweis besagt: »älter, aber anscheinend singulär: ich, der so niemals weisz wie wir in der zeit leben, und trotz dessen dasz ich selbst einen almanach stelle, keinen kalender im hause hatte (1771) Gökingk an Bürger.«

Ganz so entlegen und »singulär« ist die Verwendung von trotzdessen nicht, und wir konnten in der Literatur einige Beispiele ermitteln. Vier seien hier zitiert:

  • Theodor Storm, Draußen im Heidedorf: »›Das allerdings nicht!‹ Und der würdevolle Mann klemmte die fleischigen Lippen ein und blickte auf mich mit einer Sicherheit, als ob er das Gegenmittel schon fix und fertig in der Tasche hätte. ›Und trotz dessen‹, fragte ich wieder, ›wollen Sie ihn die große Hufe übernehmen lassen?‹«
  • Theodor Storm, Der Schimmelreiter: »Da war dem Alten bange geworden, und Hauke war zum Großknecht aufgerückt, hatte aber trotz dessen nach wie vor auch an der Deichgrafschaft mitgeholfen.«
  • Ida Gräfin Hahn-Hahn (1805–1880), Faustine: »Sie erzählte Faustinen ihre einfache, kurze, traurige Geschichte: wie sie vor vier Jahren mit Feldern sich willig und gern verlobt habe, wie es ihr aber trotz dessen jetzt eine Unmöglichkeit sei, seine Gattin zu werden […].«
  • Bernhard Baader, Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden (1850): »Nochmals schaffte man es auf den Gottesacker und ließ es in der Nacht von zwei Zimmergesellen bewachen. Trotz dessen befand sich am Morgen das Holz an der alten Stelle, und auf ihm lagen festschlafend die Gesellen […].«

Derlei Belege sind nicht zu übergehen, auch mögen regionale Eigentümlichkeiten im Spiel sein – trotzdem(!) sollte man sie nicht als Muster für den gegenwärtigen Sprachgebrauch, der eine feste Üblichkeit geschaffen hat, ansehen.