Herkunft

Genus und Numerus von Agenda

[F] Seit einiger Zeit ärgere ich mich über den Gebrauch des Wortes Agenda. Immer ist von einer Agenda als femininer Singularform die Rede. Dabei ist das doch falsch, da agenda ursprünglich ein lateinisches Gerundivum im Neutrum Plural ist. Liege ich mit dieser Einschätzung richtig?

[A] Jein. Richtig ist zweifellos, dass agenda im Lateinischen eine Gerundivumsform im Neutrum Plural zum Verb agere (›tun, handeln‹) ist.

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Grammatikalität von meines Wissens nach

[F] Die Formulierung meines Wissens nach fällt mir immer wieder auf. Sie ist doch nicht korrekt, das heißt, da liegt sozusagen eine Verdoppelung vor. Der Genitiv meines Wissens genügt doch wohl?

[A] Wir stimmen Ihnen zu. Hier ist ein grammatischer Lapsus eingetreten, der übrigens schon öfter beobachtet und kritisiert worden ist. So weist die Dudenredaktion in ihrem Band 9: Richtiges und gutes Deutsch seit Jahren darauf hin; A. J. Storfer hat bereits 1935 in seinem Sammelband Wörter und ihre Schicksale erwähnt, dass die analoge Wendung meines Erachtens nach 1904 »einem preußischen Minister im Abgeordnetenhaus« mehrmals entschlüpft sei.

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Herkunft und Bedeutung von blauer Brief

[F] Was hat es denn mit dem Ausdruck blauer Brief auf sich? Ich muss ihn für eine Kindersendung erklären und konnte in den mir zugänglichen Nachschlagewerken – so Lutz Röhrichs Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, wo ich immer fündig werde – nicht viel entdecken.

[A] Im großen Wörterbuch der deutschen Sprache (Dudenverlag 1993) ist die heute gewöhnlich damit verbundene Bedeutung vermerkt: ›Mitteilung der Schule an die Eltern über die gefährdete Versetzung ihres Kindes‹, daneben auch ›Kündigungsschreiben‹.

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Herkunft von bis in die Puppen

[F] Woher stammt die Redewendung »bis in die Puppen schlafen«?

[A] Der Ursprung der Redewendung »bis in die Puppen schlafen« oder anders »bis in die Puppen aufbleiben«, »bis in die Puppen arbeiten, fernsehen« etc. mit der Bedeutung von ›sehr lange‹ stammt aus dem Berlin des 18. Jahrhunderts. Mitte des Jahrhunderts wurden am Großen Stern im Berliner Tiergarten – noch heute ist der damals von Hecken umgebene Platz unter diesem Namen bekannt – Statuen der antiken Mythologie aufgestellt.

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Herkunft und Bedeutung von aus dem Stegreif

[F] Man hört des Öfteren die Redensart aus dem Ste(h)greif. Was genau bedeutet dieses Substantiv? Hat es etwas damit zu tun, im übertragenen Sinn aus dem Stand, also quasi ohne Anlauf/Vorlauf, nach etwas zu greifen, eine Information verfügbar zu haben?

[A] Wenngleich die Vermutung naheliegen mag, dass das fragliche Wort mit h geschrieben wird (*Stehgreif), so hat dieser Buchstabe hier doch nichts zu suchen, denn ein Stegreif hat weder etwas mit stehen noch mit greifen zu tun.

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Schreibweise T(h)unfisch

[F Wieder einmal bin ich schockiert von der neuen Rechtschreibung. Vielleicht können Sie mir ja eine Erklärung dafür geben, dass man Thunfisch neuerdings ohne h schreibt. Für mich ergibt sich kein Sinn, da der wissenschaftliche Name, der meiner Meinung nach immer noch führend sein sollte, Thunnus ist.

[A] Zu bedenken ist zunächst, dass nach der neuen Rechtschreibregelung beide Schreibweisen als richtig gelten: Thunfisch, neu auch Tunfisch. Wer die traditionelle Version wählt – Thunfisch –, schreibt also durchaus nicht falsch.

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Konjunktiv von verstehen

[F] Lautet die korrekte Konjunktivform des Verbs verstehen eigentlich verstände oder verstünde?

[A] Beim Verb verstehen gibt es in der Tat – genau wie bei dem einfachen Verb stehen – die Unsicherheit, ob der Vokal der Konjunktivform nun auf ä oder ü lauten muss. Der Grammatikduden gibt in seiner Übersicht über die starken Verben (in § 704) für stehen beide Formen an, die Form stünde allerdings in Klammern.

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Vorname Niksa

[F] Wir möchten unserem Sohn den Vornamen Niksa geben, aber das Standesamt kennt ihn nicht. Es ist außerdem der Meinung, dieser Name sei weiblich. In unserer Nachbarschaft wohnt aber ein Mann – er ist Kroate –, der diesen Vornamen trägt. Als Zweitnamen denken wir an Keith.

[A] Der Vorname Niksa (auch in den Varianten Nischa, Niks-ha, Nik a) ist in slawischen Sprachen – u. a. im Serbokroatischen – belegt, als weiblicher, aber auch als männlicher Vorname.

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Vorname Nemo

[F] Eltern haben bei uns im Standesamt angefragt, ob sie ihren Sohn Nemo nennen können. Was meinen Sie? Handelt es sich dabei denn wirklich um einen Vornamen?

[A] Nemo ist uns tatsächlich als Vorname bekannt. So verzeichnet Wilfried Seibicke in seinem »Historischen Deutschen Vornamenbuch« (Berlin/New York, Band 3, 2000) diesen Namen als männlich.

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Vorname Matti

[F] Wir wollten unseren Sohn Matti nennen, doch das Standesamt weist uns darauf hin, dass dies nach dem »Internationalen Handbuch der Vornamen« auch ein Mädchenname sei und wir einen zweiten, eindeutig männlichen Rufnamen vergeben müssten. Müssen wir dies wirklich?

[A] Matti ist ein männlicher Rufname finnischer Herkunft – es handelt sich um eine Koseform zu Mat(t)hias, Mattias.

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