Wortbildung

Zwanzig, vierzig, fünfzig – aber: dreißig

[F] Es heißt zwanzig, vierzig, fünfzig usw., aber nicht dreizig, sondern dreißig. Ist das nicht reichlich inkonsequent? Was ist der Grund dafür?

[A] Die Frage ist schnell beantwortet. Die Ursache für diese »Inkonsequenz« bei den Zehnerzahlen liegt weit zurück in der deutschen Sprachgeschichte, denn sie ist mit der sogenannten hochdeutschen oder zweiten Lautverschiebung im frühen Mittelalter zu erklären.

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Wie wird die Endung -ig korrekt ausgesprochen?

[F] Immer wieder höre ich, dass Wörter mit der Buchstabenendung -ig wie z. B. lustig oder kräftig als lustich oder kräftich ausgesprochen werden. Ist das nicht eine umgangssprachliche Aussprache?

[A] In der Tat begegnet man häufig der Annahme, dass die Aussprache von -ig am Wortende als [ç] (also als ch wie in ich) eine nachlässige, nicht korrekte Artikulation sei – und doch handelt es sich dabei um die regelhafte Aussprache: Das Suffix -ig wird standardsprachlich im Wort- und Silbenauslaut als [ç] realisiert.

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Was bedeutet steckerfertig?

[F] In vielen Prospekten und Katalogen wird das Wort steckerfertig benutzt, das sich erstaunlicherweise in Nachschlagewerken und Wörterbüchern nicht findet. Was besagt es konkret? Stecker in die Dose, und los geht es, oder muss ein Elektriker her?

[A] Der Wortschatz ist ja im Grunde unermesslich und wächst ständig; Wörterbücher und Nachschlagewerke erfassen immer nur einen Teil von ihm, dazu ausgewählt nach bestimmten Prinzipien und redaktionellen Grundsätzen.

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Weibliche Form von Syndikus

[F] Da man heute ja allgemein so weit wie möglich die weiblichen Berufsbezeichnungen verwenden soll: Wie lautet denn die weibliche Form von Syndikus? Gibt es hier schon einen geeigneten Ausdruck?

[A] Ja, durchaus. Da Syndikus auf das Lateinische zurückgeht und in dieser Sprache den männlichen Wortformen auf -us weibliche auf -a entsprechen – vgl. z. B. Sozius und Sozia –, käme nicht, wie üblich, eine Variante auf -in, sondern eben Syndika in Betracht.

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Herkunft von nichtsdestotrotz

[F] Immer wieder begegnet mir das Wort nichtsdestotrotz, das doch eigentlich ein »Unwort« ist, eine Mischung von nichtsdestoweniger und trotzdem. Diese Verballhornung war ja wohl früher einmal witzig gemeint und ist dann in die Umgangssprache eingegangen. Doch jetzt wird sie anscheinend immer »offizieller«, wird in den öffentlich-rechtlichen Medien und in seriösen Vorträgen verwendet. Seit wann ist sie übrigens bekannt?

[A] Der Ausdruck nichtsdestotrotz – um mit Ihrer letzten Frage zu beginnen – ist auf jeden Fall schon im 19. Jahrhundert aufgetreten. Heinz Küpper schreibt in seinem Wörterbuch der deutschen Umgangssprache (4. Auflage, 1965): »Wahrscheinlich in Berlin entstanden« und nennt als Jahr »1890«.

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Bedeutung von Endesunterfertigter

[F] In einem Zeitungsartikel stolperte ich neulich über das Wort Endesunterfertigter. Nachdem ich – nach einigen Anläufen – die Silben- und Wortgrenzen identifiziert habe, frage ich mich: Mit wem oder was habe ich es hierbei zu tun?

[A] Dem Wort Endesunterfertigter begegnet man in der Tat in der Alltagssprache weniger häufig, und so verwundert es nicht, dass zunächst ein Verständnisproblem auftritt, gerade, was die Wortgrenzen betrifft.

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Bedeutung von Behnert

[F] Was versteht man unter einem Behnert? Ein Kollege hat es in Weißenfels als Bezeichnung für einen Korb gehört, wir kennen das Wort aber nicht. Können Sie diese Bedeutung bestätigen?

[A] Behnert ist ein altes Wort, das vorwiegend in Obersachsen üblich ist. Es leitet sich von der Grundform Behner ab und kann auch als Behnerich (vgl. Johann Christoph Adelung, »Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart«, Leipzig 1793, Bd. 1, S. 815; »Pierer’s Universallexikon«, 4. Aufl., 1857–1865, Bd. 2, S. 495) oder Pänert vorkommen.

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Das Verb tebartzen

[F] Ich habe in Bezug auf die aktuelle Debatte um den Bischof Tebartz-van Elst das Wort tebartzen gelesen. Gibt es das?

[A] Sie haben Recht, dass in letzter Zeit das Verb tebartzen vor allem im Internet in Blogs und auf Plattformen wie Facebook und Twitter kursiert.

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Treueid vs. Treueeid

[F] Wir sind uns unsicher: Heißt es Treueid oder Treueeid?

[A] Ihre Unsicherheit wird durch eine kurze Google-Suche bestätigt: auf den deutschen Seiten gibt es 37 900 Treffer für Treueid und 34 900 für Treueeid.

In den Wörterbüchern ist interessanterweise nur die Form Treueid verzeichnet, so im Grimm, im Großen Wörterbuch der deutschen Sprache des Dudenverlags und im Wahrig.

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Herkunft der Vorsilbe sau-

[F] Heute habe ich wieder eine Frage. Wie erklärt sich eigentlich die Vorsilbe sau-, Sau-, die so gern benutzt wird, z. B. in den Ausdrücken Sauwetter, saukalt?

[A] Das Wort bzw. die Vorsilbe Sau, sau- wird schon seit langem in Zusammensetzungen gebraucht, sei es Sauglück, Saukälte oder saugrob, saukalt, sauschlecht. (Daneben kommen z. B. auch schweinekalt oder Schweinegeld im Sinne von ›sehr viel Geld‹ vor.)

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